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Tourismus

Die neue Unsicherheit - Ausblick auf die Reisemesse ITB

Auf der Reisemesse ITB lässt sich mit einem Spaziergang durch die Hallen eine kleine Weltreise machen. Normalerweise bedeutet das: staunen und feiern. Doch in diesem Jahr ist die Euphorie wegen des Terrors gedämpft. Eine neue Unsicherheit greift um sich.
Die Internationalen Tourismus-Börse in Berlin findet vom 9. bis 13. März statt.

Die Internationalen Tourismus-Börse in Berlin findet vom 9. bis 13. März statt.

© Ralf Hirschberger

Berlin. Die Deutschen lieben das Reisen, daran hat sich nichts geändert. Doch spätestens seit den Terroranschlägen von Paris konkurriert die Vorfreude auf die schönste Zeit des Jahres mit einer fundamentalen Verunsicherung.

So ist die Stimmung vor der weltgrößten Reisemesse ITB, die Anfang März in Berlin stattfindet, zum ersten Mal seit Jahren ziemlich verhalten. "Die ungebrochene Euphorie, die es bisher immer gegeben hat, ist in keiner Form durch die Wirklichkeit gedeckt", gibt Martin Buck zu, der die ITB verantwortet.

Prof. Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen sieht das ähnlich: "Die wichtigste Voraussetzung für den Urlaub steht in Frage: die Sicherheit." Natürlich, ganz ruhig war es auf der Welt noch nie. Doch zuletzt wurde das Vertrauen der Reisenden durch diverse Anschläge besonders stark auf die Probe gestellt.

Die Verunsicherung hat drastische Auswirkungen - vor allem für die Türkei. Die Buchungen liegen bislang unter Vorjahresniveau, berichten einige Veranstalter. Und auch Ägypten lockt seit dem mutmaßlichen Abschuss eines russischen Passagierflugzeugs durch IS-Terroristen weniger Urlauber an. Tunesien fällt nach dem Schock im vergangenen Jahr für viele als Urlaubsland sowieso aus. Die Entwicklung lässt die ITB nicht unberührt. "Das Thema Sicherheit wird einen großen Stellenwert einnehmen. Es hat an Brisanz und Aktualität gewonnen", räumt Norbert Fiebig ein, der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV).

Die Krisenländer selbst dürften auf der ITB die Chance nutzen, für sich zu werben: Die Türkei nimmt die komplette Halle 3.2 ein und reist mit 15 neuen Ausstellern nach Berlin, berichtet Buck. Die Preise in dem Land dürften durch die schwache Nachfrage kräftig sinken - man hofft auf ein starkes Last-Minute-Geschäft. Bis dahin profitieren vor allem Spanien, Italien, Portugal und Deutschland.

Die Aussteller aus Deutschland sind auf der ITB wie üblich stark vertreten. "Das wird in voller Pracht stattfinden", sagt Buck. Doch auch die heile Urlaubswelt zu Hause hat kleine Risse - zumindest aus Sicht von Besuchern aus dem Ausland. Buck nennt sowohl Pegida und die Fremdenfeindlichkeit im Osten als auch die Übergriffe von Köln an Silvester als Beispiele.

Es sind vor allem die Fernziele, die mit ungetrübten Urlaubswelten locken: die Karibik, der Indische Ozean, Asien. Dazu passt, dass die Malediven in diesem Jahr Partnerland der ITB sind. "Die Fernreise hat schon vergangenes Jahr gepunktet, 2016 deutet sich weiteres Wachstum an", prognostiziert DRV-Präsident Fiebig.

Ein wichtiger Schwerpunkt der ITB ist nicht zum ersten Mal die Rolle des Internets. "Die Digitalisierung ist ein Thema, das die Branche weiter beschäftigen wird", sagt Fiebig. Flugportale, Hotelwebseiten, Privatvermieter: Neue Angebote gibt es hier vor allem außerhalb der klassischen Reiseindustrie. Die Reiseveranstalter wollen mithalten. Über eigenen Apps unterwegs Ausflüge, Eintrittskarten oder einen Mietwagen anbieten - "das wird die Zukunft sein", glaubt Fiebig.

Zum ersten Mal wird auch über Roboter im Tourismus breit diskutiert. In Japan kommen sie bereits in Hotels zum Einsatz. Und Aida und Costa haben zuletzt einen Service-Roboter vorgestellt, der Passagieren auf den Kreuzfahrtschiffen zur Seite stehen soll. Bei aller getrübter Stimmung muss auch Raum für Abseitiges sein. Dafür ist die ITB generell ein guter Anlaufpunkt. Immerhin sind hier auch viele exotische Länder vertreten. Und dieses Jahr wartet ein besonderer Neuling auf Besucher: der Vatikan. Messechef Buck findet: "Wenn der Papst auf die ITB kommt, dann ist das doch bestimmt getrieben von einer großen Zuversicht."

dpa


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