Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Sprühregen

Navigation:
Feuermelder retten Leben

Sicherheitswoche Feuermelder retten Leben

Deutschland ist mit strengen Brandschutzregeln und dem System der Freiwilligen Feuerwehren gut abgesichert gegen Brandkatastrophen. Doch bei der Vorbeugung sind auch Immobilienbesitzer und Mieter gefragt.

Voriger Artikel
Mobbing ist Chefsache
Nächster Artikel
Mit Vision Zero Leben retten

80 Prozent aller Brände entstehen in Privathaushalten, nicht in der Industrie. Rauchmelder sind daher Pflicht.

Quelle: Fotolia

Hannover. In Deutschland wird durchschnittlich achtmal am Tag ein Zimmerbrand ausgelöst. Alle paar Sekunden rückt die Feuerwehr aus. Jährlich bekämpft sie etwa 175.000 Brände und Explosionen. Rund 400 Menschen sterben pro Jahr in den Flammen. Dabei hat sich die Zahl der Todesfälle seit 1990 fast halbiert. Die Prävention im Brandschutz wird zunehmend besser. Doch welche konkreten Regeln sollten Hauseigentümer, Mieter oder auch Arbeitgeber beachten, damit vorbeugende Maßnahmen auch wirklich greifen? Ein Überblick.

Rauchmelder

Wer bei einem Umzug das Bundesland wechselt, ist nicht selten verwirrt, wenn es um die Ausstattung der neuen Bleibe mit Rauchmeldern geht. Vorschriften über Fristen und Pflichten sind Sache der Länder. Während es also in Hamburg etwa schon seit 2011 eine Pflicht zur Installation von Rauchmeldern auch für Altbauten gibt, besteht dafür in Sachsen bislang noch keine Pflicht. Dagegen ist die Einbaupflicht bei Neubauten flächendeckend.

Doch was bringen die Frühwarnsysteme überhaupt? „Sie wecken die Menschen und bewahren sie so davor, vor allem im Schlaf Opfer von Brandrauch zu werden. Die größten Gefahren für Menschenleben gehen oftmals vom Rauch aus und weniger von Flammen. Denn im Rauch stecken jede Menge Giftstoffe, die innerhalb weniger Sekunden zu Bewusstlosigkeit führen können“, erläutert Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes und im Hauptberuf Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz.

Hochwertige Rauchmelder sind mit Zehn -Jahres-Batterien ausgestattet

Hochwertige Rauchmelder sind mit Zehn -Jahres-Batterien ausgestattet.

Quelle: iStock

Seit der Einführung von Rauchmeldern vor mehr als einem Jahrzehnt hat sich die Zahl der Brandopfer halbiert. Dennoch fehlen in manchen Altbauten immer noch Frühwarnsysteme. Vor allem, weil oft unklar ist, wer zur Montage verpflichtet ist – Eigentümer oder Mieter? „Auch das ist Sache der Länder“, sagt Hachemer und rät, schon beim Schließen eines Kauf- oder Mietvertrages darauf zu achten, wer für die Installation, aber auch die Wartung von Rauchmeldern zuständig ist.

Bei der Auswahl sei neben Prüfsiegeln der Preis ein Qualitätsmerkmal: „Ein hochwertiges, verlässliches Gerät ist mit einer Batterie von zehn Jahren Lebensdauern und nicht mit einer einfachen Blockbatterie ausgestattet.“ Die Betriebsbereitschaft von Rauchmeldern sollte einmal jährlich überprüft werden. Die Montage sollte nicht in Badezimmer oder Küche erfolgen, wo viel Wasserdampf erzeugt wird, sondern in angrenzenden Räumen.

Rückt die Feuerwehr trotz Fehlalarms aus, so ist der Einsatz kostenlos, wenn die oder der Anrufer tatsächlich von einem Notfall ausgegangen sind.

Quelle: RND/gpt
Quelle: RND/gpt

Brandschutzkonzepte

Nach dem Brand in einem Londoner Hochhaus im Frühjahr dieses Jahres haben deutsche Brandschutzexperten die hierzulande herrschenden strengeren Brandschutzregeln gelobt. Danach darf ein Gebäude ab 22 Metern Höhe nicht mit brennbarem Material gedämmt werden. Doch was ist mit weniger hohen Häusern? Der Deutsche Feuerwehrverband rät zu „grundsätzlich besonnenem Einsatz von Dämmmaterial“. Zwar gebe es mittlerweile schwer entflammbare Stoffe, sagt Verbandsvizepräsident Hachemer, doch brennen würden diese am Ende auch. Eine Alternative sei Mineralwolle, die jedoch für optimalen Dämmschutz nicht feucht werden dürfe. Auch das Einbauen von Riegeln zum Schutz vor Fassadenbränden biete nicht immer umfassenden Brandschutz, etwa bei zu hohen Flammen.

Für Bauherren privater Einfamilienhäuser ist eine professionelle Brandschutzplanung nicht gesetzlich vorgeschrieben. Etwas anderes gilt für größere Neubauten oder auch die Nutzungsänderung älterer Gebäude, wo in jedem Fall ein Sachverständiger zurate gezogen werden muss. Grundsätzlich sollte das Tragwerk eines Gebäudes einem Feuer mindestens neunzig Minuten Stand halten.

Wer haftet bei Brand in Mietshäusern?

In jedem vierten Brandfall ist ein Privathaushalt betroffen. Allerdings sind die Bewohner oft unzureichend dagegen gewappnet. Vorbeugen lässt sich mit der Installation von Rauchmeldern und der Anschaffung eines Feuerlöschers. Doch gerade bei Mietobjekten herrscht häufig Unsicherheit oder auch Uneinigkeit darüber, welche Kosten Mieter und Eigentümer zu tragen haben. Nach einem vom Mieter fahrlässig verursachten Brandfall ist die Rechtslage indes klar: Der Vermieter hat die Schäden zu beheben, weil er grundsätzlich für die Instandhaltung der Mietsache verantwortlich ist. Er kann für die Finanzierung aber seine Gebäudeversicherung in die Pflicht nehmen.

Allgemeines Vorbeugen

Greifen beispielsweise Kerzenflammen auf Mobiliar über, sollte schon vor eigenen größeren Löschversuchen die Feuerwehr gerufen werden. Ist der Zimmerbrand im fortgeschrittenen Stadium, sollten die Bewohner bei der Flucht die Tür hinter sich schließen, um zu vermeiden, dass das Feuer auf andere Teile der Wohnung übergreift. „Auch eine normale Zimmertür hält einem Vollbrand mindestens 15 Minuten stand“, sagt Brandschutzexperte Frank Hachemer.

Wichtig sei, dass der primäre Fluchtweg, das Treppenhaus, frei sei. Sperrige Gegenstände sollten zu keiner Zeit dort stehen oder aufbewahrt werden. Überhaupt sei Entrümpeln eine gute Präventionsmaßnahme, sagt Hachemer. So sollten Keller und Dachböden nicht allzu voll stehen mit brennbarem Sperrmüll.

Eigentümer von Häusern in schmalen Straßen oder mit engen Innenhöfen sollten dafür Sorge tragen, dass der Feuerwehr im Notfall keine größeren Hindernisse im Weg stehen. Bei Altbauten mit Holztreppenhäusern sollten außen Feuerleitern angebracht sein. „Denkmalschutz und Brandschutz schließen sich nicht aus“, betont Hachemer.

In größeren Wohnhäusern oder auch in Bürogebäuden gibt es häufig Brandschutztüren, in deren Bereich auch keine Kinderwagen abgestellt werden dürfen. Brandschutztüren sollten immer geschlossen sein. Wer sich nicht daran hält, muss schlimmstenfalls mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Einen Feuerlöscher in Privathäusern zu haben ist nicht verpflichtend. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, sollte jedoch auf den richtigen Inhalt achten: „Für Wohnräume eignen sich im Grunde nur Schaumlöscher und nicht etwa Pulverlöscher, die mit ihrer gewaltigen Wolke aus Löschsalzen einen enormen Löschmittelschaden anrichten können“, sagt Hachemer, der seit 30 Jahren ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist.

Was Bürogebäude angeht, stehen Arbeitgeber laut der Ende 2012 in Kraft getretenen Arbeitsstättenverordnung in der Pflicht, regelmäßig Evakuierungsübungen durchzuführen und mindestens 5 Prozent der Mitarbeiter zu Brandschutzhelfern ausbilden zu lassen.

Quelle: RND/dpa

Von Kerstin Hergt/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wissen

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr