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"Das knüpft an die Marburger Zeit an"

Zur Person "Das knüpft an die Marburger Zeit an"

Wer in den 1990er Jahren in Marburg studiert hat, kennt bestimmt den Namen Stefan Mielchen. Jahrelang hat Mielchen sich hier im Asta engagiert. Was macht er heute?

Der frühere Asta-Vorsitzende Stefan Mielchen.Privatfoto

Marburg. Wenn eine bunte Parade mit Regenbogenfahnen durch die Stadt zieht, dann ist Christopher Street Day - eine Demonstration für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen. In Hamburg werden Anfang August voraussichtlich 15000 Teilnehmer auf die Straßen gehen, mehr als 100000 Zuschauer werden erwarte. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein früherer Marburger: Stefan Mielchen, der Mitte der 1990er Jahre im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (Asta) der Philipps-Universität aktiv war, ist heute Vorsitzender des Vereins Pride, der den Hamburger Christopher Street Day organisiert.

„Das knüpft an das an, was ich in Marburger Zeiten gemacht habe“, sagt der heute 50-Jährige. „Wir haben damals in Marburg einen kleinen Christopher Street Day organisiert. Vorne war ein Bulli vom städtischen Bauhof, hinten sind 400 Leute gelaufen.“ Als Grünen-Stadtverordneter habe er sich dafür eingesetzt, dass am Marburger Rathaus Regenbogenfahnen aufgehängt werden, erinnert sich Mielchen. „Was heute an deutschen Rathäusern meist selbstverständlich ist, war damals recht umstritten - am Rathaus selbst wurde denn auch nicht geflaggt, nur rund herum.“

Als Asta-Vorsitzender wurde Mielchen weit über Marburg hinaus bekannt, unter anderem durch die 1997 von Gießen und Marburg ausgehenden Streiks der Studierenden. Ursprünglich war der gebürtige Solinger aber nicht zum Studium nach Marburg gekommen - sondern als Wirtschaftsredakteur. 1992 bis 1993 arbeitete er für die OP. Die sorgte damals bundesweit für Furore, indem sie die Struktur der Zeitungsausgabe änderte. „Mich interessierte das Konzept der Oberhessischen Presse, die den Lokalteil nach vorne geholt hat“, erzählt er. An dieser Struktur hält die OP bis heute fest.

Geldbuße wegen Flugblatt zum Marktfrühschoppen

Im Sommer 1994 begann Stefan Mielchen mit dem Studium der Politik- und Medienwissen­schaft - und engagierte sich sofort als Vertreter der „Rosa Liste“ im Asta: Zunächst im Autonomen Schwulenreferat, von 1996 bis 1998 dann als Asta-Vorsitzender. „Wer sich damals offen schwul bewegt hat, kriegte durchaus Gegenwind“, erzählt er. Vor dem Marburger Christopher Street Day bekam Mielchen Post mit schwulenfeindlicher Musik einer rechtsextremen Band. „Das Signal dieser musikalischen Drohung war klar: Wir wissen, wo du wohnst. Ich habe mich davon allerdings nicht einschüchtern lassen“, sagt er.

Konflikte scheute er nie - mehrfach musste er auch juristische Streitigkeiten ausfechten. Zum Beispiel 1996, nach einer vom Asta angemeldeten Demonstration gegen den konservativen katholischen Fuldaer Bischof Johannes Dyba. „Die polizeiliche Einsatzleitung war der Auffassung, dass ich meinen Pflichten als Versammlungsleiter nicht hätte nachkommen können, da ich Frauenkleider trug“, berichtet er. Das Verfahren sei jedoch eingestellt worden.

Die Hochschulgruppe der rechtsradikalen Republikaner verklagte den Asta mehrfach, weil dieser sich unzulässigerweise zu allgemeinpolitischen Themen geäußert habe. Vom Marburger Landgericht wurden Mielchen und zwei Mitstreiterinnen schließlich zu Geldbußen verurteilt - nach Auffassung des Gerichts hatten sie mit der Finanzierung eines Flugblattes zum Marktfrühschoppen studentische Gelder veruntreut. „Aber“, sagt Mielchen stolz, „wir konnten die damalige hessische Wissenschaftsministerin Christine Hohmann-Dennhardt für die Problematik sensibilisieren, so dass das Hessische Hochschulgesetz geändert wurde, um den Studierendenvertretungen mehr inhaltliche Spielräume für ihre Meinungsäußerungen zu geben.“

Neben seinem Engagement in der studentischen Selbstverwaltung und für die Interessen von Homosexuellen blieb Mielchen auch dem Journalismus treu. Zunächst war er freier Mitarbeiter beim Hessischen Rundfunk für die Hessenschau. Im Februar 2000 ging er nach Hamburg, dort war er zehn Jahre lang Chefredakteur des schwulen Stadtmagazins Hinnerk.

Seit drei Jahren leitet er ein ganz anderes Magazin: „Haustex“ ist die führende Fachzeitschrift für die Bettenbranche. Zu seinen Lesern gehören Führungskräfte und Verkäufer im Betten-Einzelhandel und in der Zulieferindustrie. In Marburg war Mielchen schon lange nicht mehr, aber die Zeit in der Universitätsstadt hat ihn geprägt. „Mein Engagement in Marburg hat die Grundlage dafür gelegt, dass ich das heute alles mit größter Selbstverständlichkeit mache. Deshalb denke ich heute immer noch dankbar an diese Zeit zurück.“

von Stefan Dietrich

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