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Tourismus

Etikette fürs Übernachten auf Berghütten

Eine Berghütte ist kein Hotel. Wer in luftiger Höhe übernachten will, muss spezielle Regeln befolgen. Viele gelten seit Jahrzehnten, aber manche haben sich verändert. Der Wanderboom, Handy und Internet beschleunigen den Wandel.
Damit Bergwanderer fit auf den Anstieg des Tages gehen können, gelten auf der Berghütte bestimmte Regeln - vor allem im Schlafsaal.

Damit Bergwanderer fit auf den Anstieg des Tages gehen können, gelten auf der Berghütte bestimmte Regeln - vor allem im Schlafsaal.

© DAV/Thilo Brunner

München. Wenn Hubert Kaufmann die Hütte voll hat, muss er durchgreifen. "Dann müssen wir die Hüttenruhe rigoros durchsetzen", sagt der Wirt der Fiderepass-Hütte im Kleinwalsertal. Kaufmann ist 52 und seit 15 Jahren Hüttenwirt.

Um die 22-Uhr-Nachtruhe gebe es oft Diskussionen, sagt er. "Der eine kommt nur zum Feiern auf die Hütte, der andere will am nächsten Morgen früh auf eine große Tour mit Klettersteig gehen. Die beiden Gruppen passen nicht zusammen."

Also gibt es Regeln für das Übernachten in der Höhe. Sie sind international ähnlich, aber nicht identisch, erklärt Robert Kolbitsch, der beim Deutschen Alpenverein (DAV) für die

Berghütten zuständig ist. Alle stehen in der HÜOTO, der Hüttenordnung des DAV.

So gilt ein striktes Rauchverbot, weil die Feuerwehr bei einem Brand nie schnell genug zur Hütte käme. Daneben darf man sich nur im Hüttenschlafsack ins Matratzenlager legen, seinen Müll muss man wieder ins Tal mitnehmen, und ein Spontankonzert ist nur möglich, wenn der Wirt es erlaubt. Die dreckigen Bergschuhe muss man ausziehen, bevor man in den Schlafsaal geht und stinkende Socken besser auch. Auch Hunde haben im Schlafraum nichts verloren. Manche Wirte bieten aber Schlafplätze für die Tiere.

Grundsätzlich ist das Matratzenlager der sensibelste Ort auf der Hütte. Laute Musik sollte tabu sein, und damit man nicht über die Wanderstöcke des Nachbarn stolpert, ist eine Stirnlampe sinnvoll.

Manche Regeln bestehen seit vielen Jahrzehnten, andere haben sich im Laufe der Zeit geändert. Das Vorrecht der Alpenvereins-Mitglieder zum Beispiel, sei heute nicht mehr umzusetzen, sagt Kolbitsch, dafür sei die Zahl der Wanderer einfach zu groß geworden. Ein Kompromiss ist, dass ein Viertel der Schlafplätze nicht reserviert werden darf.

Unangemeldet kommen aber nur noch wenige Wanderer, sagt Hubert Kaufmann. Per Handy oder Mail reservieren die meisten Gäste vorher. Manche sogar für mehrere Hütten gleichzeitig. Dann schauen sie, wo das Wetter am schönsten ist und lassen die anderen Reservierungen verfallen, oft ohne zu stornieren. "Das ist natürlich sehr ärgerlich", sagt Kaufmann. Deshalb verlangen manche Hüttenwirte nun einen Vorschuss. Ein einheitliches Stornierungssystem, wie es die Wirte fordern, ist aber umstritten, sagt Kolbitsch.

Ein einheitliches Online-Reservierungssystem will der

DAV im kommenden Jahr einführen. Es wurde für den Schweizer Alpen Club (SAC) entwickelt und soll für Wirte wie Gäste einfach zu handhaben sein. "Der Gast sieht sofort, wann wo noch ein Platz im Matratzenlager frei ist und muss nicht alle Hütten abtelefonieren", sagt Kolbitsch. "Und der Wirt muss nicht 200 Mal am Telefon Nein sagen."

All das klingt ein bisschen nach alpinem Massentourismus. Aber wer ein bisschen weiter fährt und sich informiert, findet leicht noch eine ruhige Hütte. "Die Massen konzentrieren sich auf Modeberge und Weitwanderwege", sagt Kolbitsch. Und zu Hotels werden die Hütten auch mit modernem Buchungssystem nicht. Manches bleibt altmodisch. So kann man nur in wenigen Hütten mit Kreditkarte bezahlen. Auf eine längere Tour sollte man also genug Bargeld mitnehmen. Andernfalls muss man sich trotz Reservierung auf dem Hüttenboden ausstrecken. Oder draußen biwakieren. Da hat man auf jeden Fall seine Ruhe.

dpa


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