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Aylette Villemain glaubt an Veränderung

OP-Jubiläumsserie: Das wäre mal eine(r) Aylette Villemain glaubt an Veränderung

Die gebürtige US-
Amerikanerin Aylette 
Villemain ist in vielen ­Ländern der Welt herumgekommen. Mittlerweile hat sie mit ihrer Familie 
in Marburg eine „sehr ­gute Basis“ gefunden.

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Aylette Villemain betreibt die mobile Suppenküche „Sup Di“. Die Suppe„Pho“ wird mit Zitronen verfeinert.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Manchmal regnet es Aylette Villemain ein bisschen viel in Marburg. „Aber es ist ein wunderschöner Ort“, sagt die 58-Jährige. Sie ist viel unterwegs und mag die Beständigkeit – dass vieles noch beim Alten ist, wenn sie wieder zurückkehrt.

Für den Umzug nach Marburg im Jahr 1994 hat sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Herbert Christ ganz bewusst entschieden. Damals lebten die beiden noch in Tunesien und haben mit Freunden aus Marburg überlegt, wo sie wohnen könnten. „Die Illustrationen von Otto Ubbelohde sind in den USA sehr bekannt. Vielleicht kam mir Marburg deshalb gleich vertraut vor.“

Aylette Villemain wurde im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, lebte unter anderem in New Jersey und Palo Alto in Kalifornien. Im kalifornischen Berkeley und in Georgetown (Washington D.C.) studierte sie Wirtschaftliche Entwicklung und Regionalwissenschaft. Mitte der 80er-Jahre ging sie für die USAID, die United Stated Agency for International Development, nach Amman in Jordanien. Dort lernte sie ihren Mann Herbert kennen, der für eine Vorgängerorganisation der GIZ arbeitete. 1989 ging es gemeinsam nach Tunesien.

„Die Gegend ist so unglaublich sicher“

Während sie von ihren Auslandsstationen erzählt, schmeichelt sich leise schnurrend die schwarzweiße Hauskatze Pepper an ihr Bein. „Katzen passen gut zu uns, wir sind auch viel unterwegs.“ Zum Beispiel besuchen sie regelmäßig die Familie in Amerika oder fliegen nach Marokko oder Vietnam. Nach Marburg kehrt Villemain immer wieder gerne zurück, die Stadt ist eine „sehr gute Basis“, sagt sie.

„Die Gegend ist so unglaublich sicher.“ Es gebe keine Klimakatastrophen, keine Seuchengefahr und kaum Kriminalität und Gewalt. „Wenn in der OP über Autokratzer berichtet wird, dann kann nicht viel Schlimmeres passiert sein.“

Ende der 90er-Jahre ging es für die Familie dann bis 2007 nach Hanoi, Vietnam. „Ich habe dort zuerst als Beraterin im Privatsektor, später in Demokratieprojekten in abgelegenen Dörfern gearbeitet.“ Es galt, eine lokale Politikstruktur aufzubauen. Herbert Christ arbeitete im Bereich Forst- und Waldschutz daran, die Struktur und Verwaltung des Tam-Dao-Nationalparks aufzubauen.

Seit der Rückkehr gab es immer wieder Kurzeinsätze, die sich aber nicht so gut mit dem Familienleben vereinbaren ließen. „Wenn man in den USA nichts findet, dann fängt man etwas an“, schmunzelt Villemain. Sie gründete die mobile Suppenküche Sup Di, kocht und verkauft seitdem hauptsächlich die vietnamesische Suppe Pho. „Uns hat die Suppe sehr gefehlt, und ich habe sowieso wöchentlich Pho gekocht, oft für viele Freunde gleich mit.“ Jetzt kocht sie eben noch mehr und vertreibt die Suppe über die Homepage www.sup-di.com.

Große Pläne für die Zukunft

Die Ratschläge, die sie jahrelang als Beraterin erteilte, kann sie nun anwenden. „Zum Beispiel, wenn man ein Business startet, sollte man etwas tun, das man gut kann.“ Bei der Suppe legt sie großen Wert auf Qualität, verwendet Zutaten aus der Region und mörsert ihr Currypulver selbst. „Ich versuche gerade, in Zusammenarbeit mit einer Kräuterfrau, asiatische Kräuter hier anzubauen.“

Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Birgit Pauly hat sie große Pläne. Manche halten sie für sehr optimistisch. „Aber lieber ein bisschen überambitioniert sein, als in der Ecke zu sitzen und zu zweifeln, ob man etwas ändern kann“, erklärt Villemain. Diese Einstellung erklärt sie sich zum einen mit ihren amerikanischen Wurzeln, zum anderen mit ihrer langjährigen Tätigkeit.

„Wenn man aus der Entwicklungshilfe kommt, gehört es dazu, Ziele zu haben und es ist typisch für uns Amerikaner immer daran zu glauben, dass man etwas verbessern kann.“ Das nächste große Projekt steht schon in der Garage und heißt „Phred“, nach einem Vietnamesen aus der Comicreihe „Doonesbury“ benannt. Phred ist ein alter Wohnwagen, der zum Food-Truck werden soll. Dafür stehen einige Restaurations-Arbeiten aber auch viele Behördengänge an. Die nötige Geduld und das Organisationstalent dazu hat Aylette Villemain ganz bestimmt.

von Philipp Lauer

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