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Arbeit

Der Traum von der selbst gebauten Krippe

Eine eigene Weihnachtskrippe bauen - die Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen machen es möglich. Jedes Jahr finden dort an die 15 Kurse statt. Die Teilnehmer kommen bis aus der Schweiz. Tagelang werkeln sie an ihrer selbst entworfenen Krippe.
Tagelang werkeln die Hobby-Krippenbauer an ihren Modellen.

Tagelang werkeln die Hobby-Krippenbauer an ihren Modellen.

© Angelika Warmuth

Garmisch-Partenkirchen. Auf ihren Schürzen tummeln sich Farbklekse und Reste von Kleister, auch die Hände weisen unübersehbar auf die Arbeit mit Pinsel und Leim hin. "Jedes Jahr an Weihnachten habe ich mich über meine alte Krippe geärgert", sagt Stefanie Raaf, "sie ist wirklich nicht schön."

Eine neue musste anstelle der 30 Jahre alten Krippe her. Und so steht die 50-Jährige in der Werkstatt der Krippenbauschule in Garmisch-Partenkirchen und drapiert Zypressen in ihre neue orientalische Weihnachtskrippe.

Raaf ist eine von sechs Frauen und Männern, die sich in den

Schulen für Holz und Gestaltung einen Traum erfüllen. Sie bauen rechtzeitig vor Weihnachten ihre eigene Krippe. Die vom Bezirk Oberbayern getragene Schule bietet jedes Jahr an die 15 Kurse zum Krippenbauen an.

"Von der Skizze bis zur fertigen Krippe erledigen die Kursteilnehmer alle Arbeiten selber", erklärt Schreinermeister Martin Königsdorfer. Der Fachlehrer leitet die jeweils sechstägigen Kurse. Sogar die Ausbildung zum Krippenbaumeister ist an der Schule möglich. Die Teilnehmer kommen bis aus der Schweiz.

In der Werkstatt werden mit Gips und Mörtel Kulissen geformt, mit Säge und Schnitzmesser die maßstabgetreuen Teile für Häuser herausgearbeitet, aus floristischem Zubehör Bäume zusammengesetzt. "Das sind keine Krippen nach dem Baukastensystem, jede Krippe ist ein Unikat", erläutert Königsdorfer. Krippen sind für den 31-Jährigen Kulturgut. "Sie haben nichts mit einem Schau- oder Dekoartikel zu tun."

Siegfried Weber hat sich für eine sogenannte Rahmenkrippe entschieden, bei der das eigentliche Gebäude aus einem Holzrahmen tritt. In einem Schraubstock befestigt steht die Krippe gerade auf dem Kopf, damit der pensionierte Beamte den Felsen anmalen kann, auf dem das Haus samt Stall im Stil des Werdenfelser Landes steht. Den Hintergrund der Krippe bildet eine idyllische schneereiche Winterlandschaft. "Dabei hat mir der Kursleiter sehr geholfen", sagt der 68-Jährige.

Auch Thomas Köhler aus Landsberg am Lech hat sich einen lange gehegten Wunsch erfüllt. "Übers Internet bin ich auf den Kurs gestoßen", erzählt der 51-Jährige. Der in der Luftfahrtindustrie beschäftigte Hobby-Krippenbauer hat sich schon vor über einem Jahr zu dem Kurs angemeldet.

Jetzt nimmt die Krippe im alpenländischen Stil Form an. Wie viele der Kursteilnehmer hat auch Köhler zuvor noch nie mit Holz gearbeitet. Die Krippenfiguren kauft er bei einem darauf spezialisierten Schnitzer. "Heute Nachmittag schaue ich mir in Ettal welche an", kündigt der 51-Jährige an.

Der

Verband Bayerischer Krippenfreunde unterstützt die Arbeit der Schule zu Füßen der Zugspitze und wirbt in seiner Zeitschrift für die Kurse. "Wir sind froh, dass es diese ausgezeichnete Schule gibt, die dazu beiträgt, dass hochwertige Krippen gebaut werden", sagt Verbandschef Martin Martlreiter.

Er ist katholischer Pfarrer im niederbayerischen Dingolfing und würde sich wünschen, dass mehr junge Menschen Interesse am Krippenbau zeigen. "Ein Krippenkurs kann wie eine Einstiegsdroge wirken", meint Martlreiter.

Karl Herrmann kam mit einer festen Vorstellung von seiner Krippe nach Garmisch-Partenkirchen. "Es wird ein Zwischending aus Oberpfälzer und alpenländischer Krippe", sagt der 51-Jährige. Gerade fasst der in der Kfz-Branche beschäftigte Kursteilnehmer aus Schnaittenbach nahe Amberg Gestein.

Fassen heißt in der Fachsprache das Bemalen von Figuren oder Gegenständen. "Misch' noch ein bisschen "Terra di Siena" darunter", rät Kursleiter Königsdorfer, "sonst wird es zu blau". Und schon wird die Farbe durch den dunklen Ockerton deutlich grauer.

Die Neuschöpfung ist Herrmanns zweite Krippe. "Ich habe schon vor zehn Jahren eine gebaut, aber die ist mir zu groß geworden. Jetzt muss es eine Nummer kleiner werden." Die Figuren hat er schon gekauft. Zu Maria und Josef mit dem Jesuskind werden sich Ochs und Esel sowie zwei Hirten mit Schafen gesellen. Auch der Verkündigungsengel darf nicht fehlen.

Am Feiertag Heilig Drei König (6. Januar) kommen die Figuren der drei Weisen aus dem Morgenland dazu. Doch aufgestellt werde die neue Krippe schon jetzt, verrät Herrmann. "Zum 1. Advent muss sie stehen."

dpa


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