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Blüten, Kräuterduft und ganz viel Ruhe

Das wär mal eine(r) Blüten, Kräuterduft und ganz viel Ruhe

Im Garten der Alten Kirche von Niederweimar grünt und blüht es. Schmetterlinge flattern in dem Idyll umher. Hilde Brusius hat diesen farbenfrohen Ort neben dem historischen Gemäuer geschaffen.

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Hilde Brusius hegt und pflegt den Garten an der Alten Kirche in Niederweimar täglich mit viel Liebe zum Detail.

Quelle: Patricia Grähling

Niederweimar. Die Alte Kirche in Niederweimar ist für viele Menschen ein Ort, an dem sie in einen neuen Lebensabschnitt starten: Gerade in den warmen Monaten werden dort jede Woche mehrere Ehen geschlossen. Das Standesamt der Gemeinde traut dort die Paare. Neben den Standesbeamten der Gemeinde und vielen Helfern aus dem Förderverein der Alten Kirche trägt auch Hilde Brusius dazu bei, dass dieser Tag für die Frischvermählten unvergesslich bleibt.

Nach der Trauung treten die Eheleute aus dem Gemäuer hinaus – und können in einem wunderschönen Garten mit ihren Gästen auf das junge Glück anstoßen. In dem kleinen Idyll werfen Bäume kühlende Schatten an heißen Tagen. Farbenfroh blühende Blumen umrahmen den Garten, ergänzt von duftenden Kräutern.

„Das Bild ändert sich hier mit jeder Jahreszeit“

Hilde Brusius zeichnet für diese blühende Pracht verantwortlich. Täglich kümmert sie sich um die Pflanzen in dem kleinen Garten. Und sie stellt – dies zusammen mit drei anderen Helferinnen aus dem Dorf – Sektgläser bereit und richtet die Kirche schön her. Hinterher spülen die Frauen auch. „Da sind die Brautleute immer sehr dankbar, dass sie sich darum nicht kümmern müssen“, sagt sie lächelnd.

„Das Bild ändert sich hier mit jeder Jahreszeit“, sagt Brusius, während sie im Schatten sitzt und zufrieden die Blumen betrachtet, die sie gerade erst gewässert hat. Es ist ein lauer Abend nach einem heißen Sommertag. Schatten senkt sich über das kleine Gärtchen. „Ich komme gerne hierher und schaue dann, was zu tun ist.“ Das sei ihr festes Ritual am frühen Abend; und hier habe sie ihre Ruhe.

Die „Zugezogene“, die als Fünfjährige aus dem Sudetenland nach Treis bei Staufenberg kam, erzählt, dass die Alte Kirche viele Jahrzehnte leer stand. In den 80er-Jahren wollte jemand ein Meditationszentrum daraus machen – in dem Zuge sei auch ein Kräutergarten angelegt worden. „Aus dem Projekt wurde nichts und auch der kleine Garten verwilderte langsam wieder“, sagt die Niederweimarerin. „Irgendwann drückte der Pfarrer mir dann die Schlüssel in die Hand und sagte, ich solle das mal machen.“ Mit einer Sense habe sie dann den Rasen gemäht, habe Unkraut gejätet und zwei Jahre lang die groben Arbeiten im Garten übernommen.

„Die Arbeit im Kräutergarten hat mir Spaß gemacht und ich habe viel gelernt“, erzählt Bru­sius. „Damals wussten viele Menschen ja noch nichts mit Kräutern wie Basilikum anzufangen.“ Deshalb habe sie die Arbeit auch weiter gemacht, als sich 1988 der Förderverein Alte Kirche gründete. Und weil der Verein damals noch kein Geld hatte, habe sie im Dorf andere Menschen angesprochen und ihnen Ableger von besonders schönen Pflanzen abgeschmeichelt. Schließlich sei ein reiner Kräutergarten zwar nützlich, aber eben nicht so ansehnlich wie farbenfrohe Blumen. „Der Kirchgarten war für mich eine Herausforderung. Heute gibt er ein wundervolles Bild ab.“

Wissen von der Mutter geerbt

Auch zuhause kümmert Brusius sich um einen kleinen Garten, dem sie ebenso wie ihrem Innenhof mit Stauden und Blumen Leben verleiht. Dort zieht sie sich auch viele Pflanzen selbst, die sie dann später bei der Alten Kirche einpflanzt. Im Frühling blühen dort Tulpen, im Sommer herrschen Dahlien vor. Im Herbst gräbt sie dann die Pflanzen aus, um sie daheim überwintern zu lassen. „Ich habe gerne Blumen, die nicht hochgezüchtet sind“, verrät die 76-Jährige. „Eben richtige Bauernblumen, wie Dahlien oder Astern.“

Früher hatte Brusius einen Gemüsegarten. „Aber das war nur Arbeit und kein Spaß.“ Mit den Blumen hingegen habe sie Freude am Gärtnern entdeckt. Schon zu ihrer Zeit als Mitarbeiterin im Steuerbüro habe sie versucht, die Räume mit Topfpflanzen hübscher zu gestalten.

Das Wissen um die Pflanzen, die Anzucht und die Pflege hat die 76-Jährige von ihrer Mutter. Vieles habe sie aber auch mit der Zeit ausprobiert und dabei gelernt. „Natürlich gab es dabei auch Rückschläge, weil mir manche Pflanzen gar nicht gedeihen wollen.“ Beispielsweise die Rosen: Die müsse im Garten der Kirche ein anderer Helfer pflegen. „Ich mag das nicht und ich kann es nicht. Ich bleibe da immer hängen“, sagt sie mit einem Lachen. Da erfreue sie sich lieber nur an den Blüten und dem Duft.

Beeindruckende Reise in die Gärten von New York

Nicht nur den Garten, auch die Hochzeiten genießt die Hobby­gärtnerin. „Das ist hier kein bürokratischer Akt. Die Braut­leute zelebrieren das richtig.“ Viele Bräute heiraten auf dem Standesamt in Weiß, Familien und Freunde kommen mit zur Trauung. „Wir bekommen problemlos bis 100 Gäste hier unter“, sagt Brusius. Dabei habe sie schon viel erlebt, denn nicht alle Paare heiraten klassisch in Weiß. „Vor kurzem hatten wir eine komplette Hochzeitsgesellschaft in hessischer Tracht“, erzählt die Gärtnerin. Auch eine Gothic-Hochzeit habe sie schon bewirtet.

Zum Thema Garten plant Brusius übrigens auch ihre Urlaube mit anderen Gartenfreunden. In Cornwall habe sie gepflegte englische Gärten besucht und wurde dort zu Teezeiten geladen; in Berlin beeindruckten sie die Hochgärten, die Anwohner auf einem verlassenen Flughafengelände angelegt haben. Besonders beeindruckt war sie von ihrer jüngsten Reise nach New York. „Da gibt es urbane Gärten in den Lücken zwischen den Hochhäusern.“ Dort treffen sich die Leute, bauen gemeinsam Gemüse an, schwatzen oder genießen einfach nur die kleine Ecke Natur im Großstadtgewimmel. „Meistens gehören die Gärten Einwanderern, die ihre heimischen Pflanzen dort einbringen“, erzählt sie begeistert.

Auf einer fünfstöckigen Fabrik habe jemand auf dem Dach Gemüse­gärten angelegt und verkaufe seine Produkte an die umliegenden Restaurants. „Und unter den Beeten wird gearbeitet.“ Ganz so spektakulär ist der kleine Garten an der Alten Kirche nicht – aber er ist spürbar mit viel Liebe zum Detail angelegt und leidenschaftlich gepflegt.

von Patricia Grähling

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