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Tourismus

"Vergesst mir die Seele nicht!" - Klosterurlaub in Bayern

Es ist 4.00 Uhr in der Früh. Draußen ist es tiefste Nacht. Eine kleine, gebückte Frau, weiße Ordenstracht und schwarzer Schleier, tritt ein ins Zimmer, kurz danach steht sie am Bett.
Die Schwestern des Dominikanerklosters leben abseits des Gästebetriebs, sind jedoch offen für Gespräche, Gebet und Begegnung.

Die Schwestern des Dominikanerklosters leben abseits des Gästebetriebs, sind jedoch offen für Gespräche, Gebet und Begegnung.

© KurOase im Kloster

Bad Wörishofen. Es ist Schwester Johanna.

Die 78-Jährige legt mir einen kalten Lappen aufs Herz. "Damit der Kreislauf nicht zusammenbricht." Dann schiebt sie sachte ein warmes Heukissen unter meinen Nacken. "Das entgiftet", erklärt die Schwester und lächelt. Im Herausgehen sagt sie: "Gelobt sei Jesus Christus." Vierzig Minuten später steht sie erneut im Raum. Die Schwester holt das Kissen. Die Bettanwendung nach Sebastian Kneipp ist für heute abgeschlossen.

Ins Kloster gehen: Für manche Menschen hat das etwas Abschreckendes. Sie denken an Askese und Entbehrung. Dennoch werden Klosterurlaube immer populärer. Mehrere Hundert der etwa 3000 katholischen Klöster in Deutschland öffnen ihre Pforten mittlerweile für ein Programm "Kloster auf Zeit", bei dem normale Gäste für einige Tage Klosterluft schnuppern können. Eines von ihnen ist das

Dominikanerkloster im Herzen der Kneipp-Stadt Bad Wörishofen im Allgäu.

 

Es bietet eine ungewöhnliche Mischung aus Geistlichkeit und Körperbewusstsein: Zwar leben die Schwestern abseits des Gästebetriebs, sie sind jedoch offen für Gespräche, Gebet und Begegnung. Zusätzlich lässt sich beim Wassertreten und den Heupackungen der Körper in Schwung bringen. Fasten und Ausgehverbot sind längst nicht mehr an der Tagesordnung.

Nach dem Frühstück um 7.00 Uhr folgt Kneippanwendung Nr. 2. Anschließend Bettruhe. Lesen. Mittagessen um 12.00. Ruhe. Kneippanwendung Nr. 3 zwischen 13.00 und 14.00 Uhr. Wieder Bettruhe. Spaziergang an der frischen Luft im Kräutergarten, Kurpark oder Wald. Meditation. Gottesdienst. Gespräche mit der Schwester. Abendessen um 18.00 Uhr. Bettruhe oder Ausgehen. Jeder wie es ihm beliebt. Die meisten hier halten sich aber an den Ablauf der Ordensleute. Wiederkehrendes vermittelt Ruhe und Festigkeit. Genau das versprechen sich die meisten Besucher vom Klosteraufenthalt. Ruhe in stressigen Zeiten.

"Wir sind ein Haus der Ruhe und Stille", sagt Schwester Martina. "Die Menschen sind heute sehr ausgelaugt. Das nimmt zu. Der Mensch wird krank, wenn er keine Stille mehr hat." Daher stehen keine Fernseher auf den Zimmern. Es gibt zwei Fernsehräume für alle. Die Gäste sollen aber lesen, Bücher finden sie in einer großen Bibliothek.

Und es stimmt. Schon nach wenigen Tagen macht sich ein Ruhe-Gefühl breit. Die dicken Klostermauern sind wie eine Art Dämmstoff. Sie halten die komplette Hektik, das Schnell-Schnell des Lebens fern. Innerhalb des Klosters herrscht ein anderer Takt, der vom Werden und Vergehen. Von Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Von Morgenmesse und Abendgebet. Feste Zeiten. Feste Rituale geben Halt und Geborgenheit. Selbst wenn das Handy vibriert - es lässt einen erstaunlich kalt.

dpa


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