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Tourismus

Viel Licht und etwas Schatten im griechischen Tourismus

Der wichtigste griechische Wirtschaftsbereich, der Tourismus, boomt. Erwartet wird ein neuer Gästerekord in diesem Jahr. Aber es gibt auch Schattenseiten des Booms.
Touristen strömen nach Griechenland. Sie profitieren von den vielerorts günstigen Preisen.

Touristen strömen nach Griechenland. Sie profitieren von den vielerorts günstigen Preisen.

© Maurizio Gambarini

Athen. Altgediente Hoteliers sind sich einig: Noch nie hat es einen solchen Touristenstrom nach Griechenland gegeben. Regierungschef Antonis Samaras ist begeistert. Die Rekordmarke von 20 Millionen Besuchern soll bis zum Jahresende erreicht werden, sagte er kürzlich. Fast jeder dritte Grieche ist direkt oder indirekt mit dem Tourismus verbunden. Ist das Hotel voll, profitieren auch die Taverne und die Bar nebenan davon, ebenso wie Lieferanten und die Landwirtschaft. Für die griechische Wirtschaft, die seit mehreren Jahren in einer schweren Krise steckt, ist der Boom ein Hoffnungsschimmer.

Die Preise sind im Vergleich zum Jahr 2009 um bis zu 30 Prozent gesunken. In Athen, wo man noch vor wenigen Jahren kein vernünftiges Zimmer unter 70 Euro pro Nacht fand, zahlt man heute 40 Euro. Auf der Halbinsel Peloponnes und den weniger bekannten Inseln gibt es Zimmer mit Blick auf's Meer für 30 Euro.

Doch nicht überall ist es billiger geworden, vor allem nicht auf der Jet-Set-Insel Mykonos. Dort setzt man vor allem auf Reiche und alle, die dazu gehören wollen. Insgesamt 2,5 Millionen Euro kassierte beispielsweise eine Bar von ihren Gästen an einem Abend, für sie den spanischen Sänger Julio Iglesias verpflichtet hatte. Reiche Araber, türkische Großunternehmer, Fußballspieler von Weltmeisterklasse und Stars und Sternchen des Showbusiness sind dieses Jahr auf Mykonos gesehen worden.

Alles für den Gast heißt das Motto in den Touristenhochburgen von Kreta, Rhodos, Kos und Korfu. "Ein unzufriedener Besucher sorgt für zehn Gäste weniger, wenn er seine schlechten Erfahrungen erzählt. Das haben wir uns hinter die Ohren geschrieben", sagt Christos Pilatakis Hoteldirektor in dem Touristenort Lindos auf Rhodos.

Es sind jedoch nicht allein die Anstrengungen der Griechen, die zum Aufschwung des Tourismus geführt haben. Traditionelle Konkurrenten wie Ägypten verzeichnen deutliche Rückgänge bei den Gästezahlen. Rund 15 Millionen Touristen schwenkten dieses Jahr um auf sicherere Urlaubsziele im Süden Europas, schätzen die griechischen Tourismusbehörden.

Es gibt aber auch Schattenseiten des Booms. Die Gewerkschaft der Tourismusangestellten der Insel Rhodos protestierte jüngst: Viele Hoteliers seien im Rückstand bei der Zahlung der Gehälter - zwischen einem und drei Monate. Dies betreffe rund 12 000 von insgesamt 17 000 Gewerkschaftsmitgliedern auf Rhodos. Die Hoteliers bestreiten dies. Es gebe nur einige, wenige Fälle, heißt es.

"Nicht wenige Hotelbesitzer sagen uns, sie werden uns am Ende der Saison (November) alles zahlen. Zum Glück gibt es das Trinkgeld der Gäste", sagt ein Empfangsangestellter eines Hotels in der Hafenstadt Patras. Ein Unternehmer auf der Insel Ägina bot Zimmermädchen an, im Hotel zu essen und nur noch vom Trinkgeld zu leben. Der Hotelierverband der Insel betont, es handele sich um eine Ausnahme. Auch die Spannungen zwischen der EU und Russland belasten das Tourismusklima in Griechenland. Es gibt bereits Annullierungen nachdem russische Reiseagenturen pleite gingen.

Trotz der Probleme sind die Griechen dieses Jahr - was den Tourismus betrifft - zufrieden. Der Sektor läuft gut und gibt Zehntausenden Menschen Arbeit. "Für uns ist und bleibt der Tourismus der Motor für die griechische Wirtschaft", sagt Hotelier Dimitris Skalidis.

dpa


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