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Immobilien

Immobilienbranche will mehr Wohnraum - Konflikte befürchtet

In Hessen werden nach Einschätzung der Immobilienwirtschaft viel zu wenig Wohnungen gebaut. Diese Entwicklung werde sich noch durch den Brexit verschärfen. Wohnungs- und Immobilienverbände warnen vor sozialen Spannungen.

Frankfurt/Main. Boomendes Rhein-Main-Gebiet, Flüchtlinge und Brexit: In Hessen müssen nach Einschätzung der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft mindestens doppelt so viele Wohnungen gebaut werden wie derzeit. Hessen sei weit von dem Bedarf entfernt, den die zuständige Ministerin Priska Hinz (Grüne) kürzlich ohne den Brexit vorhergesagt habe, sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Verbände (AWI), Gerald Lipka, am Mittwoch in Frankfurt. "Je mehr Leute frustriert sind vom Wohnungsmarkt, um so größer ist die soziale Spannung."

Die Zahl der genehmigten Wohngebäude in Hessen sei in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 200 auf rund 6500 (2015) zurückgegangen. Darunter waren viele Mehrfamilienhäuser mit insgesamt fast 17 700 Wohnungen. "Hessen liegt bei den Baugenehmigungen deutlich gegenüber anderen Bundesländern zurück", kritisierte Stephan Gerwig vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. Ein Grund: "Die Baugenehmigungsverfahren sind in Hessen extrem langwierig, schwierig und überhaupt nicht planbar." Ursachen seien aber auch der Mangel an Bauland und die extrem gestiegenen Baukosten, die insbesondere auf Ausbauarbeiten wie Brandschutz und Heizung zurückgingen.

Nach der Prognose von Hinz fehlen in Hessen bis 2040 insgesamt 517 000 Wohnungen. Vor allem in den kommenden Jahren sieht sie hohen Bedarf: Bis 2020 müssten jährlich rund 37 000 Wohnungen gebaut werden. Besonders betroffen sind das Rhein-Main-Gebiet und Südhessen. In Frankfurt fehlen dem AWI zufolge derzeit rund 22 700 Wohnungen, die Leerstandsquote liege bei 0,6 Prozent und sei vergleichbar mit München (0,4 Prozent). "Gesund sind 3 Prozent." Im Kreis Offenbach würden dringend 8500 Wohnungen gebraucht.

Nach dem Brexit sei Schätzungen zufolge mit mindestens 10 000 hoch bezahlten Bankern im Großraum Frankfurt zu rechnen, von denen voraussichtlich jeder im Schnitt für zwei bis drei Menschen eine Wohnung suche. Dieses Problem sei anders als bei den Flüchtlingen erkennbar, die Politik müsse jetzt handeln, forderte Lipka.

Die Kommunen müssten mehr Bauland zur Verfügung stellen und die Menschen dies auch akzeptieren. Es dürfe nicht sein, "dass die, die mit Wohnraum versorgt sind, sich gegenüber denen abschotten, die welchen brauchen". Denkbar seien in Frankfurt wegen des Flächenmangels auch noch mehr Wohnhochhäuser - nicht nur im hochpreisigen Segment, sagte Werner Merkel vom Verband der Immobilienverwalter.

dpa


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