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Arbeitsmarkt

Unternehmerisch, kreativ und offen: Jobvermittler von morgen

Im Wandel zum modernen Dienstleister setzt die Bundesarbeitsagentur auch auf motivierte Studenten: Jedes Semester beginnen Hunderte ihr Studium zum Arbeitsvermittler.
An der Hochschule der Bundesagentur sollen die Studenten lernen, wie Unternehmer zu denken.

An der Hochschule der Bundesagentur sollen die Studenten lernen, wie Unternehmer zu denken.

© Uwe Anspach

Mannheim. Mit neuen Ideen und Unternehmergeist sollen sie frischen Wind in die Behörde bringen.

Eine Beraterin der Bundesagentur für Arbeit (BA) chattet mit einem Ingenieur aus Nigeria, ein Arbeitsvermittler beantwortet auf einer Internet-Plattform die dringende Frage einer IT-Fachfrau: Ginge es nach Andreas Frey, wären das Standardsituationen in deutschen Arbeitsagenturen - heute ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Frey ist Rektor der Hochschule der BA mit Sitz in Mannheim und einem weiteren Campus in Schwerin. Er will das Image einer angestaubten Behörde abstreifen. An der Hochschule werden Studenten zu Arbeitsvermittlern und Berufsberatern von morgen ausgebildet. Ein Stellenangebot ist jedem von ihnen sicher.

Maria Körner ist eine der 420 Erstsemester, die in diesen Tagen ihr BA-Studium beginnen. Der Job der Arbeitsvermittlerin reizt sie sehr: "Das ist wirklich was, das zu mir passt, da kann ich hinterstehen", sagt Körner. "Ich finde spannend, dass man auch ein bisschen Profiler ist, weil man die Leute einschätzen muss." Die 27-Jährige hat bereits ein medienwissenschaftliches Studium abgeschlossen und Berufserfahrung in einem Hamburger IT-Unternehmen gesammelt, erst als Beraterin, dann in der Personalabteilung. "Ich habe gemerkt, dass es mir einfach unglaublich viel Spaß macht, Menschen zu helfen." Vom Studium erhofft sie sich eine rechtlich fundierte Grundlage.

Maria Körner beginnt ihr Arbeitsmarktmanagement-Studium inmitten einer großen Umbruchphase der BA: Weg von der Verwaltungsanstalt, hin zu einer Behörde der kreativen, wagemutigen Köpfe, die mit Neuen Medien spielen, denken können wie Unternehmer und deren Anforderungen genau kennen - so erzählt Frey von seiner Vision. Ein, zwei Generationen werde es wohl noch dauern, bis der neue Wind alle Berater erreicht habe. Der Wandel sei aber schon in vollem Gange. Stark hängt das auch mit BA-Chef Frank-Jürgen Weise zusammen, der die Mammutbehörde seit 2004 zum modernen Dienstleister umformt.

"Wir kommen immer mehr weg von der klassischen Arbeitslosenvermittlung", sagt Frey. Ein Land wie Baden-Württemberg stehe knapp vor der Vollbeschäftigung. In Zukunft müssten Arbeitsvermittler daher noch viel mehr über Möglichkeiten zur Weiterbildung Bescheid wissen. Der Trend gehe zudem weg von der klassischen Beratung in der Agentur. "Es gibt auch Momente, da braucht jemand genau jetzt eine Beratung und nicht erst morgen oder übermorgen", sagt Frey. Eine Lösung seien Chats und Videokonferenzen.

Bei der BA habe sich in den vergangenen gut zehn Jahren schon einiges gewandelt, der Servicegedanke werde immer wichtiger, sagt Arbeitsmarktforscher Werner Eichhorst vom Institut zur Zukunft der Arbeit. "Die Interaktion mit den Kunden ist aber zum Teil noch sehr schematisch." Die Vermittler der Zukunft müssten sich mehr Zeit für die harten Fälle wie Langzeitarbeitslose nehmen und sie individueller betreuen. "Die gehen dann eher nicht in einen Videochat", sagt Eichhorst. "Berater brauchen eine große Offenheit, um den Einzelfall mit all seinen Problemen und Schicksalsschlägen zu verstehen."

Das sei auch bei der Beratung von Migranten sehr wichtig, sagt Psychologie-Professorin Türkan Ayan von der Hochschule der BA. "Arbeitsvermittler schreiben tendenziell bestimmtes Verhalten der Kultur zu, obwohl es damit gar nichts zu tun hat. Da sehe ich noch Schulungsbedarf." Welchen Bildungsstand jemand habe, sei meist entscheidender als der kulturelle Hintergrund. Künftig würden Berater noch häufiger mit Migranten zu tun haben als heute. Rektor Frey hat auch hier eine Zukunftsvision: Über Sprachfilter könnten ausländische Kunden direkt an einen Berater weitergeleitet werden, der ihre Sprache spreche.

dpa


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