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Acht Jahre „vorübergehend“ Trainerin

OP-Jubiläumsserie: Das wäre mal eine Acht Jahre „vorübergehend“ Trainerin

Tanzen ist ihr Leben. ­Deswegen leitet Natalja Sommer bereits seit acht Jahren die Tanzgruppe „Toxic Mixture“. Das ­managt sie neben Arbeit, Hausbau und ihrer Familie mit zwei kleinen Söhnen.

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In der aktuellen Saison treten die Frauen von „Toxic Mixture“ unter Leitung von Natalja Sommer 
als fesche Piratinnen zu einem peppigen Liedmix auf.

Quelle: Patricia Grähling

Dreihausen. „Eigentlich war es ja nur eine vorübergehende Notlösung“, wie Natalja Sommer lachend erklärt, während sie versucht, ihren zweijährigen Sohn zu bändigen, der schon wieder an den Stühlen hochklettert.

Eigentlich wollte Natalja Sommer nämlich gar nicht Leiterin der Tanzgruppe „Toxic Mixture“ werden. Aber es kam alles anders: „Unsere vorige Trainerin Sonja Hahn hat aufgehört – wegen Familienzuwachs“, erklärt die 27-Jährige.

Eine Nachfolgerin hatte die damals noch junge Tanzgruppe nicht finden können, daher sprang Sommer ein. Und irgendwie leitet sie die Gruppe heute noch immer, irgendwie ist sie in ihre Rolle hineingewachsen.

„Vorher habe ich immer getanzt, was andere gesagt haben“, sagt Sommer. „Jetzt musste ich plötzlich den anderen sagen, was sie tanzen sollen.“ Die junge Frau tanzt seit ihrer Kindheit, war in verschiedenen Vereinen und Formationen, probierte alle möglichen Tanzstile von Ballett bis Showtanz aus. Diese Erfahrungen seien heute sehr hilfreich, wenn sie Lieder aussucht und Choreografien entwickelt. „Und es fällt mir von Tanz zu Tanz leichter“, erklärt sie.

Mittlerweile zeigt „Toxic Mixture“ peppige Tänze mit Einflüssen aus verschiedenen Tanzstilen, performt richtige Showtänze mit Anspruch – und mit fantasievollen Kostümen und Bühnenbildern. Zuletzt tanzte die Gruppe etwa in Piratenkostümen zu Seemannsliedern, ausgestattet mit Rum und Säbeln. An ihren ersten Tanz als Trainerin erinnert Sommer sich aber auch noch sehr genau: „Es war ein Mix aus Cascada, Safri Duo und Lady Gaga. Der Tanz war aber noch lange nicht so peppig wie heute.“

Damals habe die Gruppe auch nur aus fünf Frauen bestanden. „Da konnte man nicht groß auffahren. Eigentlich war es sogar ein Kamikaze-Kommando.“ Die jungen Frauen schlugen sich aber durch, brachten Freundinnen mit und bringen es heute auf 14 Tänzerinnen. Da seien dann auch schöne Hebefiguren möglich, erklärt Sommer ( Foto: Grähling).

Derzeit gehe allerdings das Verletzungspech um. Und das, obwohl die Gruppe einen neuen Auftritt einstudiere. Sommer sucht daher noch nach weiblicher Verstärkung, verrät aber den Tanz und das Thema noch nicht: „Das ist immer eine Überraschung, die wir erstmals bei der Showtanzmatinee in Heskem präsentieren.“ Das sei sozusagen die Saisoneröffnung. Danach reist die Gruppe dann insbesondere an Karneval durch den gesamten Landkreis, um die Beine zu schwingen. „Wir geben aber Vollgas – und dann kriegen wir das pünktlich hin.“

Inspiration für die eigenen Tänze holt Sommer sich bei solchen Matinees, aber auch im Internet. „Ich schaue bei anderen, was gut aussieht und versuche dann, meine eigene Handschrift reinzubringen.“ Und dann werde fleißig daheim geübt, einzelne Figuren zur Musik zusammengebastelt. Sommer tanze dann den ganzen Tag im Wohnzimmer, bis ihre neue Choreografie stehe. Meistens bleibe diese aber nicht bestehen: „Manches sieht in der Gruppe einfach nicht mehr so gut aus und dann ändern wir es gemeinsam.“

Tanzen liegt ihr im Blut

Für Sommer sei Teamarbeit wichtig: Gemeinsam arbeiten die Frauen an den Tänzen und auch an den Kostümen. Dadurch und durch ihre eigenen Erfahrungen arbeite das Team verschiedene Stile in einen Showtanz ein. „Wir decken ein breites Spektrum ab und das gibt unseren Tänzen eben die giftige Mischung“, sagt sie in Anspielung auf den Namen der Tanzgruppe, die eine Abteilung des VfL Dreihausen bildet.

„Das Tanzen wurde mir schon in die Wiege gelegt“, scherzt die zweifache Mama. Getanzt habe sie schon immer – und das auch an ihre Söhne weitergegeben: Während der Jüngste zu Liedern aus dem Radio immer sofort anfangen zu tanzen, erfinde der ältere Sohn schon seine eigenen Tänze und singe dabei am liebsten.

Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat die Tanzgruppe übrigens nie abgegeben oder nur pausiert – obwohl sie mittlerweile zweifache Mama ist. Wegen der Geburt von Ricardo im September 2014 habe sie sechs Wochen Pause gemacht – „dann ging es weiter. Wir haben natürlich wieder bei der Showtanzmatinee im November mitgemacht“.

Damals stand Sommer aber ausnahmsweise neben der Tanzfläche, hat die Gruppe einige Wochen nur trainiert. Und ihre beiden Kinder waren meistens dabei: „Ich habe sie vorher bettfertig gemacht und mit zum Training genommen. Danach ging es dann direkt ins Bett“, sagt sie mit einem Lächeln. „Es ging alles.“

Von der Notlösung zum Kopf

Anstrengend sei die Zeit dennoch gewesen: Ihr Mann habe sich gerade selbstständig gemacht und einen Lebensmittelmarkt übernommen. Nach der Geburt des ersten Kindes war die Familie mit dem Hausbau beschäftigt. Jetzt werde es langsam ruhiger.

Und dennoch hat sich Sommer von einem Traum verabschiedet: Ihren Job in der Tanzschule kann sie nicht mehr aufnehmen, arbeitet stattdessen im Markt ihres Mannes mit, kümmert sich um die beiden Söhne – und um die Tänze für „Toxic Mixture“. Dabei ist Natalja Sommer längst schon nicht mehr die Notlösung, sondern der Kopf eines eingespielten Teams junger Tänzerinnen.

Interessenten können jederzeit in eine Übungsstunde von „Toxic Mixture“ reinschnuppern. Kontakt über den VfL Dreihausen oder per 
E-Mail unter toxic-mixture@gmx.de.

  • Täglich stellt das Team der Oberhessischen Presse Menschen aus dem Landkreis vor. Oftmals sind es bekannte Akteure aus Politik und Gesellschaft. Im Jubiläumsjahr hat die Redaktion es sich jedoch zum Ziel gesetzt, die Leser täglich auf dieser Seite zu überraschen – unter anderem mit Portraits von Menschen, die wir noch nie vorgestellt haben, die jedoch spannende Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen wissen. Wenn auch Sie solche Menschen kennen, von denen Sie sagen: „Mensch, das wäre mal jemand, der unbedingt in der OP vorgestellt werden muss!“, dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit ihrem Vorschlag an 150@op-marburg.de.

von Patricia Grähling

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