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Auf der Strecke - Pendeln kostet Zeit und Nerven

Jeden Tag das gleiche Spiel: Morgens viele Kilometer zur Arbeit fahren, abends dieselbe Strecke wieder zurück. Pendler haben es nicht leicht, die Fahrerei kann sogar krank machen.
Der tägliche Strom von Menschen auf dem Bahnsteig: Pendeln wird umso stressiger, je öfter Berufstätige umsteigen müssen.

Der tägliche Strom von Menschen auf dem Bahnsteig: Pendeln wird umso stressiger, je öfter Berufstätige umsteigen müssen.

© Marius Becker

Frankfurt/Main. Wie machen sie das Beste draus?

Morgens entspannt Kaffee schlürfen und nebenbei in Ruhe die Zeitung durchblättern - dafür haben viele vor der Arbeit keine Zeit. Laura-Louise Scheller schon. Die 27-Jährige pendelt seit einigen Monaten zur Arbeit. Sie wohnt in Frankfurt am Main und macht ein Praktikum außerhalb der Stadt. Eine Stunde braucht sie von Tür zu Tür. Die Zeit in der Bahn nutzt sie zum Lesen. "Ich bin derzeit so informiert wie nie", erzählt sie.

Mit einem langen Weg zum Job ist Scheller nicht allein: Gut jeder fünfte Berufstätige (22 Prozent) braucht 30 bis 60 Minuten zur Arbeit, wie Daten des Statistischen Bundesamtes von 2012 zeigen.

Auto oder Bahn - das ist die Frage beim Pendeln. Wer die Wahl hat, sollte sich für die Bahn entscheiden, rät Steffen Häfner, Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie. Pendler können sich besser entspannen, wenn sie nicht selbst am Steuer sitzen. Zeitung lesen, in einem Buch schmökern oder eine Fremdsprache lernen: Wer Bahn fährt, kann die Zeit sinnvoll nutzen. Das Einzige, was Pendler nicht tun sollten, ist schlafen. Am Tag sollten Menschen wach bleiben, damit sie nachts gut schlafen können, erklärt Häfner.

Doch entspannt sind die Bus- oder Bahnfahrten nur, wenn alles nach Plan läuft. Kommt die Bahn zu spät, ist Stress programmiert. Wer keinen Sitzplatz ergattert, steht sich die Beine in den Bauch. Laura-Louise Scheller nervt vor allem das Umsteigen von der Tram in die S-Bahn. "Die Tram kommt immer zu spät. Wenn die S-Bahn dann pünktlich ist, wird es eng." Häfner rät daher, lieber eine längere Strecke zu wählen, bei der das Umsteigen wegfällt.

Das Pendeln mit Bus und Bahn geht schlimmstenfalls zulasten der Gesundheit. Der Stress kann zur psychischen Belastung werden, sagt Häfner. Das viele Sitzen bereitet unter Umständen Schmerzen im Hals- oder Lendenwirbelbereich. Auch Pkw-Pendler leben nicht gesünder. "Autopendler neigen eher zu Übergewicht", erklärt Häfner. Denn während Bahnpendler meist noch ein Stück zur Haltestelle laufen, steht das Auto in der Regel direkt vor der Tür. Bewegung? Fehlanzeige.

Wer sich für das Auto entscheidet, ist aber flexibler. Dafür haben Autofahrer nur wenige Möglichkeiten, sich nebenbei zu beschäftigen. Sie können höchstens Musik oder ein Hörspiel hören. Häufig glauben die Pendler, ihre Strecke besonders gut zu kennen. "Aber selbst auf einer Routinestrecke können Autofahrer Fehler machen", warnt Gerhard Laub, Verkehrspsychologe bei TÜV Süd. "Besonders die Heimfahrt ist gefährlich." Dann sind die Pendler müde und kaputt von der Arbeit. Er rät daher zu kurzen Pausen auf der Strecke. Wenn die Chance besteht, sollten Pendler Fahrgemeinschaften bilden. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch entspannter.

Egal, ob Auto oder Bahn: Das Pendeln verträgt sich häufig nicht mit dem Familienleben. "Wir haben herausgefunden, dass Frauen, die täglich pendeln, ihren Kinderwunsch aufschieben", sagt Thomas Skora vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Männer hätten unterdessen den Eindruck, nicht genügend im Familienalltag integriert zu sein. Und Wochenendpendler, die unter der Woche nicht nach Hause fahren, fühlten sich häufig heimatlos.

Laura-Louise Scheller wird noch einige Monate jeden Morgen mit Tram und S-Bahn unterwegs sein. Langfristig kann sie sich ein Leben als Pendlerin aber nicht vorstellen. "Das ist nicht nur mühsam. Es geht auch viel Freizeit dabei drauf."

dpa


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