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Tourismus

Was die Maschen halten: Volkssport Stricken auf den Färöer

Mitten im Nordatlantik, auf halbem Weg zwischen Schottland und Island, herrschen die Nadeln: Auf den Färöer Inseln wird gestrickt, was die Maschen halten. Sogar zum Fernsehstar hat es ein färöischer Wollpullover schon geschafft.
Die «Føroysk Bindingarmynstur» ist so etwas wie die Strickbibel der Färinger.

Die «Føroysk Bindingarmynstur» ist so etwas wie die Strickbibel der Färinger.

© Lea Sibbel

Tórshavn. Kaum haben sich die zwei älteren Frauen hingesetzt, ziehen sie Nadeln und Garn aus ihren Taschen. Während der Bus sich um die engen Kurven windet - rechts grüne schroffe Hügel, links der Nordatlantik - stricken sie Pullover. Die Damen sind unterwegs nach Tórshavn, der Hauptstadt der Färöer Inseln - und eigentlich auch der Hauptstadt des Strickens. Denn dort gibt es die wenigen Designer-Geschäfte mit echt färöischer Strickware.

Der Laden von

Gudrun & Gudrun ist auf den ersten Blick unscheinbar: ein kleines weißes Holzhaus auf der Einkaufstraße Niels Finsens gøta. Wer nicht genauer hinsieht, läuft am bekanntesten Design-Duo der Inseln schnell vorbei. Ihre Mode hat da schon für mehr Aufsehen gesorgt. Ein beigefarbener Wollpulli mit Sternenmuster Marke Gudrun & Gudrun hat quasi eine filmreife Karriere hingelegt: Er war das Lieblingskleidungsstück von Fernsehkommissarin Sarah Lund. "Es war einfach nur Glück, dass wir in "Das Verbrechen" gelandet sind", sagt Gudrun Rógvadóttir. Eine Stylistin des Dänischen Rundfunks fand einige ihrer Kleidungsstücke, Hauptdarstellerin Sofie Gråbøl wählte den Sternenpullover aus.

 

Seitdem haben deutlich mehr Menschen die färöische Strickmode für sich entdeckt. Dabei hätten sie eigentlich schon viele Jahre und Jahrzehnte Zeit dafür gehabt. Denn das Stricken ist in Geschichte und Kultur der Inseln verwurzelt. "Die traditionellen Muster haben ihren Ursprung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts", erzählt Árni Brattaberg, der das Modelabel Sirri mitbegründet hat. Zu dieser Zeit waren Pullover für Fischer das am meisten exportierte Produkt der Inseln, sagt Brattaberg. Die Muster verdankten ihre Existenz einem rein pragmatischen Grund: "Die Pullover wurden so wärmer."

Dafür mussten die Maschen sehr eng sein. "Das macht die Qualität aus, das ist typisch Färöer", sagt Súsan i Jákupsstovu. Auf dem Arbeitstisch der Textilkünstlerin liegt die "Føroysk Bindingarmynstur", quasi die Strickbibel der Färinger. Hier sind die traditionellen Muster und Farbkombinationen aufgelistet. Früher hatten die Männer eher blaue Kombis an, die Frauen rote, Fischer schwarze oder graue. Heute experimentieren die Färinger mit Mustern, Farben und Formen und tragen das traditionelle Trachtenoberteil sogar zu Shorts, sagt Jákupsstovu.

Die ursprünglichen, dichten Muster haben zwar moderne Konkurrenz bekommen - es gibt sie aber noch:

Sirri zum Beispiel produziert Pullover, Cardigans oder Jacken mit heimischer Wolle, die eher roh ist und deshalb warm hält und gegen den Regen schützt - "und es regnet viel", sagt Brattaberg. Gudrun & Gudrun stricken hingegen mit dicken Nadeln, ganz leicht, erklärt Jákupsstovu. "Das ist jetzt modern."

 

Ob grob- oder feinmaschig, rot, blau oder schwarz - die färöische Strickmode ist auch dank der Fernsehkommissarin mittlerweile über die Grenzen der Inseln bekannt. Den Färingern kann es eigentlich auch egal sein, sie stricken einfach weiter. Wie Susan i Jákupsstovu: "Ich stricke immer, wenn ich nichts anderes mache."

dpa


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