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Primark ist gekommen, um zu bleiben

Textildiscounter expandiert Primark ist gekommen, um zu bleiben

Der wegen seiner Kampfpreise in Deutschland gefürchtete Textildiscounter Primark setzt seinen Expansionskurs fort. Vor allem auf Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern habe es der irische Konzern derzeit abgesehen – der von „Wegwerfmentalität“ nichts wissen will.

Das irische Textilunternehmen betreibt zurzeit in Deutschland 22 Filialen

Quelle: dpa

Münster. T-Shirts für 2,50 Euro, Sweatshirts für 6 Euro, Jeans für 8 Euro: Der Discounter Primark hat in den vergangenen Jahren die Preise für Bekleidung noch einmal ins Rutschen gebracht. Mit Erfolg: Während viele traditionelle Modehändler ihre Geschäfte schließen mussten, bilden sich in den Innenstädten lange Schlangen von Kauflustigen, wenn das irische Unternehmen wieder einmal einen neuen Laden eröffnet.

Allein in den nächsten zwölf Monaten sollen fünf neue Geschäfte in Bielefeld, Münster, Stuttgart, Ingolstadt und München eröffnet werden, wie Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann erklärte. Primark wachse organisch und schreibe dabei schwarze Zahlen, sagte der Manager. Bei der weiteren Expansion habe das Unternehmen vor allem Städte mit „deutlich mehr als 150.000 Einwohnern“ im Blick.

Bei der Eröffnung einer Primark-Filiale auf dem Alexanderplatz in Berlin standen die Kunden Schlange

Bei der Eröffnung einer Primark-Filiale auf dem Alexanderplatz in Berlin standen die Kunden Schlange.

Quelle: dpa

Einen Primark-Online-Shop soll es dagegen auch weiterhin nicht geben. Primark arbeite mit einer sehr geringen Gewinnspanne, erklärte Krogmann. Dies erlaube einfach nicht, Waren zu versenden und wieder zurückzunehmen.

Das Textilunternehmen betreibt zurzeit in Deutschland 22 Filialen. Seit dem Einstieg in den deutschen Markt vor acht Jahren habe der Konzern „einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ in Deutschland investiert, sagte Krogmann. „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

Doch unumstritten ist das Geschäftsmodell nicht. „Die Kleidung von Primark müsste gesellschaftlich genauso geächtet sein wie Käfigeier“, meint die Greenpeace Textilexpertin Kirsten Brodde. Denn das Unternehmen stehe für immensen Ressourcenverschleiß. Was Billigmode angehe, treibe Primark auf die Spitze, was H&M und die Discounter begonnen hätten. „Man kann nirgendwo anders so viele Klamotten für so wenig Geld kaufen“, meint Brodde. Bekleidung werde damit zum Wegwerfprodukt.

„Prominente können wir uns nicht leisten“

Krogmann weist das allerdings für die Primark-Produkte entschieden zurück. „Sie sind gemacht, um lange zu halten.“ Er habe persönlich auch „keinen Sinn für Wegwerfmentalität“, meint der Manager. „Ich kann nicht verstehen, dass man einfach Dinge wegschmeißt. Ich bin anders groß geworden.“ Das vermittle er auch seinen Kindern.

Mit seiner Billigstrategie ist der irische Textilhändler nach einem aktuellen Ranking des Branchenfachblatts „Textilwirtschaft“ inzwischen unter die zehn größten Modemarken-Anbieter Europas aufgestiegen, hinter dem Zara-Mutterkonzern Inditex und H&M, aber vor C&A und weit vor KiK.

Dass inzwischen auch die deutschen Discount-Giganten Aldi und Lidl versuchen, sich ein größeres Stück vom Markt für Billig-Textilien abzuschneiden, beobachtet der Primark-Chef aufmerksam. Schließlich haben sich die Lebensmitteldiscounter dafür mit Heidi Klum und der Sängerin Anastacia prominente Werbeikonen als Unterstützung geholt. Primark will auf derartige Werbeauftritte aber auch in Zukunft verzichten. „Prominente können wir uns nicht leisten“, meint er. „Wir machen keine Werbung.“

Von dpa/RND

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