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Tourismus

Apfelernte im Alten Land - Besuch der Elbdeicher Obstplantagen

Apfelbäume, so weit das Auge reicht. Das Alte Land vor den Toren Hamburgs ist bekannt für das beliebteste Obst der Deutschen. Für die Obstbauern beginnt mit der Ernte ab September die Hauptsaison, bis nach Sibirien werden die Äpfel inzwischen verkauft.
Obstbauer Volker Schönn baut die Apfelsorte Rubens an.

Obstbauer Volker Schönn baut die Apfelsorte Rubens an.

© Claudius Lüder

Jork. "Das wird eine gute Ernte!" Zufrieden begutachtet Apfelbauer Volker Schönn die Bäume auf seiner Plantage in Steinkirchen im

Alten Land. Rubens heißt seine Spezialsorte, ein saftiger und süßer Apfel, der aus einer Kreuzung von Gala und Elstar entstanden ist. "Wer den einmal gegessen hat, will keinen anderen mehr", sagt Schönn. Er ist einer von rund 450 Erzeugern, die in der Region vor den Toren Hamburgs Obst anbauen.

 

Im größten geschlossenen Obstanbaugebiet Europas leben knapp 200 000 Einwohner, die meisten in

Stade und Buxtehude. Als heimliche Hauptstadt des Alten Lands gilt Jork, wo die meisten Apfelbauern ihre Höfe haben. Rund 300 000 Tonnen Äpfel ernten sie jedes Jahr, hinzu kommen Birnen, Kirschen, Pflaumen, Himbeeren und Erdbeeren.

 

Zahlreiche Radwege schlängeln sich durch die Baumreihen, malerische Ecken wie die strahlend weiße Hogendiekbrücke in Steinkirchen liefern postkartenreife Motive. Durchzogen sind die Apfelplantagen von einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, das auf die Zeit vor rund 600 Jahren zurückgeht, als die Holländer das Gebiet trockenlegten. Alle 16 Meter verlaufen Wettern genannte Gräben.

"Wasser speichert Wärme, daher ließ man früher die Wettern vor dem Frost volllaufen und sorgte so für höhere Temperaturen in den Plantagen", erläutert Obstbauer Axel Schuback aus Jork. Die Kanäle, Seitenarme und Flüsse dienten früher als Transportwege. "Kleinere historische Häfen wie jener in Borstel an der Mühle waren damals die Hauptumschlagplätze für Waren", erläutert Jens Anderson von Elbe-Obst.

Die Erzeugerorganisation vermarktet einen Großteil des Obstes und lagert die Äpfel in acht über das Alte Land verteilten Sauerstoffkammern nach der Ernte ein. Dort werden die Äpfel über Monate frisch gehalten und über das ganze Jahr hinweg an den Einzelhandel verschickt. Rund 15 Prozent gehen ins Ausland. "Unser Red Prince wird bis nach Sibirien verkauft", sagt Anderson.

Die Zahl der Sorten geht in die Hunderte, vor allem Elstar und Jonagold stehen ganz oben auf der Liste der meistangebauten Äpfel. "Diese beiden Sorten machen rund zwei Drittel unserer Ernte aus, insgesamt stellen zwölf Hauptsorten etwa 90 Prozent der Menge", erläutert Anderson. Das besondere Markenzeichen der Äpfel aus dem Alten Land ist ihr sattes Rot.

Besuchern bietet das Alte Land die Äpfel in nahezu allen erdenklichen Variationen: Apfelschnaps, Marmelade und andere haltbare Apfelerzeugnisse gibt es das ganze Jahr über. Spätestens wenn die Erntezeit beginnt, stehen Apfelkuchen, Apfelaufläufe, deftige Apfelpfannen oder Apfel-Cordon-Bleu auf vielen Speisekarten regionaler Restaurants und Cafés. Daneben werden in den Hofläden Apfelchips, Apfelgummibärchen und frischer Apfelsaft angeboten.

Wem das noch nicht reicht, der kann beispielsweise bei Axel Schuback eine Baumpatenschaft übernehmen: Gegen einen Festpreis pro Jahr garantiert Schuback den Paten mindestens 20 Kilo Äpfel, die im September und Oktober abgeerntet werden können. Die Idee sei ihm gekommen, weil viele Kunden nach einem eigenen Baum fragten. Inzwischen hängt an über 1500 Apfelbäumen das Schild eines Paten. "Wir haben sogar einen Baumpaten in Australien, der kommt jedes Jahr zum Pflücken nach Jork", erzählt Schuback. Zwischendurch könnten die Paten via Webcam das Wachstum ihres Baums im Internet verfolgen.

dpa


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