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Tourismus

Großes Angebot für wenig Zeit: Städtereisen boomen

Berlin, London, Paris - die Touristen stürmen die Städte. Ein Wochenendtrip in eine große Metropole ist bei vielen eine beliebte Auszeit vom Alltag, mit allerlei Erlebnispotenzial. Der große Vorteil: Selbst buchen ist heute einfach wie nie.
Frank Götze ist Leiter des Bereichs Kurzreisen bei Dertour.

Frank Götze ist Leiter des Bereichs Kurzreisen bei Dertour.

© Dertour

Berlin. Städte sind im Kommen. Und das gilt nicht nur in Bezug auf Touristen. Laut Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) gab es 2015 insgesamt 31,7 Millionen Kurzurlaubsreisende in Deutschland.

"Da gibt es einen Megatrend zugunsten der Städte, der nicht nur mit Tourismus zu tun hat", sagt Prof. Roland Conrady von der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft anlässlich der

Reisemesse ITB in Berlin (Publikumstage 12. und 13. März).

Wie laufen die Buchungen?

Im Deutschlandtourismus sind Städtereisen der Gewinner, erzählt Sarah Lopau vom Deutschen Tourismusverband (DTV). Für Frank Götze, Leiter des Bereichs Kurzreisen bei Dertour, ist das Städtereisen-Segment sogar "der absolute Burner". Der entsprechende Katalog sei einer der umsatzstärksten Kataloge bei Dertour. Aktuelle Entwicklungen wie die Anschläge in Paris machten die Kunden 2016 etwas zögerlich. Bei Paris und Istanbul überlegten die Urlauber derzeit dreimal, ob sie dieses Jahr dort hinfahren. "Direkt nach den Anschlägen sind die Buchungen zurückgegangen, seit Kurzem merken wir aber, dass die Nachfrage gerade für Paris wieder anzieht."

Ameropa-Reisen verzeichnet ein hohes einstelliges Plus im Städtesegment, sagt Geschäftsführer Kai de Graaff. Trotzdem hat auch das Tochter-Unternehmen der Deutschen Bahn die aktuellen Brennpunkte zu spüren bekommen: Die Anschläge von Paris, die Sperrungen von Brüssel - "das haben wir stark gemerkt".

Warum sind Städtereisen so beliebt?

Generell machen viele Deutsche heute häufiger und kürzer Urlaub, sagt Lopau. Die große Urlaubsreise habe sich verkürzt, statt drei Wochen im Jahr fahren viele eher rund zwei Wochen weg - und haben dann noch mehr Urlaubstage für Kurzreisen übrig. "Und in der Regel sind die Städte gut erreichbar." Dazu kommt die große Angebotsdichte in der Stadt: Frank Götze nennt das Kulturinteresse als Motivation für den Städtetrip. Shopping und Wellness sind weitere Gründe.

Was sind beliebte Destinationen?

Bei Dertour liegt Hamburg auf dem ersten Platz der beliebtesten Städte, danach folgen Berlin, London, München und Barcelona. Ameropa hat einen Deutschland-Fokus bei den Städtereisen. Besonders gut nachgefragt - neben den Metropolen wie Hamburg, Berlin, München, Frankfurt und Köln - sind auch kleinere Städte wie Fulda, Freiburg, Trier, Würzburg, Kassel, Erfurt und Bamberg. Von den Übernachtungszahlen stand 2014 nach einer Analyse des DTV Berlin mit einem Plus von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an der Spitze, gefolgt von München und Hamburg.

Hat sich das Buchungsverhalten geändert?

Zum einen wird heute kurzfristiger gebucht. Das liege auch daran, dass die Menschen nicht mehr so gut weit im Voraus planen können, erklärt Prof. Conrady. Und: "Man hat gelernt, dass man kurzfristige Schnäppchen kriegen kann." Natürlich spiele auch die angespannte Sicherheitslage in das Buchungsverhalten hinein: "Ich warte lieber ab, ob da etwas passieren könnte."

Dank zahlreicher Internetportale ist das Buchen einer Städtereise heute außerdem sehr einfach. Es gibt wenig Hürden, sagt Prof. Conrady. Bei einigen Onlineportalen wird schon passend vorpaketiert: Flug und Hotel lassen sich als Kombi buchen, etwa bei der Reisesuchmaschine Kayak. Von deutschen Urlaubern wird das gut angenommen: "Wenn wir auf unsere anderen Märkte schauen, fällt durchaus auf, dass die Deutschen besonders häufig die "Flug + Hotel"-Suche nutzen", stellt Jan Valentin fest, Geschäftsführer Kayak Europe.

Manchmal steckt aber noch eine andere Motivation als der Preis dahinter, sich Anreise und Unterkunft für den Städtetrip selbst zusammenzusuchen. Denn über das Komplettangebot beim Veranstalter ist es in der Regel nicht möglich, in Privatunterkünften zu übernachten, etwa über Couchsurfing oder Airbnb.

dpa


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