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Tourismus

Terror in Tunesien: Anschlag trifft Tourismus hart

Eigentlich wollte sich Tunesien als Reiseland gerade neu erfinden. Doch der Terrorangriff auf ein Strandhotel in Sousse trifft das Land hart. Noch im März hatte Tourismusministerin Selma Elloumi Rekik sich für Urlaubsangebote abseits der klassischen Pauschalreise stark gemacht.
Nach den Vorstellungen der tunesischen Tourismusministerin Selma Elloumi Rekik soll das Land mit neuen Angeboten für Touristen punkten. Jetzt wurde mit Sousse ein Zentrum des Pauschalurlaubs vom Terror getroffen.

Nach den Vorstellungen der tunesischen Tourismusministerin Selma Elloumi Rekik soll das Land mit neuen Angeboten für Touristen punkten. Jetzt wurde mit Sousse ein Zentrum des Pauschalurlaubs vom Terror getroffen.

© Philipp Laage

Berlin. t. "All inclusive ist eigentlich nicht sehr gut für den Tourismus", sagte sie auf der Reisemesse ITB in Berlin. Man wolle alternative Konzepte entwickeln, zum Beispiel zum Sahara- und Kulturtourismus.

Dahinter stand die Hoffnung, dem Tourismus im Land einen neuen Schub zu geben. Denn Tunesien hat anders als Ägypten eine kurze Saison. Urlauber kommen vor allem zum Baden im Sommer. Im Frühjahr galt Tunesien noch als eines der wenigen sicheren Reiseländer in der arabischen Welt. Doch damit ist es nun möglicherweise vorbei. Erst Ende März hatten Terroristen in der Hauptstadt Tunis bei einem Angriff auf das berühmte Bardo-Museum mehr als 20 Menschen getötet, darunter viele Kreuzfahrtgäste. Als Reaktion sagten die Reedereien Aida Cruises, MSC und Costa Crociere ihre geplanten Hafenanläufe in Tunesien ab.

Doch Tunis ist eine Stadt vor allem für Kulturreisende, kein Touristenziel aus der ersten Reihe - der neue Anschlag in Sousse trifft den klassischen Badeurlaub und damit den Kern des tunesischen Tourismus. Bei dem angegriffenen Hotel handelt es sich um das "Imperial Marhaba" der Riu-Kette. Es liegt in der kleinen Hafenstadt Port El Kantaoui im Norden von Sousse direkt am Meer - ein Ort der Erholung: Das Fünf-Sterne-Plus-Haus bietet einen 400-Quadratmeter-Pool, Hallenbad und Fitnesscenter sowie ein Thalassotherapiezentrum.

Nach Angaben des tunesischen Regierungschefs Habib Essid ist für den Anschlag ein tunesischer Student verantwortlich, der von der Strandseite aus auf das Hotelgelände vorgedrungen war. Nach Augenzeugenberichten erschoss er zunächst Urlauber am Strand und am Pool und anschließend in der Hotelhalle.

Riu Hotel & Resorts ist eine internationale Hotelkette. Tui betreibt die Kette zusammen mit einer spanischen Familie. "Auch Deutsche unter den Opfern" - diese Botschaft schadet dem Tourismus in einem Reiseland nachhaltig.

Und so reagierten die deutschen Veranstalter prompt: Bei der Tui können alle Gäste, die bereits gebucht haben, bis einschließlich 15. September 2015 gebührenfrei umbuchen oder stornieren, teilte das Unternehmen mit. Für Urlauber, die sich derzeit vor Ort befinden, organisiert die Tui die Abreise. Thomas Cook bietet für alle Tunesien-Reisen mit Abflug bis einschließlich 24. Juli kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an. Die DER Touristik bietet die gleichen Bedingungen für Reisen bis einschließlich 10. Juli.

Auch vor dem jüngsten Anschlag mieden deutsche Urlauber Tunesien bereits spürbar: Für das laufende Jahr verzeichnete das Land zwischen dem 1. Januar und 20. Juni einen Rückgang um 20,9 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2014 kamen noch 425 648 deutsche Besucher. Dieser Wert dürfte in diesem Jahr nicht erreicht werden. Womöglich nähern sich die Besucherzahlen aus Deutschland eher wieder dem Revolutionsjahr 2011 an, als nur 270 632 Deutsche kamen.

Unruhen, Kriege und islamistische Terrorgruppen lassen die Optionen für Urlauber in der arabischen Welt deutlich schrumpfen. Mit zwei Anschlägen binnen weniger Monate dürfte es nun auch Tunesien als Ferienziel nun deutlich schwerer haben. In Marokko gab es bisher noch keine tödlichen Anschläge auf Touristen. Der Karnak-Tempel in Luxor in Ägypten war dagegen erst kürzlich ein Ziel eines Angriffs. Aber in den Badeorten des Landes am Roten Meer ist es bislang friedlich geblieben.

dpa


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