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Achtung: Garantiert gesundheitsgefährdend!

Kinderernährung Achtung: Garantiert gesundheitsgefährdend!

Welches Essen ist gut für mein Kind? Bestsellerautor Hans-Ulrich Grimm hat ein Buch über die Fallstricke bei der Kinderernährung geschrieben. Vor allem industriell gefertigte Lebensmittel sind ihm ein Greuel.

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Immer rein damit: Kinder fahren normalerweise gar nicht so sehr auf Süßes ab, sagt der Experte. Vielmehr würden sie auf den Geschmack dressiert.

Quelle: iStockphoto

Hannover. Es fängt mit dem Babybrei aus dem Gläschen an: Warum industriell gefertigte Kindernahrung dem Nachwuchs nicht gut tut, und was das Ganze mit dem Zappelphilipp-Syndrom zu tun hat, darüber spricht „Food-Detektiv“ Hans-Ulrich Grimm im RND-Interview.

Herr Grimm, schon Babies wissen, welches Essen gut für sie ist, schreiben Sie in Ihrem neuen Buch „Gummizoo macht Kinder froh, krank und dick dann sowieso“. Eltern sollten mehr vertrauen. Aber wie soll das gehen, in Zeiten, in denen ihnen jeder reinredet, andere Mütter, Kinderarzt, die übermächtige Werbung?

Das ist ja das Problem: Es sind alle möglichen Interessen im Spiel wo es eigentlich um die Interessen des Kindes geht. Wenn man auf das Kind hört, bekommt es genau das, was es braucht. Das haben Studien der amerikanischen Kinderärztin Clara Davis schon vor fast 100 Jahren ergeben. Sie hat Einjährigen eine Auswahl von über 30 Lebensmitteln vorgelegt. Der „Trick“ war, dass es nur natürliche Nahrung war. Keine Geschmacksverstärker, keine Aromen, keine Süßigkeiten. Das einzig Süße war Obst. Die Kinder waren hinterher kerngesund - obwohl sie sich völlig entgegen den offiziellen Empfehlungen verhalten haben. Kinder sind genetisch verschieden, deshalb sind Einheits-Empfehlungen schon wissenschaftlich gesehen unangemessen.

Starköchin Sarah Wiener behauptet, kleine Kinder würden alles essen: von der Kalbszunge bis zum gedämften Fisch. Wahr ist aber auch: Viele Kinder haben nur eingeschränkt Appetit. Gemüse zum Beispiel ist bei den meisten verpönt.

Die Kinder haben natürlich recht. Das sagen auch Wissenschaftler: Gemüse enthält nicht genug Energie, und Kinder brauchen viel Energie fürs Wachstum. Manche Kinder mögen aber auch Gemüse, für sie ist es dann richtig.

Zur Person

Zur Person: Hans-Ulrich Grimm wurde 1955 im Allgäu geboren und studierte in Heidelberg Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften. Er war Redakteur beim „Spiegel“ und ist Herausgeber der Website mit dem sprechenden Namen „Dr. Watson – Der Food-Detektiv“.

Quelle: gpt

Sie haben überraschenderweise auch etwas gegen Vollkornbrot für Kinder.

Viele Eltern spüren, dass Vollkornbrot nicht gut ist fürs Kind, es bekommt Bauchweh, Blähungen. Sie zwingen es trotzdem rein, weil es gesund sein soll. Das ist ein deutscher Sonderweg, der zurückgeht auf den Reichsvollkornausschuss in der Nazizeit. In anderen Ländern wird das anders gesehen, weil Vollkornbrot auch ein Eisenräuber sein kann; die britischen Behörden empfehlen zum Beispiel, vor dem fünften Lebensjahr nicht übermäßig viel Vollkorn zu geben. Was natürlich sehr wichtig ist, dass das Kind vollwertige Lebensmittel bekommt, frisches Obst und Gemüse, nicht minderwertige, nährstoffreduzierte Industriekost, wie Babybrei aus dem Gläschen.

Eines der problematischsten Nahrungsmittel für Kinder ist Zucker. Warum fahren Kids so auf Süßes ab?

Kinder fahren gar nicht so sehr darauf Zucker ab; sie werden so dressiert, von der Oma, die Schokolade mitbringt, sogar von der Apothekerin, die Bonbons verschenkt. Wenn Kinder erstmal auf Zucker dressiert sind, dann stehen sie drauf, weil ihr Gehirn dann so programmiert ist. Zucker enthält auch viel Energie, darum nehmen sie das dann gern an. Aber der Natur entspricht das nicht - sogar die Muttermilch, die immer als Argument herhalten muss, ist in Wahrheit gar nicht so süß.

Sie verorten Zucker zuhauf auch in Speisen, die als gesunde Alternativen gelten: Smoothies oder Quetschies. Warum?

Eltern glauben, es sei praktisches Obst in Beuteln. Aber es ist kein Obst mehr, es ist industriell verbreitetes Obst: Der Zucker darin ist freigelegt, und kann deshalb vom Körper schneller aufgenommen werden.

Sie sagen sogar, man könnte dem Kind statt Fruchtriegel, Quetschie oder Smoothie genauso Bier geben. Warum?

Weil der Fruchtzucker aus den Smoothies so schnell aufgenommen wird, muss der Körper ihn irgendwo einlagern. Aber wohin damit? In die Leber. Und weil die Leber mit ihren Aufgaben wächst, haben jetzt schon immer mehr Kinder und Jugendliche eine Fettleber, wie sonst nur Menschen, die viel Bier und Schnaps und Wein in sich hineinkippen. Nicht alkoholische Fettleber heißt das bei den Kindern.

Und was ist so falsch an gepresstem Orangensaft?

An frisch gepresstem Orangensaft ist nichts falsch. Nur: Wenn man im Supermarkt oder auch im Bioladen die riesigen Regalreihen mit Säften sieht, dann zeigt das, dass Kinder mit Säften regelrecht zugeschüttet werden. Der Zucker wie auch die Säuren haben im Übermaß leider negative Auswirkungen aufs Kind. So können die Säfte im Übermaß dick machen, den Zähnen schaden, sogar bei Allergie und Asthma eine Rolle spielen. Obst ist Obst, und ist auch gesund, aber ein Saft ist kein Obst mehr. Das beste Getränk für Kinder ist: Wasser.

Die richtige Ernährung hilft Ihnen zufolge Kindern sogar beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom: ADHS.

Beim Zappelphilipp-Syndrom spielen nachgewiesenermaßen viele Bestandteile der industriellen Kindernahrung eine Rolle, Zucker oder Farbstoffe, möglicherweise auch, was lange bestritten wurde, die Phosphate. Wenn diese Auslöser alle weggelassen werden, ist viel erreicht. Was auch eine Rolle spielt: Psyche und Verhalten werden ganz entscheidend vom Darm aus geregelt. Gefühle entstehen im Bauch, das weiß der Volksmund, und die Wissenschaft kann das jetzt sehr schön nachweisen. Wenn im Bauch alles bestens ist, dann sind auch die Voraussetzungen fürs Verhalten viel besser. Die Chemikalien aber in der üblichen modernen Industrienahrung und die sonstigen Veränderungen, die der Haltbarkeit dienen, verändern die Gefühlsproduktion dort, weil zum Beispiel die berühmten Omega-3-Fette fehlen, die ganz elementar sind.

Eine hilfreiche Diät, ist „Anders essen“ aus einer Freiburger Klinik. Dort erreicht man bei 70 Prozent der ADHS-Kinder Verbesserungen. Eltern solcher Kinder sind zumeist sehr verzweifelt. Warum rennen sie Vertretern dieser Diät nicht längst die Bude ein, sondern vertrauen weiter auf Ritalin?

Ich vermute, weil viele von der Diät nichts wissen. Wenn man die Berichterstattung in den großen Medien anschaut, findet man begeisterte Berichte über Ritalin, aber kein einziges Wort über Ernährung. Die befragten Professoren, die ADHS-Päpste, die einschlägigen wissenschaftlichen Gesellschaften - all sie werden von den Produzenten dieser Drogen ja auch gesponsert und sind deswegen leider nicht mehr ganz unbefangen in ihrem Urteil.

Sie widmen ein ganzes Kapitel der Verquickung von Wirtschaft und Wissenschaft. Ein Beispiel: Coca-Cola gab der New York Times zufolge bereits 100 Millionen Dollar für Wissenschaftssponsoring und sogenannte Gesundheitspartnerschaften aus. Was können Eltern tun, um falschen Ratgebern zu entgehen?

Das Wichtigste ist: Dem Kind vertrauen. Das Kind und seine Bedürfnisse ernst nehmen. Und eine gesunde Skepsis entwickeln gegenüber der Werbung. Oft reicht schon der gesunde Menschenverstand: Wenn alle Experten behaupten, es sei egal, ob das Baby einen echten, hausgemachten Brei bekommt oder einen aus dem Gläschen, dann kann das schon deshalb nicht stimmen, weil der selbstgemachte zwei Stunden hält, und der von Hipp zwei Jahre. Das kann gar nicht das Gleiche sein. Und das, was dem Hersteller nützt und dem Supermarkt, die Haltbarkeit, und die dafür nötigen Maßnahmen, schadet eben dem Kind, weil Nährstoffe fehlen und Inhaltsstoffe verändert wurden.

Das neueste Buch von Hans-Ulrich Grimm „Gummizoo macht Kinder froh, krank und dick dann dann sowieso

Das neueste Buch von Hans-Ulrich Grimm „Gummizoo macht Kinder froh, krank und dick dann dann sowieso. Kinderernährung - was gut ist und was schädlich“ erscheint am 1. September im Droemer Verlag. Das Buch hat 368 Seiten und kostet 18 Euro.

Quelle: gpt

Von Jutta Rinas/RND

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