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Formel 1

Rennfahrer zeigen Verständnis für umstrittenes Überholmanöver

Ferraris Teamorder am Hockenheimring erhitzt die Gemüter: Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel toleriert das unlautere Streben nach der Weltmeisterschaft. Nick Heidfeld hingegen plädiert für ein härteres Durchgreifen.
Umstrittenes Überholmanöver in Hockenheim: Ferrari-Fahrer Massa ließ seinen Team-Kollegen Alonso ohne Gegenwehr passieren.

Umstrittenes Überholmanöver in Hockenheim: Ferrari-Fahrer Massa ließ seinen Team-Kollegen Alonso ohne Gegenwehr passieren.

© dpa

Im Überholskandal von Hockenheim fordert der Ferrari-Boss ein Ende der "Heuchelei". Red-Bull-Star Sebastian Vettel zeigt Verständnis für die umstrittene Teamorder der Scuderia. Als Fan und ehrlicher Sportsmann müsse man sagen, dies sei nicht richtig gewesen, befand Vettel zwar. Wenn man am Ende des Jahres allerdings die Formel-1-Weltmeisterschaft mit zwei, drei Punkten verpasst habe, "die man vielleicht hier oder da hätte besser hamstern können, dann steht man auch als Idiot da", sagte der 23-Jährige.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo verteidigte die Taktik seines Rennstalls beim Doppelerfolg in Deutschland vehement. Solche Dinge seien schon passiert, als er selbst noch Sportdirektor gewesen sei: "Also genug mit der Heuchelei." Di Montezemolo legte noch nach und teilte gegen alle Kritiker aus. "Die Polemik interessiert mich nicht", wetterte der Italiener. Er könne sich aber ziemlich gut vorstellen, dass einige es gern gesehen hätten, wenn sich die beiden Ferrari-Fahrer gegenseitig ausgeschaltet hätten.

Felipe Massa ließ Fernando Alonso aber ohne Gegenwehr passieren. Der Spanier holte sich so den Sieg vor seinem brasilianischen Teamkollegen. "Ich hatte ja schon die ein oder andere Situation mit dem Teamkollegen und gehofft, dass sie sich schön ins Auto fahren", schmunzelte Vettel mit Blick auf das Duell mit stumpfen Waffen zwischen Massa und Alonso. Wenn man sich die Bilder anschaue und die Funksprüche anhöre, "dann ist es eigentlich eindeutig", so der Hesse zu einer möglichen Teamorder.

Ebenso klar sei das Reglement - Paragraf 39.1 besagt: "Eine Teamorder, die das Rennergebnis beeinflusst, ist verboten." Dennoch sei der Betrachtungswinkel entscheidend, meinte Vettel. "Es ist schade für die Zuschauer draußen. Für manch einen, der auf einen Sieg von Massa gesetzt und sich gesagt hat, ich hau' 100 Euro auf den Tisch. Der fühlt sich natürlich jetzt um den Gewinn betrogen", meinte der 23-Jährige.

Für die Fahrer gehe es darum, "wie weit man sich aus dem Fenster lehnen kann". "Aus Teamsicht ist es klar, man will die Weltmeisterschaft gewinnen. Es hängt sehr viel davon ab", betonte Mercedes-Ersatzpilot Nick Heidfeld im Sender "ServusTV". Dagegen meinte Titelverteidiger Jenson Button: "Aus meiner Sicht sind Teamorders in der Formel 1 und in jeder anderen Motorsport-Klasse falsch, auch wenn sie manchmal unvermeidlich sind."

Das sieht Rekordchampion Michael Schumacher anders. "Das hier ist keine Kaffeefahrt, sondern es geht um eine Weltmeisterschaft und da geht es um Punkte. Wer ab einem gewissen Zeitpunkt die meisten Zähler hat, wird nun einmal auf die Meisterschaft gesetzt." In seiner Zeiten bei Ferrari hatte der Kerpener mehr als einmal von taktischen Anweisungen des Teams profitiert.

So wie 2001 in Spielberg, als der damalige Teamchef Jean Todt - heutiger FIA- Präsident - dem Brasilianer Rubens Barrichello befahl: "Let Michael pass for the Championship". "Das Problem ist, dass es damals in Österreich so ein Skandal war", meinte Heidfeld. Nach dem Verbot der Teamorder "war allen klar, dass es sehr, sehr schwierig wird", erklärte der Mönchengladbacher.

Nachdem Ferrari noch vor Ort mit einer Geldstrafe von 100.000 Dollar belegt worden war und sich nun auch noch vor dem Motorsport-Weltrat verantworten muss, forderte Heidfeld "Konstanz" in der Bestrafung. "Wenn es ein Reglement gibt, muss das hart durchgesetzt werden. Wenn das jetzt passiert, werden die Teams sich das in Zukunft zweimal überlegen."

dpa


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