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Nicht nur für die Toten - "Bestatter ist ein schöner Beruf"

Kann ein Beruf für die Toten schön sein? Sie sind auch für die Lebenden da, sagen junge Bestatter und entstauben das Berufsbild. Auch immer mehr Frauen wählen diesen Berufsweg.
Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Sarg-Modellen zur Auswahl.

Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Sarg-Modellen zur Auswahl.

© Oliver Berg

Neuss. Anna Lutter hat früher Kunst studiert. Jetzt ist sie Bestatterin. Für die 32-Jährige mit der modischen Kurzhaarfrisur ist das ein logischer Schritt: "Anfang und Ende. An diesen Themen habe ich mich im Studium abgearbeitet", sagt die angehende Bestatter-Meisterin. Friedhöfe haben sie schon immer angezogen - die Grabsteine, Pflanzen, Tiere. "Bestatter ist ein schöner Beruf", sagt die zierliche Frau: Helfen, Menschen ermutigen, begleiten, das stimmt für sie.

Früher hätte sie mit diesem Berufswunsch keine Chance gehabt. Da waren starke Männer gefragt, die auch mal einen 100 Kilo schweren Toten aus der ersten Etage runterschleppen konnten. "Dafür gibt es ja heute Technik", sagt der Landesinnungsmeister von Nordrhein-Westfalen, Wilfried Odenthal. Trotzdem gebe es immer noch Betriebschefs in Deutschland mit der Einstellung "Mir kommt keine Frau ins Haus".

Aber das Klischee vom sehr ernst dreinschauenden, starken Totenträger im schwarzen Anzug wird zunehmend aufgeweicht: Jeder zweite Auszubildende sei eine Frau. Erst seit 2003 ist die Bestattungsfachkraft ein anerkannter Ausbildungsberuf. Themen dabei sind etwa Psychologie, Recht, Gestaltung, Versorgung des Toten und kaufmännische Grundlagen.

Gestorben wird immer, beerdigt auch. Aber nie seien Beerdigungen persönlicher gewesen als jetzt, sagt Odenthal. Das Deko-Angebot ist groß: Gab es früher als Schmuck sechs grüne Bäume und Kerzenständer, gibt es heute etwa Engelfiguren für jeden Geschmack. Und Grabbeilagen von Verwandten sind auch keine Seltenheit mehr: Gerne die Stricknadeln für die Oma oder ganz heimlich sogar die Urne vom Hund, wie ein Verwandter Odenthal mal gebeichtet hat.

Begegnung mit Tod und Trauer: In der Gesellschaft sind das immer noch Tabuthemen. Trotzdem fehlt es in Deutschland nicht an Nachwuchs. Auf die bundesweit 150 Ausbildungsplätze kommen 300 Bewerber, etwa die Hälfte aus einem elterlichen Bestatterhaus, teilt der

Bundesverband Deutscher Bestatter mit.

 

Wie Maximilian Bückendorf, akkurat frisiert, schwarzer Anzug, weißes Hemd - in Jeans schwer vorstellbar. Die Mutter war von seinem Berufswunsch nicht gerade begeistert, erzählt er: Der Stress der ständigen Erreichbarkeit, den hätte sie ihm gerne erspart. Odenthals Lehrling zeigt den Ausstellungsraum mit Särgen und erklärt redegewandt, warum die nur zu einem Viertel da stehen: Die Besucher sollen in ihrer Trauer nicht erschlagen werden.

Er geht in den Abschiedsraum und zeigt das Arrangement mit kleinen Holzsäulen, Kerzen, verstreuten Ahornblättern und einem weißen luftig drapierten Tuch. In der Mitte steht ein kleiner Korbsarg. Morgen wird da ein anderer Sarg stehen mit dem Leichnam eines Kindes. Die Eltern werden Abschied nehmen. Sie haben ihr Kind kurz nach der Geburt verloren. "Man kann mitfühlen, darf aber nicht mitleiden", hat Bückendorf gelernt. Aber selbst einen so erfahrenen Bestatter wie Odenthal kann das an die persönlichen Grenzen bringen, sagt er selbst.

Die jungen Leute haben sich diesen beruflichen Schritt in der Regel gut überlegt. "Es gibt eine geringe Abbrecherquote", sagt der Sprecher des Bundesverbands der Bestatter, Oliver Wirthmann. Der Beruf erfahre eine neue Wertschätzung. Wenn Bückendorf allerdings jemanden neu kennenlernt und sagt, dass er Bestatter ist, "dann fällt erst einmal die Kinnlade runter", sagt er.

dpa


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