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Bildung

Berufsschulen: Digitale Bildung in Verzug

Manchmal scheitert es nur an einer WLAN-Verbindung. Aber oft eben auch an den Menschen, die in der beruflichen Bildung Verantwortung tragen. Die Digitalisierung ist in diesem Bereich unterentwickelt. Eine Studie zeigt: An den Lehrlingen liegt es nicht.
Laut einer Bertelsmann-Stiftung haben Auszubildene an den Berufsschulen und in den Betrieben zu wenig Zugang zu digitalen Medien. Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv

Laut einer Bertelsmann-Stiftung haben Auszubildene an den Berufsschulen und in den Betrieben zu wenig Zugang zu digitalen Medien. Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv

Berlin. Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe in Deutschland drohen beim Umgang mit digitalen Medien den Anschluss zu verpassen - dabei ist das Interesse der Lehrlinge groß.

Angesichts eines Rekordtiefs von nur noch rund 520 000 neuen Auszubildenden im Vorjahr und 41 000 nicht besetzten Lehrstellen stehen alle Beteiligten unter Druck, auf diesem Gebiet ihre Attraktivität zu erhöhen, heißt es im ersten "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann-Stiftung.

Stiftungsvorstand Jörg Dräger mahnte daher Kurskorrekturen an: "Digitales Lernen ist weit mehr als ein Imagefaktor. Berufsschulen und Betriebe brauchen Strategien fürs digitale Zeitalter. Nur so können sie das Potenzial neuer Technologien für chancengerechte Bildung nutzen." Derzeit hapere es jedoch oft schon an einem ausreichenden WLAN an Berufsschulen - und auch an didaktischen Konzepten, ergab die repräsentative Studie.

Das Bundesbildungsministerium hat Anfang dieses Jahres ein Sonderprogramm im Umfang von maximal 74 Millionen Euro bis 2019 vorgelegt, das die Digitalisierung in der beruflichen Bildung vorantreiben soll. "Auszubildende müssen beispielsweise mit 3D-Druckern oder Drohnen umgehen können", heißt es dort. Das Ziel: "modernste Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch eine zukunftsfähige Qualifizierung der Ausbildenden zu ermöglichen".

"Zwar hat das Youtube-Video die DVD abgelöst, zwar werden Unterrichtsmaterialien auch im PDF-Format statt als Fotokopie zur Verfügung gestellt", fasste die Stiftung die Ergebnisse ihrer neuen Studie zusammen. "Doch viele Rektoren der Berufsschulen und Ausbildungsleiter in den Betrieben erkennen im Einsatz digitaler Lernhilfen weniger eine strategische Herausforderung als vielmehr einen Imagefaktor."

Dabei stünden die derzeit gut 1,3 Millionen Azubis in Deutschland "der digitalen Welt sehr viel offener gegenüber als ihre Lehrer und Ausbilder", hieß es weiter. "Berufsschüler setzen digitale Medien beim Lernen zu Hause wesentlich häufiger ein als im Unterricht oder im Betrieb." Und sie wünschten sich auch von ihrer Berufsschule einen stärkeren Einsatz digitaler Medien.

So sagten 85 Prozent der befragten Auszubildenden, ihre Lehrer sollten "häufiger etwas Neues mit digitalen Medien ausprobieren". Aber nur 33 Prozent der Berufsschullehrer - und dabei interessanterweise eher die erfahrenen als die jungen - sähen digitale Lerntechnologien als Option, zu besseren Lernergebnissen zu kommen. In vielen Ausbildungsbetrieben sei die Lage ähnlich.

"So bleiben Chancen gerade für benachteiligte Gruppen ungenutzt", folgert die Gütersloher Studie. Denn: 34 Prozent der Azubis mit Hauptschulabschluss geben an, dass digitales Lernen sie motiviert. Unter den Lehrlingen mit Abitur ist dieser Wert nur halb so hoch. "Bislang verpassen Berufsschulen und Betriebe diese Gelegenheit für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit."

dpa


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