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Anzeigen als ein Stück Zeitgeschichte

Blick in die OP von damals Anzeigen als ein Stück Zeitgeschichte

150 Jahre gehen nicht spurlos an einer Zeitung vorbei: Druck, Schrift und Name der Oberhessischen Presse haben sich verändert – aber auch Anzeigen sehen heute anders aus. Ein kleiner Einblick 
in die Vergangenheit.

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Ebenso wie das Layout der Zeitung ändern sich auch Inhalte und Gestaltung der Werbeanzeigen.

Marburg. Egal ob Eigenanzeigen der Oberhessischen Presse, Anzeigen von Unternehmen aus der Region oder Werbung für Produkte: Anzeigen haben sich im Laufe der Jahre sehr verändert.

Das liegt natürlich nicht zuletzt auch an der technischen Revolution. Heute werden Fotos gedruckt, Bilder und Werbung bekommen Farbe und Texte müssen nicht mehr mühselig mit Bleilettern gesetzt werden. Für die Gestaltung von Anzeigen gibt es also ganz neue technische Möglichkeiten. Aber auch die Texte, mit denen die Kunden angesprochen werden, klingen heute gänzlich anders.

Vor rund hundert Jahren – damals hieß die OP noch Oberhessische Zeitung – warb sie nicht mit Werbeprämien oder digitalen Inhalten um Kunden. Es hieß schlicht: „Wer eine reichhaltige, gut unterrichtete Tageszeitung lesen will, der bestelle sofort die ­Oberhessische Zeitung in Marburg.“

Keine Preise, keine Sonderangebote. Vielmehr durch das „sofort“ noch ein kleiner Befehl – so würde heute kein Anzeigenberater mehr eine Anzeige formulieren, die auch tatsächlich neue Leser bringen soll.

Fotos und farbige Logos waren damals noch nicht möglich. ­Also ­behalfen Drucker und Anzeigengestalter sich anders: Werbung, die besonders ins Auge fallen sollte, wurde mit gezeichneten Bildern ausgestaltet.

Manche Firmen gibt es noch, manche heißen jetzt unten

Auch so konnten die Anzeigengestalter damals darstellen, dass Glücksklee-Milch den Kaffee verfeinert und erst richtig schmackhaft macht. Die Zielgruppe fällt bei dieser Werbung übrigens auch sofort ins Auge: Es werden in der Anzeige vom November 1950 ausschließlich Frauen angesprochen.

„Es ist schon spannend und manchmal sehr lustig, Werbung von früher anzusehen“, sagt Petra Fischer von der Anzeigenabteilung der Oberhessischen Presse. Zusammen mit Kollegen durchforstet sie derzeit alte Ausgaben der Zeitung. Die sind noch auf Film festgehalten. „Viele Firmen kannte ich gar nicht“, sagt Fischer. Das liegt zum einen daran, dass es sehr viele Firmen aus den Anfängen und der Mitte des 20. Jahrhunderts heute nicht mehr gebe. „Andere haben sich aber auch umbenannt.“

Fischer beschäftigt sich also derzeit auch mit der Geschichte der Unternehmen in der Region, um die zugehörigen alten Anzeigen zu finden. Und dabei lernt sie einiges: „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Margarine Rama damals noch mit „H“ geschrieben wurde.“ Das entdeckte sie in der alten Anzeige vom 24. März 1926.

Und Begro etwa verkaufte zu Beginn keine Kleidung, sondern Lebensmittel. „Und sehr viele der alten Unternehmen in der Region sind heute noch Familienbetriebe“, zeigt sie sich erstaunt.

So gebe es das Autohaus Hoch in Gladenbach seit 1936. Es entstand aus einer Schmiede und Schlosserei. Die Mühlenbäckerei Pfeiffer in Lahntal sei zudem schon seit 1850 im Familienbesitz. „Das Kaufhaus Teka hat früher außerdem quasi täglich in der Oberhessischen Zeitung annonciert“, sagt Fischer.

Gezeichnete Bilder 
in den Modeanzeigen

Das habe sie aber beinahe nicht entdeckt: Denn Teka hieß bis 1951 noch C.A. Hartmann. Das damalige Aussteuerhaus benannte sich im gleichen Jahr um, in dem auch aus der Oberhessischen Zeitung die Oberhessische Presse wurde. Ferrero in Stadtallendorf gab am 1. August 1964 in der OP den neuen Namen bekannt. Zuvor hieß der Süßwarenhersteller noch Assia.

„Es hat sich nicht groß verändert, was beworben wird“, sagt Fischer. „Nur die Art und Weise, wie es beworben wird, ist heute anders.“ So wurden die Kleider in der Werbung von Ahrens und anderen Bekleidungsgeschäften damals noch gezeichnet. Heute werde die neue Mode in bunten Fotografien gezeigt. Was im Laufe der Zeit seltener geworden ist, sind Werbeanzeigen für gezielte Produkte.

So taucht die Rama heute nicht mehr in einer eigenen Werbung auf, sondern mit anderen Produkten in den Sonderangeboten, die Lebensmittelgeschäfte annoncieren. Einige alte Anzeigen von Firmen aus der Region werden auch in der Jubiläumsbeilage im Oktober abgedruckt – und der heutigen Werbung gegenübergestellt.

von Patricia Grähling

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