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Tourismus

Trinkverbot auf Magaluf: "Ballermann"-Regeln machen Schule

Kein Schnaps, kein Bier und keine Limonade: Auf Mallorcas Partymeile Magaluf soll in diesem Sommer der Getränkekonsum auf der Straße während der Nachtstunden generell untersagt werden.
Kampfansage an den Sauftourismus: Nach dem «Ballermann» will auf Mallorca nun auch die Partymeile Magaluf ein nächtliches Alkoholverbot einführen.

Kampfansage an den Sauftourismus: Nach dem «Ballermann» will auf Mallorca nun auch die Partymeile Magaluf ein nächtliches Alkoholverbot einführen.

© Julian Stratenschulte

Palma de Mallorca. Das nächtliche Trinkverbot soll dazu beitragen, den "Sündenpfuhl" auf der spanischen Ferieninsel trockenzulegen. Darunter sollen auch nichtalkoholische Getränke fallen.

Die Gemeindeverwaltung will nicht zulassen, dass junge Urlauber Spirituosen in Limonadenflaschen zu ihren nächtlichen Strandpartys mitbringen. Und den Polizisten will man es ersparen, bei ihren Kontrollen überprüfen zu müssen, was für Getränke die Feiernden in ihren Flaschen und Pappbechern haben.

Das Trinkverbot für die Zeit von 22.00 bis 8.00 Uhr ist eine der "Benimmregeln", die die Gemeindeverwaltung von Calvià im Südwesten der Insel zum 1. Mai für die ihr unterstellten Strandgebiete in Kraft setzen will. Dazu gehören neben Magaluf auch Badeorte wie Palmanova oder Santa Ponça. Mit der geplanten "Verordnung für ein zivilisiertes Zusammenleben" ziehen die Verantwortlichen die Konsequenzen aus dem Skandal, den trinkfreudige Urlauber im vorigen Jahr mit Sex- und Saufexzessen ausgelöst hatten.

Die Vergnügungsmeile Punta Ballena in Magaluf, wo sich auf einer Länge von etwa 400 Metern ein Lokal an das andere reiht, hatte schon seit Jahren in einem schlechten Ruf gestanden. Es zieht überwiegend Urlauber aus Großbritannien an und gilt als das britische Gegenstück des - bei vielen Deutschen beliebten - "Ballermann" an der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Palma.

Anwohner hatten sich schon lange darüber beklagt, dass es in den Straßen zuweilen nach Urin und Erbrochenem stank und der Strand nachts zu einem Tummelplatz von Kleinkriminellen und Prostituierten wurde. Ein im Internet verbreitetes Video, das eine junge Irin in einer Kneipe beim Oralsex mit mehreren Männern zeigte, sorgte auf Mallorca für den Skandal des vorigen Sommers.

Um einen weiteren Imageverfall zu verhindern, wollte die Gemeinde in ihre Benimmregeln auch ein Verbot von organisierten Kneipentouren ("Pub Crawling") aufnehmen. Sie musste jedoch feststellen, dass ihr dazu die Befugnisse fehlten. Statt eines Verbots will sie nun eine Serie von Einschränkungen und Auflagen in Kraft setzen, die nach Ansicht der Zeitung "Ultima Hora" diese Sauftouren praktisch unmöglich machen.

"In Magaluf musste einfach etwas geschehen", meinte das Blatt "Majorca Daily Bulletin", gab aber zu bedenken: "Vielleicht ist die Gemeinde zu weit gegangen. Denn nun besteht die Gefahr, dass sie den Besuchern den Spaß nimmt. Magaluf wird jedenfalls nie mehr das sein, was es mal war." Dagegen äußerten die Hoteliers und Souvenirhändler die Befürchtung, dass die Polizei nicht in der Lage sein werde, die Einhaltung der Benimmregeln durchzusetzen. "Es gibt bereits genug Verordnungen, aber die werden nicht eingehalten", beklagte Pepe Tirado, Präsident eines Händlerverbandes, in der Zeitung "Diario de Mallorca".

Die Großgemeinde Calvià nahm sich bei ihrem Vorhaben die Benimmregeln zum Vorbild, die der Stadtrat von Palma de Mallorca im vorigen Jahr für die Strandgebiete der Inselhauptstadt eingeführt hatte, zu denen auch das Gebiet um den Ballermann gehört. Dort waren anfangs ebenfalls Bedenken laut geworden. Vertreter der Touristenbranche äußerten die Befürchtung, dass Feriengäste durch ein Übermaß an Verbotsregelungen abgeschreckt werden könnten. Die Urlauber reagierten jedoch überwiegend mit Verständnis.

Die Stadtverwaltung von Palma zog am Ende des vorigen Sommers eine durchweg positive Bilanz. Hütchenspieler und andere Kleinkriminelle seien weitgehend zurückgedrängt worden, gab der Tourismus-Stadtrat Alvaro Gijón bekannt. Trinkgelage mit Sangría-Eimern würden am Strand um den Ballermann kaum noch abgehalten. Die Einnahmen aus den verhängten Geldbußen hielten sich mit insgesamt 18 000 Euro eher in Grenzen. Allerdings hatten die Verantwortlichen von Anfang an erklärt, dass es ihnen bei den Benimmregeln keineswegs um das Geld gegangen sei.

dpa


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