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Verkehr

Zeit ist im Fernbus relativ

Der Stau als größter Feind des Fernbus-Passagiers? Sollte man meinen. Und so streiten die Verbände, wie pünktlich die Bahn-Konkurrenz eigentlich ist. Den Kunden ist aber etwas anderes noch wichtiger.
Viele Buskunden legen Wert auf Zuverlässigkeit. Noch wichtiger ist allerdings der Preis.

Viele Buskunden legen Wert auf Zuverlässigkeit. Noch wichtiger ist allerdings der Preis.

© Daniel Bockwoldt

Berlin. Sechseinhalb Stunden von Hamburg nach Köln, mehr als zwei von Nürnberg nach München - es kann aber auch deutlich mehr werden. Genau weiß man es vorher nicht. Wer sich in einen Fernbus setzt, braucht Zeit. Auf wichtigen Strecken kommt jeder zweite zu spät - ergab zumindest eine Stichprobe des

Verkehrsclubs Deutschland. Meistens wegen Staus oder weil der Bus schon verspätet losfuhr. Die Fahrpläne der Busanbieter müssten realistischer werden, fordert VCD-Präsident Michael Ziesack. Aber er erntet Kopfschütteln bei den Busunternehmern.

 

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub hatte Testfahrer in die Busse gesetzt, die eigentlich ganz gute Noten verteilten. Etwa zum Personal: Vier von fünf Busfahrern bekommen eine Eins oder eine Zwei. Ähnlich die Ausstattung der Fahrzeuge, die meist neu sind und WLAN haben. Auch die Bahnhöfe schneiden noch ordentlich ab. "Die Kunden sind mit den großen zufrieden, in vielen Mittelstädten muss aber nachgebessert werden", meint Ziesack.

Allein die Pünktlichkeit ließ demnach deutlich zu wünschen übrig. 52 Prozent der Busse kamen mindestens sechs Minuten nach der geplanten Zeit an - ab diesen Zeitpunkt spricht auch die Bahn von Verspätung. Der Bundeskonzern sorgte erst kürzlich für Aufsehen mit seinen Verspätungen. Nur einmal gelang es der Bahn in den vergangenen fünf Jahren, mehr als 80 Prozent ihrer Fernzüge pünktlich ans Ziel zu bringen. Die Tendenz weist eher nach unten.

Doch 80 Prozent schafften auch die Fernbusse, widerspricht der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer dem Verkehrsclub. Der Branchenverband bezweifelt, dass die VCD-Testfahrer mit ihren 229 Fahrten auf Hauptstrecken repräsentative Zahlen einholen konnten.

"Wer bestimmte Verbindungen gezielt heraussucht, wird kein objektives Ergebnis bekommen", kritisiert Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard. Sie verweist auf die besseren Zahlen der Stiftung Warentest vom Sommer, die die 80 Prozent als "erfreulich gut" bewertete. Aber auch die Warentester waren auf ausgewählten Strecken unterwegs. Sie werteten 360 Fahrten aus. Pro Woche gibt es bundesweit aber rund 7500 Fahrten.

Busfahrgäste nehmen in Kauf, dass sie bei Verspätungen schwächere Rechte haben als bei der Bahn. Die entschädigt schon bei einer Stunde Verspätung, Busanbieter erst ab zwei Stunden. Derart lange Verspätungen sind aber selten. Im Test der Stiftung Warentest kamen drei Prozent der Busse länger als eine halbe Stunde zu spät.

Doch ist den Passagieren das überhaupt wichtig? Nach der Umfrage legen 44 Prozent der Buskunden Wert auf Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit - immerhin mehr als bei der Bahn, wo 28 Prozent darauf zählen.

Beim Fernbus dominiert der Preis alles andere: Drei Viertel der Befragten wählen deshalb den Bus. Durchschnittlich 5,84 Euro von München nach Nürnberg oder 16,66 Euro von Hamburg nach Köln - da kann die Bahn nicht mithalten. Neun Millionen Menschen stiegen deshalb 2013 in einen Fernbus, in diesem Jahr könnten es doppelt so viele sein, erwartet die Branche.

Die Bahn, mit deren Fernzügen im vergangenen Jahr noch 131 Millionen Passagiere fuhren, hat reagiert. Sie verzichtet auf Preiserhöhungen in der zweiten Klasse, arbeitet an kostenlosem WLAN in den Zügen und experimentiert zwischen Hamburg und Berlin mit Interregio-Express-Zügen. Hin und zurück geht es für nur 30 Euro - dann aber auch ebenso gemächlich wie im Bus.

dpa


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