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Therapie-Tiere

Schafe helfen Psychiatrie-Patienten

Dass Delphine, Ponys oder Hunde kranken Menschen helfen können, ist bekannt. Schafe dagegen sind etwas ungewöhnlichere Therapie-Tiere. In Schleswig-Holstein muntern einige Lammböcke Psychiatrie-Patienten auf.
Lammböcke muntern in Schleswig-Holstein Psychiatrie-Patienten auf.

Lammböcke muntern in Schleswig-Holstein Psychiatrie-Patienten auf.

© dpa

Schleswig . „In Zimmer 204 hat schon wieder ein Schaf durchs Fenster geguckt!“ Es sind nicht immer alltägliche Berichte, die Henning Ohlen während der Visite zu hören bekommt. Ohlen ist Leitender Oberarzt am Schlei-Klinikum FKSL in Schleswig, einer Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Seit praktisch vor der Haustüre Schafe weiden, wird manche Visite durch tierische Erlebnisse bereichert. Seit einem halben Jahr befinden sich die Tiere auf früher landwirtschaftlich genutzten Flächen auf dem Gelände des Klinikums.

Die Schafe gehören dem Tierpark Arche Warder südlich von Rendsburg, der Heimat für mehr als 70 seltene Nutztierrassen ist. Die Klinik war an die Arche herangetreten, da man sich vom Kontakt mit den wolligen Viechern positive Auswirkungen auf die Patienten versprach. Tiere seien ein „großes Thema“ in seinem Fachgebiet, sagt Ohlen, sie passten zu einer psychiatrischen Klinik. „Tiere sind immer der Hit.“ Wenn ein Tier auf der Station auftauche, etwa ein „Gasthund“, sei die Freude bei den Patienten groß. Besuche im Tierheim seien beliebt, weil die Patienten „Gemeinsamkeiten im Schicksal“ sähen. „Wir hätten auch gerne Therapiehunde, aber die sind wahnsinnig teuer.“ Nun also Schafe.

„Eine harmonische Gruppe“ stehe gerade auf der Wiese, erzählt Carolin Reimertz von der Arche Warder. „Die, die schubsen, kommen nicht hierher.“ Walachenschafe, die ursprünglich aus der slowakisch-rumänischen Ecke kommen, weiße gehörnte Heidschnucken, Moorschnucken, ein Jakobsschaf und ein Tiroler Steinschaf haben es sich im Schatten auf der saftigen Wiese am Klinikum gemütlich gemacht. Es sind in diesem Jahr geborene Lammböcke, die Besucher friedlich beschnuppern.

Von diesem Frieden profitieren die Patienten. „Es gibt traumatisierte Frauen, die wollen nicht mit uns reden“, berichtet Ohlen. Bei Tieren tauten sie dagegen auf. „Sie meinen, Tiere täuschen und enttäuschen nicht wie Menschen.“ Für manche ist der Besuch auf der Weide fast ein Event. In der Visite erfährt Oberarzt Ohlen dann, dass ein Besuch bei den Schafen geplant ist, wo die Tiere gerade sind oder wo sie schon wieder ins Fenster geguckt haben.

Für Ohlen ist die Schafweide „auf jeden Fall ein Erfolg“. Er könnte sich vorstellen, noch mehr Flächen für die Tiere zu öffnen. „Auch die Kollegen sind begeistert. Das ist eine geräuschfreie Rasenpflege.“ Früher dröhnten die Aufsitzrasenmäher, „und 20 Meter weiter führten wir Therapiegespräche“. Schafe sind genau richtig, sagt auch Florian Friedel, Geschäftsführer des Klinikums. „Wir hatten zuerst überlegt, Ziegen zu nehmen, aber die können über die Zäune springen. Und ein Esel ist sehr laut.“

Friedel ist zufrieden mit der Tierhaltung. „Da die Klinik zentral in Schleswig gelegen ist, kommt man auch näher ran an die Bevölkerung.“ Denn da Schleswig über keinen Tierpark verfügt, locken die Tiere auch Spaziergänger an. „Bürger mit Kindern kommen zum Gucken“, hat Inke Asmussen von der Öffentlichkeitsarbeit der Klinik beobachtet. Das helfe, die Psychiatrie von ihrem Stigma zu befreien.

Im Mittelpunkt stehen aber die Patienten. In der Klinik für forensische Psychiatrie, dort, wo „suchtkranke Rechtsbrecherinnen“ untergebracht sind - also Frauen, die bei Straftaten aufgrund ihrer Sucht nur eingeschränkt schuldfähig waren - freut man sich besonders über die Tiere. „Wenn die Frauen rausdürfen, kommen sie gerne zu den Tieren“, erzählt Asmussen. „Sie wollen ja Beziehungen aufbauen, und Schafe haben keine Ressentiments.“

Wenn der Winter kommt, kehren die Schafe zunächst zur Arche Warder zurück. Dann wird entschieden, ob sie im Frühjahr wiederkommen. Bei der Arche zeigt man sich ebenso wie die Klinik zuversichtlich. „Das ist ein gutes Projekt, weil man den Kranken hilft“, sagt Lisa Iwon von der Arche. Für die Arche ist es die einzige derartige Kooperation. Auch beim Schleiklinikum kennt man kein anderes Krankenhaus mit eigener kleiner Herde, was auch daran liegt, dass nur wenige über die nötigen Flächen verfügen. Iwon jedenfalls geht davon aus, dass im Frühling wohl wieder kuschlige Rasenmäher auf der Klinikwiese weiden werden.

dpa


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