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Arbeit

Die Urlaubspolizei: Arbeiten, wo andere Ferien machen

Arbeiten an einem Urlaubsort: Diese Möglichkeit haben nicht nur Saisonkräfte in Hotels, sondern auch Polizisten. Im Watt vor Cuxhaven sorgen Beamte der Reiterstaffel aus Hannover für Sicherheit. "Da draußen sind die Probleme andere als auf dem Festland", sagen sie.

Cuxhaven. Von ihrem Arbeitsplatz hoch zu Ross haben Andrea Neumann und Carolin Dietz eine gute Sicht auf ihre Umgebung. Aber nicht nur das: "Wir werden auch gut gesehen", sagt die 26-jährige Carolin Dietz. "Das gibt vielen Menschen ein subjektives Sicherheitsgefühl."

Die beiden Polizeibeamtinnen gehören zur Reiterstaffel Hannover. Für vier Wochen sind sie zusammen mit ihren Pferden Jogo und Goya dorthin abgeordnet worden, wo andere Urlaub machen: Nach Cuxhaven. Ihr Einsatzgebiet ist vornehmlich das Wattenmeer.

"Viele Touristen kennen sich mit den Gezeiten nicht aus und verhalten sich leichtsinnig", weiß die 40-jährige Andrea Neumann aus Erfahrung. Oft hat sie es schon erlebt, dass Wanderer ohne Wattschuhe durch Priele laufen, sich verletzen und nicht mehr weiter können. "Wir haben immer Erste-Hilfe-Material dabei", sagt Neumann. Um den Rücktransport kümmert sich dann die Wattrettung. Auch verletzten Pferden im Watt konnten ihre Kollegin und sie schon helfen.

In Cuxhaven sind die beiden nicht die einzigen Strandpolizisten: Die Saisonverstärkung besteht aus einem Dutzend Beamten, sie sind zu Fuß, mit dem Rad oder dem Streifenwagen unterwegs.

Auch in anderen Ferienregionen wird die Polizeipräsenz im Sommer erhöht, etwa auf Sylt oder Usedom. Die Beamten sollen nach Angaben des Innenministeriums in Mecklenburg-Vorpommern Badegästen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, Ruhestörungen und Diebstähle verhindern, Streit schlichten und bei Straftaten rasch eingreifen.

Besonders auffällig ist die berittene Polizei, die im Sommer in der Lüneburger Heide und der Elbtalaue unterwegs ist. "Das ist für die Kollegen kein Urlaub, sondern Dienst", stellt der Leiter der Reiterstaffel Hannover, Olaf Schanz, klar. Der freiwillige Einsatz fernab der Heimat sei mit persönlichen Einschränkungen verbunden. Andererseits: "Man verbringt auch seine Freizeit im Urlaubsgebiet. Das ist für viele attraktiv."

Das war es auch für Carolin Dietz und Andrea Neumann. "Bei schönem Wetter können wir sagen: Heute Abend gucken wir uns den Sonnenuntergang am Strand an", freut sich Carolin Dietz, die das erste Mal als Strandpolizistin in Cuxhaven arbeitet. "Das kann man in

Hannover nicht." Auch für die Pferde, die sonst Einsätze bei Fußballspielen, Festivals oder Demonstrationen gewohnt sind, sei das Watt eine willkommene Abwechslung. "Für sie ist es toll, dass sie hier mal richtig laufen können", sagt Andrea Neumann.  

Der Dienst der Polizeibeamtinnen hat im Watt kaum etwas mit dem in Hannover gemein. "Da draußen sind die Probleme andere als auf dem Festland", sagt Neumann, die schon mehrere Sommer in Cuxhaven eingesetzt war.

Im Wattenmeer geht es nicht um Diebstahl oder Körperverletzung, sondern um den Schutz des Nationalparks, um Warnungen vor den Tücken der Flut oder auch um Hilfe bei verbogenen Eisen von Urlauberpferden. "Wir sind Ansprechpartner für alles, weil wir für die Menschen greifbar sind", erklärt Andrea Neumann. "Viele sagen: Schön, dass Sie gerade vorbeikommen, wir haben da mal eine Frage ..." 

Die beiden Reiterinnen sind mit ihren Pferden eine Erscheinung am Strand. Die Köpfe der Urlauber drehen sich zu ihnen, wenn sie vorbeireiten. Die zweijährige Romy möchte Goya streicheln. Das ist kein Problem, weder für das Pferd mit Spezialausbildung noch für seine Reiterin: "Wir sind die Polizei zum Anfassen."

dpa


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