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Die Globetrotter-Azubis: Eine Lehre im Ausland machen

Viel weiter weg von zu Hause hätte Moritz von Kessel für die Ausbildung kaum gehen können. Seit zwei Jahren lernt er Groß- und Außenhandelskaufmann nach dem deutschen System - und zwar in China.
Fühlt sich inzwischen selbst ein bisschen wie eine Spanierin: Johanna Köllner hat ihre Ausbildung bei Siemens in Madrid gemacht und arbeitet seit fünf Jahren dort.

Fühlt sich inzwischen selbst ein bisschen wie eine Spanierin: Johanna Köllner hat ihre Ausbildung bei Siemens in Madrid gemacht und arbeitet seit fünf Jahren dort.

© Martin Radtke

Hongkong. "Ich wollte mich nach der Schule international aufstellen", erzählt der 22-Jährige. Nun lernt er bei Tchibo in Hongkong. Die Produkte, die in Deutschland in den Läden stehen, kauft zum Teil seine Abteilung bei chinesischen Fabriken ein. Will er später zurück nach Deutschland wechseln, ist das kein Problem. Sein Abschluss ist deutschen Personalern bekannt.

Im Ausland zu studieren: Von dieser Option wissen viele. Aber dort eine Lehre machen? Davon haben die meisten noch nie gehört. Dabei ist auch das in vielen Ländern möglich. Wer großes Fernweh hat, kann zum Beispiel Hotelfachmann in Portugal lernen oder Industriekaufmann in Madrid.

Das Prozedere ist immer ähnlich: Jugendliche wenden sich in der Regel an die deutsche Außenhandelskammer des Landes, in dem sie eine Ausbildung machen wollen. Das teilt die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

(ZAV) der Bundesagentur für Arbeit mit. Unter Umständen geben sie dort sogar ihre Bewerbung ab. Die erstellt dann Profile, die sie deutschen Firmen im Ausland weiterleitet. Im besten Fall bekommen Jugendliche dann ein Vorstellungsgespräch.

 

Nicht ganz so weit weg hat es Johanna Köllner, 23, gezogen. Sie hat ihre Ausbildung bei Siemens in Madrid gemacht. Das Unternehmen fertigt in Spanien etwa Röntgengeräte oder Motoren für Züge an. Seit mittlerweile fünf Jahren arbeitet sie in Spanien.

"Am Anfang hatte ich schon einen Kulturschock", erinnert sie sich. Die Menschen in Spanien seien im Arbeitsalltag viel lockerer als in Deutschland. "Man duzt jeden, selbst den Chef", erzählt sie. Und morgens werden alle mit Küsschen begrüßt.

Wer sich dafür interessiert, die Ausbildung komplett im Ausland zu machen, sollte auf jeden Fall offen sein, sagt Tanja Nause, Tanja Nause, zuständig für das Thema Ausbildung bei der Deutschen Handelskammer für Spanien. Manches laufe in Deutschland anders als in Spanien. Außerdem sind Grundkenntnisse in Spanisch Pflicht. In Hongkong sind Mandarin-Kenntnisse nicht erforderlich. Hier sollten Bewerber jedoch sehr gut Englisch sprechen können.

Mit der Ausbildungsvergütung allein kommen Bewerber in der Regel nicht aus. Sie ist nicht höher als in Deutschland. Sie brauchen je nach Land und Stadt etwa 500 Euro zusätzlich zur Vergütung, um ihr Leben zu finanzieren. Es besteht allerdings die Möglichkeit, Ausbildungsbeihilfe zu bekommen.

Wo die Bewerber nach der Ausbildung landen, unterscheidet sich je nach Land. In Hongkong bleibt ungefähr ein Drittel der Absolventen nach dem Abschluss in China, ein weiteres Drittel nimmt in Hongkong ein Studium auf und noch ein weiteres Drittel geht nach Europa zurück, um den Job in Deutschland fortzusetzen oder um noch einmal zu studieren. In Spanien bleibt ungefähr die Hälfte nach der Ausbildung im Unternehmen, die andere Hälfte geht zum Studieren zurück nach Deutschland.

dpa


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