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Tourismus

Wechselkurs-Turbulenzen: Starker Dollar verteuert USA-Reise

Die Freude jenseits des Atlantiks war groß: 1,97 Millionen Besucher aus Deutschland sind im vergangenen Jahr in die USA gereist, meldete das Visit USA Committee (VUSA) kürzlich.
Niemals nach New York? USA-Urlaub ist wegen des starken Dollars derzeit teuer.

Niemals nach New York? USA-Urlaub ist wegen des starken Dollars derzeit teuer.

© Hilke Segbers

Berlin. Das waren 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch die Euphorie dürfte bald gedämpft werden.

Durch den starken US-Dollar ist ein Urlaub in den Vereinigten Staaten so teuer wie schon lange nicht mehr. Der Wechselkurs könnte vielen Deutschen die Reiselust auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten verderben.

Im Moment bekommt man für einen Euro rund 1,06 Dollar. Zuletzt war der Eurokurs sogar auf ein Zwölf-Jahres-Tief gefallen. Zum Vergleich: Vor einem Jahr zahlten Banken und Wechselstuben für jeden Euro noch mehr als 1,35 Dollar aus. Urlauber können sich in den USA nun also weniger leisten, ihre Kaufkraft ist gesunken. Hintergrund für diese Entwicklung ist die Finanzpolitik: Die US-Notenbank hat ihre Anleihenkäufe gestoppt, während die Europäische Zentralbank (EZB) gerade erst damit begonnen hat. Das stärkt den Dollar und schwächt den Euro, der Wechselkurs ändert sich entsprechend.

Der Tourismus ist direkt betroffen. Reisende bekommen das schnell zu spüren: Ausflüge werden teurer, aber auch der Burger, das Bier und alles, was man sonst unterwegs konsumiert und kauft. "Der Urlauber rechnet nach und überlegt natürlich schon, ob sich eine Reise noch lohnt", sagt Prof. Torsten Kirstges von der Jade Hochschule Wilhelmshaven. Nach der Erfahrung des Tourismusforschers ändert sich das Buchungsverhalten ab einem Preisanstieg von zehn Prozent. Der Wechselkurs von Dollar zu Euro hat einen deutlich größeren Sprung gemacht. Also lieber nicht nach New York oder Kalifornien fliegen?

So einfach ist es nicht. Die Reisepreise steigen nicht sofort, wenn sich der Wechselkurs ändert. Denn die großen Reiseveranstalter sichern ihre Dollar-Einkäufe mit Devisen-Terminengeschäften ab, wie Kirstges erklärt. Was heißt das? "Wenn ein Veranstalter im Sommer 100 000 Dollar braucht, bekommt er das Geld zu einem vorher vereinbarten Kurs", erklärt der Experte. Dieser Kurs ist im Optimalfall günstiger als der aktuelle Kurs. Thomas Cook etwa hat laut dem Branchenmagazin "fvw" Währungen und Kerosin für den Sommer 2015 zu rund 70 Prozent abgesichert.

Diese Praxis bestätigt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) und wirbt aufgrund des Preisvorteils für eine Pauschalreise, bei der Flüge, Hotels und Mietwagen inbegriffen sind: "Die derzeit gültigen Reisepreise für Fernreisen, die lange im Voraus auf Basis eines günstigeren Dollar-Euro-Verhältnisses kalkuliert wurden, sind definitiv preiswerter als eine selbst organisierte Reise." Mit dem Pauschalpaket können Urlauber den Dollarschock in diesem Sommer abfedern - die Nebenkosten vor Ort sind aber trotzdem höher.

Offen ist, wie sich die Preise für Reisen in die USA und andere stark vom Dollar abhängige Länder im Winter 2015/16 entwickeln. "Bei den Katalogvorstellungen für den kommenden Winter werden wir zum ersten Mal sehen, ob es eine Veränderung bei den Preisen geben wird", sagt Zeuch. Ein großer Veranstalter hat immerhin eine große Marktmacht: "Er kauft in größeren Mengen ein und hat dadurch eine ganz andere Verhandlungsposition als ein einzelner Reisender." Er kann mit lokalen Leistungspartnern also eher günstige Preise aushandeln.

Der starke Dollar dürfte aber langfristig nicht ohne Folgen bleiben. "Es sieht so aus, als könnte das eine Situation sein, die länger anhält", sagt Christopher Thompson von der Marketingagentur Brand USA. "Wenn unsere Währung sehr stark ist, ändern die Urlauber ihre Reisepläne." Er hofft zwar, dass die Einbrüche der Gästezahlen "minimal" bleiben. Aber die Reisenden verreisen womöglich kürzer.

"Der Urlauber guckt nicht nur auf den Wechselkurs", schränkt jedoch Torsten Kirstges ein. "Da spielen viele Faktoren eine Rolle." Und die USA sind als Reiseland kaum durch ein anderes Ziel zu ersetzen - dafür sind sie zu einzigartig. Außerdem ist der Sprit in den USA gerade sehr günstig, was das Reisebudget wiederum entlastet. Die Rechnung ist also nicht so einfach.

Der starke Dollar hat grundsätzlich auch Auswirkungen auf andere Länder, deren Währungen stark vom Dollar abhängen, etwa in der Karibik und Lateinamerika. Erste Veranstalter haben Preiserhöhungen angekündigt. Generell hat die Währung eines Landes einen deutlichen Einfluss auf die touristische Nachfrage. Im Moment gilt das besonders für zwei Länder in Europa, in denen nicht mit Euro gezahlt wird.

Auf der einen Seite steht die Schweiz, die an einem teuren Franken leidet: Der Urlaub bei den Eidgenossen ist nach der Freigabe des Wechselkurses noch einmal teurer geworden. Spätestens in diesem Sommer werde man das bei den Buchungen aus Deutschland merken, glaubt Jörg Peter Krebs von Schweiz Tourismus. "Wir kämpfen um jeden Kunden an allen Fronten", sagte der Touristiker kürzlich auf der ITB.

Auf der anderen Seite steht Norwegen, dessen Währung vom zurzeit günstigen Ölpreis beeinflusst wird. Die Norwegische Krone hat im Verhältnis zum Euro zuletzt kräftig an Wert verloren. Im vergangenen Dezember kamen 19 Prozent mehr Gäste aus Deutschland in das skandinavische Land - die Tourismusvermarkter von Visit Norway führen das auch auf den günstigen Wechselkurs zurück.

Wie sich das Kursverhältnis zwischen Dollar und Euro entwickelt, ist offen. Die EZB hat jedoch gerade erst begonnen, mit Anleihenkäufen den Kurs des Euro zu drücken. Und die US-Notenbank wird wohl die Zinsen erhöhen. Reisende müssen erst einmal davon ausgehen, dass der Dollar stark bleibt - und USA-Urlaub teuer.

dpa


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