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Tourismus

Flashpacker - Individualisten mit Anspruch

Der klassische Backpacker reist mit Rucksack und wenig Geld. Auf Komfort legt er wenig Wert. Doch längst ist ein neuer Reisetyp entstanden: Der Flashpacker reist unabhängig, aber mit Komfort-Anspruch und dem nötigen Kleingeld.
Florian Blümm reist seit einigen Jahren mehr oder weniger nonstop um die Welt. Für ihn ist es daher wichtig, unterwegs so viel Geld wie möglich zu sparen - anders als bei Flashpackern.

Florian Blümm reist seit einigen Jahren mehr oder weniger nonstop um die Welt. Für ihn ist es daher wichtig, unterwegs so viel Geld wie möglich zu sparen - anders als bei Flashpackern.

© Florian Blümm

Berlin. Anja Knorr liegt in einem schmalen Hochbett in einem Hostel in Uruguay. Die Geräusche nebenan klingen nach Disco, Wasser tropft von der Decke. An Schlaf ist nicht zu denken. In diesem Moment fragt sich die 33-jährige Dauerreisende: Bin ich etwa zu alt zum Backpacken? Sie ist kein Einzelfall. Viele Rucksackreisende haben mittlerweile keine Lust mehr auf zehnstündige Schleichfahrten in schrottreifen Bussen und Nächte in muffigen Gruppenschlafsälen. Man nennt sie Flashpacker. Noch nie von ihnen gehört? Es gibt sieben Merkmale, an denen man diesen neuen Reisetyp erkennen kann.

 

1. Mehr Komfort durch mehr Budget: Flashpacker reisen wie Backpacker mit einem Rucksack - aber sie gönnen sich gewisse Annehmlichkeiten: Inlandsflug statt Bus, Restaurant statt Straßenimbiss, ein hübsches Einzelzimmer statt Schlafsaal. "Wir geben gerne mehr Geld aus, wenn wir das Gefühl haben, dass es sich lohnt", erklärt der Schweizer Reiseblogger Simon Zyrd von

Umdieweltreise.ch.

 

 

2. Laptop statt Löcherhose: Backpacker reisen oft sehr minimalistisch, im Rucksack soll kein Kleidungsstück zu viel sein. Flashpacker Zyrd dagegen nimmt gerne ein zusätzliches Hemd mit. Neu ist auch die technische Ausstattung: "Wir haben ein Smartphone dabei, eine teure Kamera und je nach dem einen Laptop."

 

 

3. Kein Sparen um jeden Preis: Für viele Backpacker gehört es zum Selbstverständnis, für ein Essen oder eine Busfahrt nicht mehr zu bezahlen als ein Einheimischer. Simon Zyrd hat dazu eine klare Meinung: Wenn ein Europäer für mehrere hundert Euro einen Flug nach Asien bucht, um dann dort mit dem Strandverkäufer beim Mangokauf um einige Cents zu feilschen, sei das "egoistisch und saudumm".

 

 

4. Reisen ist kein Wettkampf: Backpacker betonen gerne, dass sie sich außerhalb der normalen Touristenpfade bewegen. Oft gehe es dabei darum, sich gegenseitig zu übertrumpfen, erzählt Dauerreisende Anja Knorr, die auf

Happybackpacker.de von ihren Reisen erzählt. Ein anderer Statusfaktor sei die Frage, wer möglichst lange unterwegs sei. Das sei oft albern. Flashpacker haben eher mehr Geld als Zeit zur Verfügung. Schließlich sind viele von ihnen bereits im Berufsleben angekommen.

 

 

5. Individualität statt Pauschalroute: Flashpacker reisen zwar mit mehr Budget und Komfort, man darf sie aber auf keinen Fall mit Pauschaltouristen verwechseln. "Wir buchen Flüge und Hotels unterwegs, planen von Tag zu Tag, werfen jeden Plan über den Haufen, um einer spontanen Idee zu folgen" - so erklärt Simon Zyrd seine Herangehensweise. In diesem Punkt sind Flashpacker den Backpackern sehr ähnlich.

 

 

6. Kinder der Globalisierung: Das Reisen als Flashpacker funktioniert in vielen Ländern nur, weil sich diese in den vergangenen 20 Jahren extrem modernisiert haben. "Wo früher nur hart gesottene Backpacker reisen konnten, die mit allem zufrieden waren, können heute Menschen mit allen möglichen Ansprüchen reisen", sagt der Langzeitreisende Florian Blümm von

Flocutus.de. Er versteht sich als klassischer "Budget-Packer", der spart, wo er kann, und gibt auf seinem Blog vor allem Tipps für günstiges Reisen.

 

 

7. Komfortzone statt Kulturschock: Mit dem Mehr an Komfort geht zum Teil eine gewisse Authentizität des Reisens verloren. Als Low-Budget-Backpacker lerne man Land und Leute fast zwingend besser kennen, weil man eher in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung treten müsse als mit Tourismus-Dienstleistern, findet Florian Blümm. Außerdem sei das langsame und beschwerliche Reisen nachhaltiger, sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht.

dpa


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