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Ab vier Uhr früh auf Tour

OP-Jubiläumsserie: Ein Tag bei der OP Ab vier Uhr früh auf Tour

Bevor er seinen Hauptberuf in der Cafeteria auf den Lahnbergen antritt, erlebt Bernd Noll jeden Morgen auf seinen Touren rund um Deutschhaus­straße und Ketzerbach, wie die Stadt erwacht.

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Bernd Noll kennt die Adressen der OP-Abonnenten auf seiner Tour auswendig. Seit vielen Jahren trägt er die OP aus, während die Sonne langsam aufgeht.

Quelle: Thomas Breme

Marburg. Zielstrebig geht Bernd Noll auf ein Haus in Zwischenhausen zu und nimmt eine frischgedruckte Ausgabe der Oberhessischen Presse aus der Kuriertasche. Das Haus hat keinen Brief­kasten. Noll drückt die Tür am unteren Ende einen Spalt auf und steckt die gefaltete Zeitung hindurch. „Ich glaube, man könnte mal eine soziologische Arbeit darüber schreiben, wie viele unterschiedliche Briefkästen es gibt, und was sie über ihre Besitzer aussagen“, schmunzelt der 61-Jährige.

Seit 23 Jahren steht er jeden Morgen von Montag bis Samstag um kurz vor vier Uhr auf und macht sich bei Wind und Wetter auf den Weg. Noll und seine knapp 500 Zusteller-Kollegen von den Zeitungs-Vertriebsgesellschaften Marburg und Ostkreis bringen den Menschen ihre Zeitung. Den meisten natürlich die OP, manchen aber auch überregionale Tageszeitungen oder eine dicke Wochenzeitung. Nolls erste Tour beginnt er in der Deutschhausstraße, die zweite am Fuße des Steinwegs. Der typische Frühaufsteher ist er eigentlich nicht. „Ich kann auch ohne Probleme lang ausschlafen.“

Über volle Briefkästen regt sich Noll nicht mehr auf

Einem Abonnenten legt er die Zeitung immer in das zum Lüften geöffnete Fenster. „Außer im Winter, da muss ich manchmal klopfen.“ Noll kennt die Leser schon lange, weiß auswendig, wer welche Zeitung bekommt. „Irgendwann muss man es wissen, sonst braucht man zu lange.“ Anders ist das mit der Post, die er seit 2008 mit der Zeitung austrägt. Die Briefe hat er vor der Tour am Auto in die pas­sende Reihenfolge gebracht. „An manchen Türen ist der Brief­kasten immer voll. Früher habe ich mich darüber geärgert, das habe ich mir abgewöhnt.“

Dort legt er die Zeitung dann auf die Türschwelle oder klemmt sie, wo es möglich ist, hinter den Türgriff. Für die nächste Adresse holt Bernd Noll einen großen Schlüsselbund heraus und wählt einen Schlüssel. Er passt zur Tür eines großen Mietshauses, bei dem die Briefkästen im Hausflur sind – den Schlüssel hat er vom Hauseigentümer. „Super, das Licht geht wieder“, freut er sich und wirft zwei OPs ein.

In seiner Zeit als Zusteller konnte Noll so manche Entwicklung miterleben. Bauar­beiten, wie die Sanierung der Straße Zwischenhausen, genauso wie den Rückgang der Abonnentenzahlen der Zeitungen.

Noll biegt ab auf die Ketzerbach, hinter der Elisabeth­kirche wird es langsam hell. Viele Pendler sind mit dem Auto in Richtung Behringwerke unterwegs, die Stille des frühen Morgens scheint vorüber. „Früher habe ich hier in fast jedes Haus eine OP gebracht. Dafür brauchte ich zwei Umhängetaschen, jeweils etwa 15 Kilo schwer, heute reicht eine.“ Die junge Generation lese lieber im Internet oder auf dem iPad, er bevorzugt weiterhin die gedruckte Zeitung aus Papier.

Im Leckergässchen kommt der Frühling

Viel Zeit hat er beim Frühstück nicht zum Lesen. Um 7.30 Uhr muss er in seinem Hauptberuf beim Studentenwerk anfangen. Der gelernte Koch leitet die Cafeteria auf den Lahnbergen. „Zum Glück habe ich seit ein paar Jahren durchgängige Dienstzeiten und gegen 16 Uhr Feierabend.“ Seitdem hat er auch wieder Zeit für sein Hobby, das Musizieren. Noll spielt die Posaune beim TSV Marburg Ockershausen und Keyboard.

Im Leckergässchen wird es dann wieder etwas ruhiger. „Das ist schön im Frühjahr, wenn die Vögel wieder zwitschern“, freut er sich. Auf der anderen Seite der Ketzerbach geht es nochmal steil bergauf, die Karmelitergasse hoch. „Einmal im Jahr stürze ich hier, wenn es nass ist, aber zum Glück habe ich mir noch nie etwas gebrochen.“ Ansonsten hält der Nebenjob ihn gesund, die letzte schwere Erkältung sei bestimmt zehn Jahre her.

Um 6.17 Uhr steckt Bernd Noll eine Zeitung durch das Gitter vor einem Laden hinter den Türgriff und schaut in seine Umhängetasche. Eine Ausgabe ist noch übrig, das ist seine OP.

  • In der Reihe „Ein Tag bei der OP“ lernen Sie die einzelnen nötigen Schritte kennen, damit die OP täglich im Briefkasten und am Kiosk liegt
  • Auf unserem  YouTube-Kanal können Sie einen Blick hinter die „Kulissen der OP“ werfen.

von Philipp Lauer

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