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Tourismus

Frust und Preissenkungen: Türkei-Tourismus lebt von Hoffnung

Die Türkei und der Tourismus - lange Zeit waren sie perfekte Partner. Dann aber häuften sich die Negativschlagzeilen. Nun bleiben die Urlauber aus, die Hoteliers und Händler leiden. Wie geht es weiter?
Leere Strände, sinkende Preise: Zum Start der Sommerferien-Saison 2016 steckt der Türkei-Tourismus in der Krise.

Leere Strände, sinkende Preise: Zum Start der Sommerferien-Saison 2016 steckt der Türkei-Tourismus in der Krise.

© Mirjam Schmitt

Side. Yilmaz zeigt auf die Uferpromenade: "Letztes Jahr haben sich auf dem Weg so viele Leute gedrängelt, da konnte ich noch nicht mal aufs Wasser gucken. Auch die Restaurants waren voll, aber dieses Jahr sind kaum Touristen da." Der 40-Jährige ist Souvenirhändler im türkischen Side.

In dem Ort östlich von Antalya säumen Liegestühle das Ufer, sie sind nicht alle belegt. Yilmaz verkauft in seinem Geschäft Tassen, Flaschenöffner, Mützen und Getränke. 2015 habe er zwei Mitarbeiter beschäftigt, aber die habe er entlassen müssen. "Ich bin hier schon zu viel", sagt er. Das Geschäft ist leer, nur hin und wieder kommt jemand und kauft ein Wasser. Schuld an der Misere sei die Außenpolitik der türkischen Regierung. "Nach dieser Saison gebe ich meinen Laden auf", sagt Yilmaz.

Der Türkei-Tourismus steckt in einer Krise, das ist in Side nicht zu übersehen. Schlechte Beziehungen mit Russland, Terroranschläge, ein aufbrausender Präsident und Ärger wegen der Armenien-Resolution im Deutschen Bundestag: Das Image des Landes leidet. Und das trifft vor allem Händler und Hoteliers im Urlaubsparadies Antalya.

Die Hoteliers haben reagiert und die Preise gesenkt. Im Vorjahr sei alles ausgebucht gewesen, sagt Ibrahim Civiler, der ein kleines Boutiquehotel betreibt. Dank guter Rankings auf Webseiten habe er noch keine großen Probleme, die Preise habe er aber um 25 Prozent reduzieren müssen. "Hier gibt es kein Sicherheitsrisiko", sagt er. "Aber vor allem die Medien stellen die Türkei als solches dar."

Was Yilmaz und Ibrahim Civiler hautnah erleben, zeigt sich bei den großen deutschen Reiseveranstaltern in Zahlen. Ein zweistelliges Minus für die Türkei verzeichnet DER Touristik. Auch bei Tui lag das Minus im Februar bei 40 Prozent. Beide Veranstalter erkennen aktuell aber einen kleinen Aufholeffekt. "Wir sehen schon, dass die Produkte dort aufgrund ihres hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses jetzt wieder stärker nachgefragt werden", sagt Sebastian Ebel, Vorsitzender der Geschäftsführung von Tui Deutschland. Und auch Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer der DER Touristik Köln, spricht von einem leichten Buchungszugang, den man seit Anfang Mai beobachte. Wie sich der Sommer weiter entwickelt, mag aber kein Veranstalter vorhersagen.

Für die leichte Erholung sind vor allem zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen die Preise: Um Besuchern die Türkei schmackhaft zu machen, wurden sie gesenkt - wie bei Civiler. Oder die Hoteliers böten mehr Leistung für das gleiche Geld, erklärt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV): "Dieser Marktmechanismus funktioniert." Bei den Buchungseingängen lägen einzelne Tage nun sogar über dem Wert des Vorjahres: "Der Rückgang wird weniger." Damit diese Stoßrichtung anhält, drehen die Veranstalter weiter an der Preisschraube. So wird Türkei-Urlaub bei Öger Tours in der Wintersaison um fünf Prozent günstiger. Bei Alltours sinken die Preise um zwei bis fünf Prozent.

Der zweite Faktor hinter dem jüngsten Buchungszugang ist die Lage in anderen Ländern: "Spanien ist dicht, Portugal ist dicht", zählt DRV-Sprecher Schäfer auf. Rund ums Mittelmeer sind die Hotels voll, "da finden Sie jetzt kaum noch etwas." Und nicht jede Familie kann auf ein Fernziel ausweichen. Da wird die Türkei wieder attraktiv.

Insgesamt liegt die Türkei im Vergleich zum Vorjahr noch immer im Minus, sagt Schäfer. Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung beim Veranstalter Thomas Cook, resümiert: "Die Erholung der Türkei dauert länger als erwartet." Solange das Auswärtige Amt mit gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen rechnet, können auch niedrige Preise nur bedingt etwas bewirken. Yilmaz und Civiler müssen weiter ausharren. Aber es gibt Hoffnungsschimmer für sie.

dpa


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