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Arbeitsmarkt

Zahl befristeter Jobs auf Höchststand

Der Trend zu befristeten Arbeitsverhältnissen ist ungebrochen. Mit 2,7 Millionen befristet Beschäftigten – einer Million mehr als vor zehn Jahren – ist ein neuer Höchststand erreicht. Nahezu jeder zweite neu abgeschlossene Arbeitsvertrag trägt mittlerweile ein Verfallsdatum.
Foto: Produktion bei Volkswagen: Mit dem Instrument der befristeten Arbeitsverhältnisse sollten Firmen mehr Flexibilität bekommen.

Produktion bei Volkswagen: Mit dem Instrument der befristeten Arbeitsverhältnisse sollten Firmen mehr Flexibilität bekommen.

© dpa

Berlin. Dies geht aus den Daten des sogenannten Betriebspanels hervor, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf Anfrage der Grünen-Fraktion ausgewertet hat.

Flexible Arbeitsverhältnisse würden zunehmend genutzt, um die Risiken einseitig auf die Arbeitnehmer abzuwälzen, kritisierte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, am Mittwoch gegenüber dieser Zeitung. Pothmer forderte erneut eine Verschärfung der Gesetzesvorgaben. Die Möglichkeit der Befristung auf maximal zwei Jahre „ohne Sachgrund“ müsse gestrichen werden.

Laut IAB-Betriebspanel, einer repräsentativen Arbeitgeberbefragung, waren im ersten Halbjahr 2011 eine Million von insgesamt 2,2 Millionen Neueinstellungen befristet. Fast jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hat keinen Dauerarbeitsplatz; vor zehn Jahren lag der Anteil befristeter Verträge noch bei 6,1 Prozent. Damals waren es 1,7 Millionen, heute sind es 2,7 Millionen Arbeitnehmer.

In Niedersachsen ist die Lage noch prekärer. Seit 2001 hat sich die Zahl der befristeten Verträge nahezu verdoppelt; sie stieg von 122.000 auf 241.000 im ersten Halbjahr 2011. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres wurden 92.000 Beschäftigte in Niedersachsen nur befristet eingestellt, so viel wie noch nie in den zehn Jahren davor. Laut IAB entspricht dies einem Anteil von 46 Prozent aller Neueinstellungen. Besonders betroffen sind Frauen: Mehr als jede zweite (53 Prozent), die im ersten Halbjahr 2011 einen neuen Job bekam, hatte einen befristeten Vertrag.

Befristete Beschäftigung bedeute häufig geringe Bezahlung, hohes Risiko für Arbeitslosigkeit und schlechte Weiterbildungschancen, kritisierte Pothmer. Betriebliche Flexibilität müsse auf die Bedürfnisse der Beschäftigten Rücksicht nehmen. „Der Zweck, über die Befristung kurzfristig Spitzen im Arbeitsaufkommen abzufedern oder zeitlich begrenzt Personal zu ersetzen, gerät zunehmend in den Hintergrund.“

Bereits im September hatten SPD, Grüne und Linke im Bundestag eine Streichung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen im Teilzeit- und Befristungsgesetz gefordert. Die Koalition lehnte die Anträge ab. 2001 hatte Rot-Grün das Gesetz noch selbst auf den Weg gebracht, um den Unternehmen mehr Flexibilität zu ermöglichen.

[Gabi Stief]

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