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Tourismus

Kunst in der Pampa - Die etwas anderen Urlaubstipps für Meck-Pomm

Bei Mecklenburg-Vorpommern denken viele an lange Strände und Badeurlaub. Aber oft gibt es nicht weit hinter der Küste auch Ateliers und Galerien zu entdecken. Viele Künstler arbeiten hier bewusst in der Pampa, weitab von den Metropolen.
Didier Rousseau arbeitet gerne mit Holz - der Franzose hat im Künstlerhaus Plüschow gerade aus einem Stück Stamm überdimensionale Erlensamen gesägt.

Didier Rousseau arbeitet gerne mit Holz - der Franzose hat im Künstlerhaus Plüschow gerade aus einem Stück Stamm überdimensionale Erlensamen gesägt.

© Andreas Heimann

Teterow. Kunst und New York, Paris, meinetwegen Basel. Aber Kunst und Plüschow, Teterow oder irgendwo sonst in der Pampa in Mecklenburg-Vorpommern - passt das zusammen? Sind große Kunst und kleine Käffer nicht ein Widerspruch in sich? Alles Quatsch, sagt der aus Dresden zugezogene

Matthias Kanter: "Man ist hier näher am Menschen dran." Und wovon die Künstler profitieren, haben auch die Touristen etwas: In Mecklenburg-Vorpommern ist es zur nächsten Galerie nie weit.

 

 

Schwerin: In der Münzstraße der Landeshauptstadt hat die

Galerie AG2012 ihren Platz gefunden. Sechs Künstler haben sie vor neun Jahren gegründet, inzwischen sind es neun. Die Kunsthistorikerin Claudia Schönfeld arbeitet als Kuratorin für sie - und zeigt Besuchern und potenziellen Käufern die ausgestellten Werke. Zum Beispiel die von Kanter, der bevorzugt mit Acryl auf Leinwand malt und sich auf dem Land unweit von Schwerin voll und ganz zu Hause fühlt.

 

Kanter lehnt im Türrahmen, an der Wand neben sich eines seiner großformatigen Landschaftsbilder. Der Künstler ist in Dessau geboren und hat in Dresden studiert. Da lag die Pampa von Mecklenburg-Vorpommern nicht gerade vor der Haustür. "Mein Prof. hat mir gesagt: Wenn du da hingehst, du weißt hoffentlich, dass das künstlerischer Selbstmord ist." Aber das stimmte gar nicht: "Ich genieße hier die Lage zwischen Hamburg und Berlin, und ich hab' hier die Freiheit zu tun und zu lassen, was ich will", sagt Kanter.

 

Wismar: Wer in der Hansestadt die Schweinsbrücke am "Café Glücklich" vorbei in Richtung Nikolaikirche läuft, ist schnell beim

Schabbellhaus. In dem Renaissancegebäude ist das Stadtgeschichtliche Museum untergebracht. Genau gegenüber hat

Kristine Hamann ihre Galerie. Seit 2011 zeigt sie junge Nachwuchskünstler wie Chris Nau oder die farbenfrohen großformatigen Arbeiten von Pierre von Helden.

 

 

Wrodow: Es geht eine ganze Zeit an Rapsfeldern vorbei, bevor man nach Wrodow kommt und die

Kunsthalle im Leonardo-da-Vinci-Weg zu sehen ist. Sylvester Antony wartet schon. Der Künstler trägt rote Schuhe zu schulterlangem grauem Haar und schert sich auch sonst nicht um Konventionen. Er ist hier Schlossherr und Hausherr in einem. Eigentlich wollte er ein Anwesen mit Turm bei London kaufen, erzählt er. Aber dann ist er 1993 auf das Schloss in Wrodow gestoßen. Das hat er gekauft und zum "Kunstschloss" umgebaut - samt Ferienwohnungen. Aus dem Stall wurde die Kunsthalle. "Ich zeige hier die beste Kunst im Land", sagt Antony. Vielleicht meint er das ernst. Ganz sicher ist man bei ihm nie. Er hat auch mal eine Ufo-Landebahn hinter dem Haus angelegt. Und für seine Kunstwerke setzt er menschliche Gerippe an den Tisch mit Silbergeschirr und einem Band Brecht-Gedichte vor sich.

 

 

Rothen: Das Dorf wirkt wie eine Mischung aus Bullerbü und Landkommune plus Gutshaus und einigen Ferienwohnungen. Kastanienbäume stehen hier, Wein rankt die Wand hoch. Spatzen tschilpen, übers Dach ziehen Schwalben. Vor dem Haus steht eine Wippe und ein Kinderkarussell - und daneben Takwe Kaenders. Die gebürtige Kölnerin ist Vorsitzende des Vereins

Rothener Hof, der sich das Ziel gesetzt hat, einen denkmalgeschützten ehemaligen Kuhstall zu erhalten und als kulturelles Zentrum zu nutzen.

 

Takwe Kaenders ist Künstlerin und hat in Halle Metallgestaltung studiert. In ihrer Werkstatt stehen zwei Ambosse. Hammer, Zangen, Schraubzwingen und Schutzbrille auf der Werkbank deuten darauf hin, dass hier regelmäßig gearbeitet wird. Kaenders gibt auch Schmiedekurse - für Touristen zum Beispiel, die im Urlaub mal handwerklich kreativ werden wollen.

 

Teterow: Das alte Bahnhofsgebäude wird nicht mehr gebraucht. Im vergangenen Jahr ist hier die Kunst eingezogen. Regelmäßig gibt es Ausstellungen - direkt neben den Gleisen. Zu sehen sind nicht nur Arbeiten von Künstlern aus der Region, aber auch: von

Malte Brekenfeld zum Beispiel, selbst in Teterow geboren, aber auf der ganzen Welt rumgekommen. Der Maler treibt es bunt und manchmal maritim. Seine Motive findet er aber nicht nur im Hinterland der Ostseeküste. Auf Werken wie der "Seekarte Karibik" sind Hammerhaie und Pelikane zu sehen.

 

 

Neubrandenburg: Vielleicht nicht wirklich ein Geheimtipp, aber unbedingt zu empfehlen ist die

Kunstsammlung in der Großen Wollweberstraße. "Wir sind ein relativ neues Museum - von 1982", sagt Merete Cobarg, die Leiterin. Eine Kunstsammlung gab es zwar schon ab 1920 im Herzoglichen Palais am Marktplatz. Aber am Ende des Zweiten Weltkriegs ging sie verschollen. Inzwischen ist die neue Kunstsammlung auf rund 7000 Werke angewachsen, mit einem Fokus auf der Zeit ab 1950.

 

 

Plüschow: Das

Mecklenburgische Künstlerhaus Schloss Plüschow hat inzwischen Weltruf - im Ernst: Das dreigeschossige Backsteinhaus beherbergt sechs Gastateliers, in dem bereits junge Künstler aus aller Welt gearbeitet haben. Jeweils ein Vierteljahr bleiben die Stipendiaten. Hinter dem Haus liegt der riesige Garten, ein grünes Meer der Stille mit blühendem Flieder, Pusteblumen und Löwenzahn auf den Wiesen. Allerdings ist immer mal wieder das Kreischen der Motorsäge von Didier Rousseau zu hören. Der Franzose mit der roten Latzhose hat gerade aus einem Stück Stamm überdimensionale Erlensamen gesägt: Ein Franzose aus der Champagne, der in der Pampa genau die Arbeitsbedingungen gefunden hat, die er braucht. Das gibt es in New York, Paris oder Basel eben nicht.

 

 

Weitere Informationen: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Platz der Freundschaft 1, 18059 Rostock, Tel.: 0381/403 05 50, E-Mail: info@auf-nach-mv.de

dpa


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