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Tourismus

Wo der Nil zusammenfließt: Sudans Hauptstadt Khartoum

Der Sudan hat einen schlechten Ruf. Trotzdem fahren Reiseveranstalter Touristen durch das Wüstenland. Startpunkt ist meist die Hauptstadt Khartoum, wo der Weiße und der Blaue Nil zusammenfließen.
Omar el Taib verkauft auf dem Markt von Omdurman Kunsthandwerk.

Omar el Taib verkauft auf dem Markt von Omdurman Kunsthandwerk.

© Philipp Laage

Khartoum. Die Metropole widerlegt ein gängiges Vorurteil.

Khartoum, das klingt nach Kamelen und Pick-Up-Trucks mit aufgeschraubten Maschinengewehren. Nach Karawanen und Camouflage. Khartoum ist die Hauptstadt des Sudans - das Land ist zuletzt im Westen vor allem durch den Darfur-Konflikt in die Schlagzeilen gekommen. Die alte Handelsenklave, die heute mit Geldern aus dem Ölgeschäft langsam modernisiert wird, ist aber keineswegs eine zwielichtige Schurkenstadt. Khartoum gilt als die

sicherste MetropoleAfrikas.

 

Ob Khartoum sehenswert ist, bleibt eine müßige Frage. Die wenigen Touristen starten ihre Reise ohnehin in dieser Stadt, in der sich der Weiße und der Blaue Nil vereinigen. Von der kleinen Tuti-Insel kann man mit einem Boot direkt zum Zusammenfluss der beiden Ströme herausfahren. Das macht Sinn, denn oben auf der Brücke ist das Fotografieren verboten. Polizisten weisen im Zweifel darauf hin.

Ansonsten kann sich der Reisende in Khartoum frei bewegen. Mit einem Amjad, einem Minibus, geht es morgens über eine der Stahlbrücken herüber nach Omdurman, in die Zwillingsstadt Khartoums. Berühmtheit erlangte sie durch den Mahdi-Aufstand. Die über Jahre andauernde Rebellion gegen die britisch-ägyptischen Besatzer wurde 1898 in der Schlacht von Omdurman endgültig niedergeschlagen. "Der beachtlichste Sieg, der je durch die Waffen der Wissenschaft über Barbaren errungen wurde", schrieb Leutnant Winston Churchill in "The River War". Er sollte 38 Jahre später englischer Premierminister werden.

Ein sehenswertes Spektakel in Omdurman ist heute der ausgedehnte Souk, der größte Markt des Landes. Verschleierte Frauen in bunten Gewändern streifen durch enge Gassen, vorbei an Nähern und Goldschmieden, überholt von Eselskarren und Motorrädern. Im Geschäft von Omar el Taib gibt es Kunsthandwerk. Im Regal stehen geschnitzte Krokodile, Löwen, Elefanten, kultische Darstellungen von Menschen. Ist die Figur dort drüben etwa aus Elfenbein? "Aus Kamelknochen", versichert Omar. Der Markt von Omdurman versprüht den romantischen Flair eines vormodernen Orients.

In Khartoum ist das Straßenbild am Abend geprägt von Männern, die entlang der staubigen Straßen Plastikstühle zusammenstellen, Tee trinken und palavern. Es ist ein ruhiges Treiben in dieser friedlichen Stadt. Kleine Schurken gibt es kaum. Nur die großen Schurken haben ihre Spuren hinterlassen: Das segelförmige 5-Sterne-Hotel in Downtown wurde von der alten libyschen Regierung gebaut und wird darum "Gaddafis Ei" genannt. Und in der Al-Mashtal-Straße im Stadtteil Al-Riyadh steht das verlassene Haus Osama bin Ladens, der dort bis 1996 lebte, bevor er Amerika endgültig den Krieg erklärte.

dpa


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