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Tourismus

Wo "Sisi" einst schlief: Touristenmagnet Schloss Schönbrunn

Das Gemäuer atmet europäische Geschichte. So empfing Kaiserin Maria Theresia hier einst den Musikstar Mozart. Heute lockt die frühere Habsburger-Residenz Schloss Schönbrunn in Wien Millionen Besucher an.
Franz Sattlecker vor dem Kronprinzengarten auf der Ostseite von Schloss Schönbrunn: Einst wohnte hier «Sisi» - heute zieht das Wiener Schloss Millionen Touristen an. Foto: Alkimos Sartoros

Franz Sattlecker vor dem Kronprinzengarten auf der Ostseite von Schloss Schönbrunn: Einst wohnte hier «Sisi» - heute zieht das Wiener Schloss Millionen Touristen an. Foto: Alkimos Sartoros

Wien. Das Wort "Schlossherr" mag Franz Sattlecker nicht sonderlich. "Schlossdiener wäre eine angemessenere Bezeichnung", sagt der 60-Jährige. Er arbeitet da, von wo einst die Habsburger ihr großes Reich regierten.

Schloss Schönbrunn in Wien ist Teil der österreichischen Geschichte, die meistbesuchte Touristenattraktion der Alpenrepublik. Für Sattlecker ist der Prachtbau, der zusammen mit dem Park seit 1996 zum Unesco-Kulturerbe gehört, vor allem eine wirtschaftliche Herausforderung.

 

Hier empfing einst Kaiserin Maria Theresia Wolfgang Amadeus Mozart zum Vorspielen. Kaiser Franz Joseph I. und seine Frau Elisabeth ("Sisi") teilten in dem Gemäuer - wenn auch selten - Tisch und Bett. Heute ist die Residenz mit ihren rund 1400 Zimmern auch die Adresse einfacher Bürger. Etwa 150 Mietwohnungen gibt es, einige davon über den Prunksälen im Hauptgebäude. Andere liegen in den früheren Dienstbotengebäuden. Rund drei Millionen Besucher schlendern jährlich durch Schloss und Park.

Als Sattlecker 1992 seinen Job als Geschäftsführer der Kultur- und Betriebsgesellschaft Schönbrunn antrat, befand sich das gesamte Areal in einem "katastrophalen Zustand", wie er sagt. Das mehr als 200 Jahre alte Gemäuer musste dringend saniert werden.

Etwas mehr als eine Million Besucher jährlich verzeichnete das Haus damals. "Schönbrunn darf kein österreichisches Disney-Land werden", verkündete Sattlecker bei seinem Amtsantritt. Doch die Anlage sollte für Besucher wieder so attraktiv gemacht werden, dass sie sich selbst ohne staatliche Subventionen finanzieren konnte.

Heute, gut 20 Jahre später, wird Sattlecker bescheinigt, das einstige Prunkschloss vor dem Verfall bewahrt und zu einer florierenden Touristenattraktion gemacht zu haben. Gut zwei Millionen Besucher schritten im vergangenen Jahr durch das Herrschaftshaus, weitere 800 000 spazierten durch die Parkanlage. Allein 150 Touristenbusse steuern die Residenz jeden Tag an.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Schloss vor Steuern einen Überschuss von rund 6,6 Millionen Euro. Der Gewinn der gesamten Betriebsgesellschaft, die unter anderem noch das "Sisi"-Museum in der Wiener Hofburg betreibt, lag bei 7,6 Millionen Euro - bei einem Jahresumsatz von 43,2 Millionen Euro. Für die Erhaltung der historischen Bausubstanz investierte die Gesellschaft in den vergangenen 20 Jahren etwa 167 Millionen Euro.

"Wir haben uns von der Wirtschaftsuniversität Wien ein strategisches Konzept erarbeiten lassen und dieses konsequent umgesetzt", sagt Sattlecker. Dazu gehörten unter anderem höhere Eintrittspreise und massives Marketing. Vor allem sei das Personal genau ausgesucht und geschult worden, sagt er. Um der Besucherströme Herr zu werden, arbeiten dort täglich etwa 200 Menschen: als Besucherbetreuer, als Führer oder an den Drehkreuzen am Einlass.

"Schönbrunn hat eine großartige Entwicklung hingelegt", sagt Ulrike Rauch-Keschmann vom österreichischen Tourismusverband. Der Vorsprung bei den Besucherzahlen auf die nächstplatzierten Sehenswürdigkeiten der Alpenrepublik - etwa die Basilika im Wallfahrtsort Mariazell - sei kontinuierlich angewachsen. "In den vergangenen Jahren wurde das Schloss Schönbrunn erfolgreich in die Moderne geführt", sagt sie.

Einer der zeitgenössischen Bewohner des Schlosses ist Robert Tidmarsh. Der 63-Jährige arbeitet seit 1974 in der Anlage, unter anderem als Museumsführer. Seit 1982 wohnt er in einer Vier-Zimmer-Wohnung im ehemaligen Dienstbotengebäude mit seinen niedrigeren Decken. "Schönbrunn ist mein Leben", sagt der Austro-Brite. Sich selbst bezeichnet Tidmarsh als Monarchisten - "eine ganz normale Regierungsform wie jede andere".

Für ihn ist das Flair auf der Anlage einmalig. "Wenn man nach der Sperrstunde im Park spazieren geht, fühlt man sich, als würde einem der Garten gehören", erzählt er. Von den vielen Touristen bekomme man als Anwohner kaum etwas mit.

Doch die Arbeit in der geschichtsträchtigen Prunkkulisse, zwischen kunstvoll holzvertäfeltem "Millionenzimmer" und üppig vergoldetem "Zeremoniensaal", braucht für manche auch ein Kontrastprogramm. "Nur Barock tut nicht gut", sagt Sattlecker. Sein Büro hat der drahtige Manager in einem Seitentrakt des Schlosses untergebracht. Statt Gold und Marmor dominieren hier schlichte Brauntöne. "In meiner Freizeit gehe ich am liebsten ins Museum für moderne Kunst oder schaue mir moderne Fotoausstellungen an", berichtet der Betriebswirt, dessen Lieblingsstadt - neben Wien - Berlin ist.

"Wir versuchen, vom Tourismus unabhängiger zu werden", sagt Sattlecker. Deswegen sei ein Tagungszentrum gebaut worden. Die Einnahmen seien jedoch verhältnismäßig gering. "Schönbrunn - das ist einfach Kulturtourismus pur."

dpa


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