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Beim Judo geht es um Respekt

Das wäre mal Einer Beim Judo geht es um Respekt

Oleg Spizyn hat seine beiden Söhne früh zum Judo geschickt, damit sie Körper und Geist trainieren - und nicht auf der Straße rumhocken. Heute studieren beide und helfen Papa bei der Ausbildung von Judo-Nachwuchs.

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Alexander (links) und Michael Spizyn trainieren seit früher Kindheit gemeinsam Judo. Heute bilden sie zusammen mit ihrem Vater Oleg Spizyn Kinder in der Kampfsportart aus.

Quelle: Grähling

Kirchhain. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Im Fall der Familie Spizyn sind sogar beide Äpfel sehr nah beim Stamm geblieben - oder besser gesagt: Beide Söhne von Oleg Spizyn treten in dessen Fußstapfen. Sie haben nicht nur gemeinsam Judo gelernt, sondern unterrichten gemeinsam viele Kinder und Jugendliche in der japanischen Kampfkunst.

Oleg Spizyn ist der Leiter der Judo-Abteilung des TSV Kirchhain. Seine beiden Söhne unterstützen ihn beim Training der drei Gruppen in Kirchhain und weiterer Gruppen in Homberg/Ohm und Anzefahr. Oft übernimmt sogar mittlerweile der jüngste Sohn, Michael Spizyn, komplett das Training. Der ältere Bruder Alexander kann nicht mehr immer dabei sein, da er derzeit seine Kraft aufs Studium der Medizintechnik konzentriert.

Gesät wurde die Leidenschaft für Judo bereits in Kasachstan. Dort hatte Oleg Spizyn begonnen, die Kampfkunst aus Fernost zu erlernen. „Nach meiner Hochzeit habe ich aufgehört“, sagt der 48-Jährige. Die Zeit in Kasachstan sei nicht so einfach gewesen, er habe sich zudem um seine Familie kümmern müssen. 1995 kam die kleine Familie dann nach Deutschland, und in Stadtallendorf begann der Vater dann wieder mit dem Training.

„Judo ist nicht nur für die Beine und die Kraft“, sagt Oleg Spizyn. „Es ist gut für die allgemeine Entwicklung von Körper und Geist.“ Deswegen schickte er auch seine beiden Jungs zum Training, als sie alt genug waren. Eigentlich sei ihm egal gewesen, welchen Sport sie machten. „Sie sollten einfach eine Beschäftigung haben und nicht gelangweilt auf der Straße hocken.“ Dann hätten die beiden Jungs aber Spaß daran gehabt, Talent gezeigt - und so seien die Ziele immer höher gesteckt worden.

Individuelles Training ist wichtig

Der Familienvater hatte in Stadtallendorf eine Gruppe Judokas trainiert. Weil es ihm um Leistung ging und er deswegen besonders talentierte Jugendliche fördern wollte, gingen die Spizyns zum TSV Kirchhain und gründeten dort die Judo-Abteilung. Sie starteten 2011 mit 23 jungen Schülern und trainieren heute laut dem 21-jährigen Michael Spizyn mehr als 90 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. „Wir bieten dort Sport für alle Interessierten“, erklärt der Jüngste und sein Vater ergänzt: „Wo wir besonderes Potenzial sehen, fördern wir extra. Da reicht zwei Mal die Woche Training nicht, wenn man sich auf einen Wettkampf vorbereiten will.“ Denn nicht nur für ein Kind sei es eine bittere Erfahrung, wenn es auf der Matte schnell unterliege. „Als Trainer sehe ich das als meinen persönlichen Fehler an.“

Laut Michael Spizyn sei ein individuelles Training wichtig, um für jeden Schüler die passende Technik zu finden. „Es gibt bei den Würfen Standardausführungen. Aber es gibt auch zahlreiche Variationen, die manchen Judoka besser liegen.“ Diese individuelle Technik hänge etwa von Größe und Gewicht ab, aber auch von Beweglichkeit, Mut und Kopf.

Mit dem Judo geht es in der Schule der Spizyns früh los: In der ersten Gruppe sind Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren. „Die Kinder lernen natürlich noch kein Judo“, betont der 21-Jährige. Die Kinder lernten judospezifische Bewegungen und würden spielerisch und körperlich auf das Training im höheren Alter vorbereitet. Auch die geistige Entwicklung werde schon gefördert.

Grundlagen der Kampfkunst lerne dann die zweite Gruppe. Insgesamt 30 Kinder zwischen acht und 13 Jahren trainierten die Männer dort. „Das ist manchmal wie eine Lawine, wenn einer anfängt, Quatsch zu machen“, sagt der 24-jährige Alexander Spizyn. „Nur bei Michael sind alle die ganze Zeit diszipliniert. Er hat sie einfach im Griff.“ Stolz sind die Brüder aber beide auf die Schüler. So hat ein Neunjähriger aus ihrer Judo-Schule im vergangenen Jahr den Vize-Meistertitel in Hessen geholt. Außerdem haben ihre Schüler bereits fünf Mal die seltenen und begehrten Auszeichnungen für die schönste und spektakulärste Technik bekommen. „Wir sind viel kleiner als andere Vereine und da ist so eine Auszeichnung für uns toll“, sagt Oleg Spizyn.

Es geht um Fairness 

Im Haus der Familie türmen sich auch Pokale und Abzeichen, die die beiden Söhne heimgeholt haben. „Alex ist unser Bester“, sagt der Vater und klopft seinem Spross auf die Schulter. 2010 wurde der nämlich deutscher Meister im Sambo - einer judoähnlichen waffenlosen Selbstverteidigung. „Da haben wir im Keller jeden Tag zwei Mal trainiert“, sagt der jüngere Bruder lachend. Zusätzlich sei der 24-Jährige morgens vor der Schule noch joggen gegangen, schließlich hatte er sich für die Europameisterschaft qualifiziert. Doch aus der Teilnahme wurde nichts: Zwei Wochen vorher verletzte der junge Mann sich beim Training.

Mittlerweile nehmen Michael und Alexander nicht mehr an Wettkämpfen teil, sondern konzentrieren sich auf Studium und die Ausbildung der Schüler. Schließlich bieten die drei Männer 13 Stunden reguläres Training in Kirchhain, Homberg und Anzefahr an - und trainieren darüber hinaus mit besonders talentierten Schülern auch privat weiter.

Respekt ist ein Wort, das bei allen drei Männern immer wieder fällt. Denn der sei ihnen besonders wichtig. „Die Kinder lernen nicht nur Judo, sondern bekommen auch Werte vermittelt“, erklärt Oleg Spizyn. Es gehe auch um Bewusstsein für den Körper, für Mitmenschen und die Umgebung, für ein gesundes Leben und Disziplin. „Judo dient der Selbstverteidigung und ist daher keine aggressive Sportart“, erklärt der Vater. Unsportliches Verhalten werde auf Turnieren sehr stark geahndet - und auch die drei Männer dulden es in ihren Gruppen nicht, sondern erklären den Schülern, dass sie nicht mit Gewalt, sondern mit Respekt kämpfen sollen. „Die Mädchen lernen dabei besonders fleißig“, sagt Oleg Spizyn.

von Patricia Grähling

 
HINTERGRUND

Judo ist eine japanische Kampfsportart. Der Begriff bedeutet „sanfter Weg“, denn es geht nicht darum, den Gegner möglichst schwer zu treffen, sondern vielmehr um eine Verteidigung. Angestrebt wird eine maximale Wirkung bei einem Minimum an Kraftaufwand. Beim Judo ist nicht nur der Sport wichtig, sondern auch die Entwicklung des Geistes. Dabei geht es um gegenseitigen Respekt, der auch im Kampf gelebt wird.

Die Wurzeln des Judo liegen im 8. Jahrhundert. Damals gab es erste Ringkämpfe mythischen Ursprungs, auch am Kaiserhof. Die Kampfkunst Judo wurde 1882 von Kano Jigoro in Tokio begründet. Judo verbreitete sich sehr schnell, nachdem Schüler von Jigoro 1886 Schüler der traditionellen Jiu-Jitsu-Schule besiegt hatten. 1911 schließlich wurde Judo Pflichtfach in Schulen und wurde ebenso bei der Polizei und der Armee eingeführt.

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