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Als Entdeckerin in Namibia unterwegs

Das wäre mal eine(r) Als Entdeckerin in Namibia unterwegs

Als erste deutsche Journalistin hat Konny von Schmettau vom Krieg in Uganda berichtet und von der Diamantenstadt in Namibia. Nun hat die ­Cappelerin auf einer ihrer Reisen eine verschollene Inschrift wiederentdeckt.

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Die Autorin schreibt über ihre neue Entdeckung.

Quelle: Patricia Graehling

Cappel. Das Herz von Konny von Schmettau schlägt spürbar für Afrika. Sie lächelt, wenn sie von dem wilden, weiten Land erzählt und von den Menschen, die dort leben. Und irgendwie zählt sie sich unterbewusst mittlerweile selbst zu den dortigen Einwohnern. Wenn sie von den Menschen in Namibia spricht und von ihren Eigenarten, den Unterschieden zu den Deutschen, dann schließt von Schmettau sich ein. Sie sagt „wir“, wenn sie von den Namibiern redet. Eigentlich ist das auch kein Wunder, schließlich hat die 54-Jährige die vergangenen elf Jahre in Namibia gelebt, gearbeitet und geforscht. Sie hat das Land erforscht und auch sich selbst.

„Es gibt mir viel Freiheit, wenn ich mit meinem alten VW im Busch unterwegs bin und abends alleine mit meiner Gitarre am Lagerfeuer sitze.“ Einsam sei sie aber nie. Schließlich lebten in Namibia nur 2,5 Millionen Menschen - darunter 20000 Deutsche. „Da kennt jeder jeden.“ Platz für Rassismus gebe es dort nicht. „Das macht es so schön.“

Ende August hat sie auf einer ihrer Reisen eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die in Namibia große Wellen schlug: von Schmettau entdeckte eine verschollene Inschrift in einem Baum. Der schottische Afrikaforscher David Linvingstone hatte sie dort 1851 in einem rund 3000 Jahre alten Baobab-Baum hinterlassen. „Der Baum ist so groß, dass 30 Menschen zusammen ihn nicht umarmen können“, erklärt die Journalistin. Außerdem sei der alte Baum innen hohl und voller Verwachsungen. Viele Entdecker hätten in den vergangenen Jahrzehnten nach der Inschrift gesucht - vergeblich.

Nilpferde fressen nachts den Salat weg

Sie musste dort sein, schließlich nennen die Einheimischen den Baum „Livingstones Baobab“ und von Schmettau fand im vergangenen Jahr Ferdinand vom Stamm der Mayeyi - der habe die Inschrift 40 Jahre zuvor in seiner Kindheit gesehen. In diesem Jahr kehrte die Journalistin, die Expeditionsreisen für Deutsche anbietet, mit dem Nürnberger Realschullehrer Johannes Wiemann und Patrick Makumba, dem Ältesten der Mayeyi in Sangwali, zurück zu dem Baum. „Ich habe stundenlang gesucht, weil ich sie unbedingt finden wollte.“ Dafür wurde sie belohnt: Sie fand Teile des Namenszuges von Livingstone, ein eingeritztes Kreuz und ein Symbol, das sie als Wappen der englischen Königin Victoria deuten würde. Für sie hat er auch die berühmten Wasserfälle in Namibia in Victoriafälle umbenannt.

Ihre neue Entdeckung fließt auch in die gerade erschienene dritte erweiterte Neuauflage ihres Buches „Sangwali - David Livingstone am Linyanti“. Es ist das fünfte Buch ihrer Reihe „Auf Pad mit Konny“. Vorgestellt wurde es gerade in der deutschsprachigen „Allgemeinen Zeitung“ in Namibia - für diese arbeitet von Schmettau auch als freie Journalistin. „Es ist unglaublich. Das ist gerade mein Durchbruch. Die ersten beiden Auflagen waren schnell ausverkauft und jetzt habe ich schon so unglaublich viele Bestellungen.“ Erhältlich ist das Buch auch als E-Book - und sei direkt am ersten Tag 180-mal abgerufen worden.

Die Bücher ihrer Reihe verkauft von Schmettau für jeweils 10 Euro. Mindestens 2 Euro fließen davon in ihre Hilfsprojekte in Namibia. Sie unterstützt eine Kindertagesstätte, in der rund 50 Kinder von alleinerziehenden Müttern betreut werden und ein Gartenprojekt für Frauen in Sangwali. „Dort gibt es viel Wasser, aber nachts fressen die Nilpferde den Salat weg.“ Gartenhäuser seien daher dringend notwendig.

Geboren wurde von Schmettau im Wittgensteiner Land. Mit neun Jahren schon entdeckte sie das Schreiben für sich und verfasste Geschichten. Später studierte sie in Marburg Archäologie und Kunstgeschichte, wurde freie Journalistin. „1989 war ich vier Jahre in Uganda“, erzählt sie. Dort sei sie nach der Diktatur Idi Amins die erste akkreditierte Auslandskorrespondentin und Kriegsberichterstatterin gewesen. „Ich habe auch gerne wilde Reportagen in der Sahara gemacht“, erzählt sie lachend. Irgendwann habe sie Namibia entdeckt: „Und das war es dann. Ich gründete dort mein Büro für Marketing und Journalismus und bin ausgewandert.“ In Deutschland sei sie vor allem Wirtschaftsjournalistin gewesen. Das habe sich über die Berichterstattung über Kultur und Gesellschaft schließlich zum Reisejournalismus entwickelt.

„Ich wollte als Kind schon immer nach Afrika und habe hart für das Ziel gearbeitet. Heute lebe ich meinen Traum“, sagt sie mit einem Leuchten in den Augen. Dort habe sie viele Entdeckungen gemacht, durfte sogar aus der Diamantenstadt im Sperrgebiet berichten - nachdem sie zuvor von Geheimdiensten durchleuchtet worden sei.

Wegen Mama nach Deutschland zurückgekehrt

Seit diesem Frühjahr lebt die 54-Jährige wieder in Cappel. „Ich habe einfach zwei Heimatorte“, erklärt sie. Ihrer Mama wegen sei sie zurückgekehrt. „Sie hat viel für mich getan und jetzt möchte ich noch viel Zeit mit ihr verbringen und für sie da sein“, sagt sie. Afrika laufe ihr schließlich nicht weg. „Ich fühle mich hier auch wohl. Auch wenn das Leben völlig anders ist als im Busch.“ Sie freue sich schon auf ihren ersten Weihnachtsmarkt nach elf Jahren. Und auch den ersten Pflaumenkuchen bei Mama habe sie schon sehr genossen. „Und es ist toll, dass man hier alles kaufen kann.“ In Namibia habe sie 130 Kilometer zum nächsten Geschäft fahren müssen.

Ganz auf Afrika verzichten kann sie jedoch nicht. Expeditionen für kleine Gruppen oder Einzelpersonen bietet sie weiterhin an und fliegt für Botanik- oder Geschichtstouren nach Namibia. In Deutschland hingegen will sie wieder als Journalistin arbeiten - „wenn ich wieder in der Zivilisation angekommen bin“, sagt sie schmunzelnd.

Die Bücher „Mit Pad auf Konny“ können direkt bei der Autorin bestellt werden. Infos dazu gibt es auf der Internetseite www.namibia-aktiv.com.

von Patricia Grähling

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