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Bildung

Schüler lernen Programmieren - im Klassenzimmer und online

Handy, Computerspiele, soziale Netzwerke - die digitale Welt bestimmt den Alltag. Doch sind Kinder und Jugendliche fit dafür? Der Schulunterricht bietet wenig. Fachleute sind sich einig: Kinder sollten so früh wie möglich spielerisch an Informatik herangeführt werden - doch in den Schulen gibt es dazu nicht genug Angebote.
Schüler sollen Interesse für Informatik und Freude am Programmieren entwickeln - das will das Hasso-Plattner-Institut fördern.

Schüler sollen Interesse für Informatik und Freude am Programmieren entwickeln - das will das Hasso-Plattner-Institut fördern.

© obs/HPI Hasso-Plattner-Institut/Dirk Laessig

Potsdam. e. Informatik ist lediglich in Bayern und Sachsen Pflichtfach, an den meisten Schulen steht es freiwillig zur Wahl. "Deutschland zeigt, wie man in diesem Bereich Analphabeten erzieht", beklagt Bernd Birkicht vom Chaos Computer Club (CCC), selbst Informatik-Lehrer an einer Heilbronner Schule.

Dabei ist Informatik im digitalen Alltag hilfreich. "Wenn man programmieren lernt, versteht man, wie der Rechner reagiert", sagt Christian Willems, Doktorand am Hasso-Plattner-Institut. Das Potsdamer Institut will diese Lücke will mit einem neuen Angebot füllen. In einem Kurs sollen Kinder innerhalb von vier Wochen online kostenlos programmieren lernen.

"Besondere Vorkenntnisse oder eine spezielle Software sind nicht nötig", wirbt Instituts-Direktor Christoph Meinel für die

Bildungsplattform. Jenseits des Klassenzimmers sollen Schüler lernen, wie ein Rechner funktioniert und wie man Computerprogramme schreibt. Sie können sich vom Computer zu Hause aus anmelden und mitmachen.

 

Der

Kurs startet am 22. September. Wer mitmacht, landet in einem virtuellem Klassenzimmer. In der einen Hälfte des Bildschirms ist Kursleiter Martin von Löwis zu sehen - einer der Entwickler der Programmiersprache Python. Die zweite Hälfte zeigt die Schritte, die der Kursleiter beschreibt. Neue Kapitel werden nach und nach freigeschaltet. "Alle sollen auf dem gleichen Level sein", erklärt Doktorand Willems. Am Ende der Woche gibt es Hausaufgaben und Tests.

 

Während des Kurses sollen die Teilnehmer sich untereinander bei Problemen helfen und Tipps geben. "Je mehr dabei sind, umso spannender wird das", sagt HPI-Direktor Meinel. Mindestens 5000 Teilnehmer sollten es aus seiner Sicht sein.

Solche Online-Kurse sind im Informatik-Bereich verbreitet. Es gibt eine Reihe von Angeboten, bei denen viele Dutzend oder Hunderte Teilnehmer gemeinsam Programmiersprachen oder Software-Tricks lernen können. Auch das HPI nutzte seine Online-Plattform bereits für andere Kurse. Meist richtet sich das Angebot an Studenten und Erwachsene, weniger an Kinder.

Auch bei dem neuen Kurs sei jeder angesprochen, der neugierig ist, wie sich im Alltag Aufgaben mit Berechnungsverfahren lösen lassen, betont HPI-Direktor Meinel. Der Kurs sei so angelegt, dass ihn jeder alleine bewältigen könne. "Unsere Empfehlung ist jedoch, dass ihn Lehrer oder Leiter von Arbeitsgemeinschaften gemeinsam mit den Schülern machen und unser Material als Anregung verstehen", sagt er.

Auch der Chaos Computer Club arbeitet mit Lehrern zusammen. "Wir gehen an die Schulen, um Medienkompetenz zu vermitteln", berichtet Peter Hecko vom Mannheimer CCC. Die Organisation hat das Projekt

"Chaos macht Schule" angestoßen, um den Mangel zu kompensieren - ehrenamtlich. "Das ist teils schwierig, weil wir selbst beruflich sehr eingespannt sind. Aber wir haben den Anspruch, etwas anzustoßen und eine Grundbasis zu schaffen", sagt Hecko. "Eltern und Lehrer müssen aber mitmachen."

 

Laut repräsentativen Umfragen des Branchenverbandes Bitkom sind diese offen für das Thema: Die Mehrheit der Eltern von schulpflichtigen Kindern (63 Prozent) wünscht sich Informatik als Pflichtfach. Bei den Lehrern sind es 73 Prozent. Nach Verbandsangaben bietet allerdings nur knapp jede zweite Schule der Sekundarstufe I (46 Prozent) einen Internet-Anschluss in allen Klassenräumen. Die Ausstattung in den unterschiedlichen Schulformen unterscheidet sich kaum.

"Aber selbst wenn die technische Ausrüstung gut ist, reicht das nicht", betont Informatik-Lehrer Birkicht. "Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden dafür, dass Rechner und Computer auch Kulturtechnik sind." Die Lehrer müssten ebenfalls geschult werden, auch wenn eine jüngere, mit Smartphone und Tablet vertraute Generation nachrückt. Jüngere Lehrer nutzten die Technik selbst und seien "vielleicht nicht so ängstlich wie die Älteren", sagt Hecko.

Doch es liegt nicht allein am Alter. Studien zeigten, dass Ältere, die sich gezielt mit dem Thema auseinandergesetzt hätten, besser abschneiden. "Die Jungen haben es nicht beigebracht bekommen. Da schließt sich der Kreis", meint Birkicht.

dpa


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