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Arbeit

Jugendforscher: Generation Y krempelt die Arbeitswelt um

Work-Life-Balance und Mitspracherechte: Die Generation Y verlangt Arbeitgebern einiges ab. Doch sie kann auch hart arbeiten. Prof. Klaus Hurrelmann erklärt, wie die zwischen 1985 und 2000 Geborenen ticken und wie sie die Arbeitswelt verändern.
Prof. Klaus Hurrelmann ist überzeugt: Die jungen Menschen der Generation Y sind Systemveränderer.

Prof. Klaus Hurrelmann ist überzeugt: Die jungen Menschen der Generation Y sind Systemveränderer.

© Hertie School of Governance/Vincent Mosch

Berlin. Jede Generation prägt die Arbeitswelt auf ihre Weise. Derzeit krempelt die Generation Y - die zwischen 1985 und 2000 Geborenen - die Unternehmen um. Der Jugendforscher Prof. Klaus Hurrelmann hat am Rande eines Kongresses vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erläutert, was diese Generation geprägt hat - und welche Veränderungen sie für die Arbeitswelt mit sich bringt.

 

Finden Sie die heutigen Studenten manchmal schrecklich langweilig?

 

Prof. Klaus Hurrelmann: Unsere Studenten an der Hertie School of Governance kommen aus 35 verschiedenen Ländern. Da ist nichts Langweiliges. Das sind sehr kreative und offene Menschen. Aber sie gehören zur Generation Y durch die Erlebnisse, die sie geprägt haben. Und sie reagieren darauf, indem sie in ihre eigene Bildungsbiografie stark investieren: äußerst ehrgeizig, sehr strebsam, sehr konzentriert, sehr selbstdiszipliniert.

 

Was hat die Generation Y geprägt?

 

Hurrelmann: Die 2000er Jahre sind geprägt durch Krisen: Anschlag in New York, Umweltkatastrophen, Klimaprobleme bis hin zu Fukushima, die Finanz- und Wirtschaftskrise, die riesige Arbeitslosigkeit und die Erfahrung, dass ein großer Teil von ihnen in Gesellschaft und Beruf nicht gebraucht wird und eigentlich überflüssig ist. Das ist die soziale Mitgift - fast kann man sagen soziale Traumatisierung. Plus die Digitalisierung.

 

Welche Schlüsse hat die Generation Y daraus gezogen?

 

Hurrelmann: Um nicht zu denen gehören, die in Beruf und Ausbildung nicht gebraucht werden, wollen sie etwas anbieten, und das ist ein gutes Ausbildungszertifikat. Es gibt eine Angst, zu denen zu gehören, die gesellschaftlich nicht mithalten können und die auf der Strecke bleiben. Man hat untergründig das Gefühl, die Generation zu sein, die den Status der Eltern nicht hält.

 

Was stört die Generation Y an der derzeitigen Arbeitswelt?

 

Hurrelmann: Sie kommt mit sehr kühnen Vorstellungen in die Arbeitswelt. Sie haben so viel investiert in ihre Ausbildung, das möchten sie nun auch in die Berufswelt hineintragen. Das heißt, sie wollen eine berufliche Tätigkeit haben, bei der sie ihre Spuren hinterlassen können, wo sie eigene Akzente setzen können, wo sie einen Sinn sehen in dem, was sie tun. Das ist etwas, das sich sehr schnell beißt mit den unternehmerischen Strukturen, zum Beispiel mit vorgefertigten Arbeitsabläufen, aber auch mit Hierarchien.

 

Wie gewinnen traditionelle, hierarchisch strukturierte Unternehmen Mitglieder der Generation Y für sich?

 

Hurrelmann: Die werden Schwierigkeiten haben. Wenn der Arbeitsmarkt so gut bleibt, können sich die jungen Leute noch mehr als bisher den Arbeitsplatz gezielt aussuchen. Der Markt hat sich verändert: Er ist heute einer, der von den Nachfragenden beherrscht wird. Da haben es Unternehmen schwer, die die Vorstellungen der jungen Leute nach inhaltlicher Orientierung und nach produktiver Tätigkeit, nach Projekt- und Teamarbeit nicht bedienen können. Das gilt auch für jene, die die Erwartung nicht erfüllen, dass die Arbeitszeitverteilung so ist, dass die jungen Leute von der beruflichen Tätigkeit nicht aufgefressen werden.

 

Welche Anreize müssen Firmen schaffen?

 

Hurrelmann: Alles, was mit Beteiligung zu tun hat, gehört dazu. Man sollte die Generation Y nicht vor vollendete Tatsachen stellen nach dem Motto: Das haben wir immer schon so gemacht. Sondern es ist besser, mit ihnen zusammen durchzugehen, was die Arbeitsanforderungen sind, welche Ziele man verfolgt, sie in die Lage zu versetzen, dass sie mitdenken können und erkennen, worum es im Unternehmen geht und warum es bisher so und nicht anders gemacht wurde.

 

Was noch?

 

Hurrelmann: Die Jungen dann auch Vorschläge machen zu lassen, das als Arbeitgeber auch zu initiieren, und dann systematisch zu begleiten, ob das funktioniert. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber dafür sorgen, dass ihre Wünsche für die Arbeitzeiteinteilung in Erfüllung gehen, dass sie Freizeit und Beruf oder Familie und Beruf vereinbaren können. Es geht nicht mehr, einfach Überstunden anzuordnen. Wenn sie notwendig sind, ist es wichtig, deutlich zu machen, warum die Überstunden notwendig sind.

 

Wie sieht die Arbeitwelt aus, wenn die Generation Y an der Macht ist?

 

Hurrelmann: Die Generation Y ist in vielen Unternehmen nach kurzer Schreckstarre ein gern gesehener Systemveränderer. Die Veränderungen werden dazu führen, dass ein Arbeitnehmer ein Mitglied eines Unternehmens ist und eine Mitverantwortung trägt für den Arbeitsablauf und sich persönlich verantwortlich fühlt. Und das ist am Ende etwas, was Unternehmen besonders stark macht. Sie sind dann am produktivsten, wenn die Arbeitnehmer sich identifizieren. Diese Grundhaltung bringt die Generation Y mit, jedenfalls dann, wenn man sie richtig einbezieht. Und dann sind sie Beschleuniger von Entwicklung, die ohnehin fällig ist.

 

Literatur:

 

Hurrelmann, Klaus; Albrecht, Erik: Die heimlichen Revolutionäre: Wie die Generation Y unsere Welt verändert. Beltz, August 2014, 18,95 Euro, ISBN-13: 978-3407859761.

dpa


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