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Das Wunder aus dem Schützenhaus

Das wäre mal eine(r) Das Wunder aus dem Schützenhaus

Einmal im Monat erklingen Töne aus dem Stausebacher Schützenhaus, die man dort nicht vermutet. Statt dem Klack, Klack aufprallender Luftgewehr-Kugeln dringen Liedzeilen ins Freie.

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Gerhard Prölß zeigt eine seiner liebevoll gestalteten Einladungen zum Liederabend im Stausebacher Schützenhaus.

Quelle: Matthias Mayer

Stausebach. Die wollen aufs erste Hören nicht mehr so richtig in die Zeit passen. Und sie tun es doch. Immerhin ist es ein rund 40-köpfiger Chor, der mit hörbarer Freude am Gesang das Lied vom Alten Schäfer erklingen lässt:

„Steht überm Dorf der erste Sternund wird es langsam Nacht, dann hält der alte Schäfer bei seiner Herde Wacht, geht dann der runde Vollmond auf und wird‘s still nun weit und breit, dann summt der Alte leis ein Lied aus seiner Jugendzeit. Der alte Schäfer auf einsamen Feld kennt seine Herde und auch die Welt, er lächelt leise, weil er es versteht, das Glück der Erde, es kommt und geht. . .“ Genau genommen ist es gar kein Chor, kein Gesangverein, der hoch oben über Stausebach zu hören ist. Es ist ein offener Kreis von Menschen, die Freude am gemeinsamen Singen haben - ohne Leistungsdruck, ohne Beitragsordnung, ohne Vereinssatzung, ohne Notenwart und ohne Wertungssingen. Gastgeber für die bunte Gruppe ist der Schützenverein Hubertus Stausebach, der auch den heimlichen Mittelpunkt der Veranstaltung stellt: Gerhard Prölß aus Stausebach.

Eine Veranstaltung fürdie Vereinsjugend

Das Mitglied des Schützenvereins möchte nicht als solcher genannt werden. „Ich habe den Liederabend nicht erfunden, ich habe ihn auch nicht beschlossen“, stellt der vitale 74-Jährige fest. Als ihn der Vorstand darum bat, sich um die Sache zu kümmern, habe er ja gesagt. Die „Sache“, das war der im März 2013 aus der Taufe gehobene Liederabend, der den einzigen Zweck verfolgte, der Vereinsjugend die Textsicherheit für das in Stausebach noch übliche Ständchensingen beizubringen.

Gerhard Prölß war sicherlich der der geborene Kümmerer für das Projekt, war es er doch, der 1976 zum ersten Kreisschützenfest in Stausebach das Liederbuch herausgab, dessen dritte Auflage heute die Grundlage für den Liederabend ist. „Die alte Garde im Schützenhaus hat immer gesungen. Christian Kempf hat dann stets gesagt, ,wenn wir hier schon zusammensitzen, können wir auch fröhlich sein und singen‘. Ich habe versucht, die alten Lieder aufzuschreiben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten“, erzählt Gerhard Prölß, in dessen Elternhaus einst der Schützenverein gegründet wurde.

Prölß: „Ich muss mich immer wieder wundern“

Die Vereinsjugend hatte nach vier, fünf Liederabenden genug gehört, gelesen und gesungen und blieb fortan den Liederabenden fern. Beim Umgang mit Superlativen ist Zurückhaltung geboten, aber was dann geschah, ist ein kleines Wunder. Das gesangliche Institut hätte eigentlich an dieser Stelle den Weg allen Irdischen gehen müssen. Stattdessen nahm der Andrang zum Liederabend kontinuierlich zu. Und das zu Zeiten, in denen überalterte Gesangvereine nicht mehr singfähig sind und ihren aktiven Betrieb einstellen müssen.

„Ich muss mich immer wieder wundern, und einige Weggefährten, die uns schon lange begleiten tun das auch“, bekennt Gerhard Prölß, und blättert in seiner bis Ende 2015 ausgewerteten Statistik. Die besagt, dass am 25. März 62 Sängerinnen und Sänger das Schützenhaus zum Liederabend geflutet haben. „40 Sängerinnen und Sänger sind es inzwischen immer. Darunter mehr als 50 Prozent Frauen“, nennt Gerhard Prölß für eine Gruppe, die sich mit dem Singen von Volksliedern beschäftigt, beeindruckende Zahlen. Insgesamt rechnet er zu dem offenen Kreis rund 80 Personen, die längst nicht nur in Stausebach zu Hause sind. „Die Kernstadt ist mit rund 20 Sängern stark vertreten. Viele Besucher kommen auch aus weiter entfernten Dörfern“, erzählt der Stahlbauschlosser. Der registriert inzwischen verbindliche Strukturen in dem auf Unverbindlichkeit ausgelegten Kreis. „Wir sind inzwischen wie eine Art Familie. Teilnehmer sagen ab, wenn sie an einem Liederabend nicht kommen können. Andere entschuldigen sich bei Krankheit. Und wenn jemand länger nicht gekommen ist, wird schon mal nachgefragt, ob es dem noch gut geht“, sagt Gerhard Prölß.

Für diese Entwicklung macht er nicht nur die von Reinhold Jennemann vorbereiteten Fahrten in die Rhön, sondern auch die Atmosphäre bei den Liederabenden verantwortlich. „jeder Neuling wird willkommen geheißen und integriert. Niemand fühlt sich allein“, sagt der Kümmerer, der stes das erste Lied anstimmt. Alle anderen Lieder, darunter auch welche in oberhessischer Mundart, werden von den Teilnehmern ausgesucht. Etwa 20 Lieder sind inzwischen aus dem Kreis der Teilnehmer in das Repertoire eingeflossen. Sie werden in der vierten Auflage des Liederbuchs stehen, an der Gerhard Prölß derzeit arbeitet.

Er ist mit seinem fröhlichem und ausgleichenden Wesen, seiner freundlichen Ansprache die Lokomotive des Erfolgsmodells. Und seine Art des Umgangs kommt aus seinem Innersten. „Ich habe immer Glück gehabt in meinen Leben“, sagt der verheiratete Vater zweier Kinder und Großvater. Glück sind für ihn die intakte Familie, die berufliche Laufbahn mit der Ausbildung bei Pitton, der Zeit bei Emco, wo er als Vorarbeiter in der Schiffsverlade-Abteilung und 20 Jahre lang als Betriebsratsvorsitzender wirkende und die intakte Dorfgemeinschaft in Stausebach.

Wer ihn erleben möchte: Der nächste Liederabend im Stausebacher Schützenhaus findet am Freitag, 30. September, ab 19 Uhr im Schützenhaus statt. Neue Interessenten sind dazu wie immer herzlich willkommen.

von Matthias Mayer

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