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Tourismus

Gewinner und Verlierer des Sommerreisegeschäfts

Anschläge und politische Krisen in beliebten Urlaubsregionen belasten die Tourismusbranche. Das wichtige Sommergeschäft war in diesem Jahr alles andere als ein Selbstläufer. Doch es gibt auch gute Nachrichten.
Viele Urlauber suchten in diesem Sommer die Iberische Halbinsel als Reiseziel aus. Besonders Spanien, wie hier der Strand La Malvarosa in Valencia, war sehr beliebt. Foto: Kai Försterling

Viele Urlauber suchten in diesem Sommer die Iberische Halbinsel als Reiseziel aus. Besonders Spanien, wie hier der Strand La Malvarosa in Valencia, war sehr beliebt. Foto: Kai Försterling

Frankfurt/Main. Volle Strände an Nord- und Ostsee, leere Hotels in der Türkei: Verunsichert durch Anschläge und politische Krisen haben die Bundesbürger in diesem Sommer manch klassische Urlaubsziele gemieden. Das hinterlässt Spuren in der Bilanz der zu Ende gehenden Sommersaison.

Auf sieben Prozent beziffern die Konsumforscher von der GfK den Rückgang beim Buchungsumsatz in den Reisebüros. Dabei sind die Bundesbürger alles andere als reisemüde. "Insgesamt wird nicht weniger gereist", sagt Dörte Nordbeck von der GfK.

Viele Sonnenhungrige entschieden sich in diesem Sommer für Spanien, Portugal oder Urlaub im eigenen Land statt für die Türkei oder Ägypten. Allen voran Spanien erlebte einen nie da gewesenen Ansturm. Sonne und Strand lockten allein im August nach Angaben der Statistikbehörde INE 10,1 Millionen ausländische Touristen nach Spanien. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres registrierte das Land einen Rekord von 52,5 Millionen Besuchern - gut 10 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei Deutschen steht die Costa del Sol und Co. ohnehin seit Jahren an der Spitze der beliebtesten Urlaubsziele.

Griechenland lag nach Angaben des Branchenverband DRV in diesem Sommer ebenfalls im Trend. Das Geschäft mit der Türkei brach nach Terroranschlägen und dem gescheiterten Putsch hingegen ein.

"Reiseströme verschieben sich insbesondere von Nordafrika und vom östlichen ins westliche Mittelmeer", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, Michael Frenzel jüngst. Das hinterlässt Spuren, zum Beispiel bei Fluggesellschaften: "Airlines klagen über hohe Flugkapazitäten, die mangels Betten nicht voll ausgelastet werden können", erläuterte Frenzel.

Auch Veranstalter merken die Verschiebungen. Zwar konnte Branchenprimus Tui einen herben Buchungseinbruch bei Türkei-Reisen mit Angeboten für andere Ziele im Sommer insgesamt mehr als wettmachen. In Deutschland verkauften die Hannoveraner allerdings zwei Prozent weniger Pauschalreisen als im Vorjahr.

Wettbewerber Thomas Cook mit Marken wie Neckermann Reisen und dem Türkei-Spezialisten Öger Tours bekam die Buchungsflaute für Ziele im östlichen Mittelmeer deutlich zu spüren. Bei dem Veranstalter ging die Zahl der Urlauber im Sommer insgesamt um vier Prozent zurück, in Deutschland sogar um sechs Prozent, wie das Unternehmen Ende September berichtete. Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser hatte bereits im Juli sein Gewinnziel gesenkt.

Vom Trend zum Urlaub zwischen Rostock und Berchtesgaden profitieren die Reiseprofis dagegen vergleichsweise wenig. Zwar stiegen nach DRV-Angaben die Buchungen in den Reisebüros für Trips im eigenen Land. Doch viele Bundesbürger kümmern sich selbst um Ferienhaus oder Hotel und kommen mit dem eigenen Auto.

Ausgerechnet im Ferienmonat August sank allerdings die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland in Deutschland verglichen mit dem Vorjahr um 1 Prozent auf 53,6 Millionen. Welche Rolle dabei die Attentate von Ansbach und Würzburg im Juli spielen, lässt sich derzeit nicht einschätzen. "Insgesamt sind wir weiter auf dem Weg zum siebten Rekordjahr in Folge", ist der Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga zuversichtlich.

Das Sommergeschäft 2016 hat die Reisebranche inzwischen weitgehend abgehakt. "Das Umsatzwachstum, das mit kurzfristigen Urlaubsbuchungen für Abreisen im September und Oktober 2016 erzielt werden konnte, fällt nicht mehr stark ins Gewicht", erklärt die GfK in ihrer monatlichen Auswertung für die Branchenzeitschrift "fvw". Zusammengerechnet bleibe es bei einem Minus von 7 Prozent für das Sommergeschäft.

dpa


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