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Tourismus

DRV-Präsident: Griechenland-Urlauber lässt die Krise kalt

Sparen? Bei den niedrigen Zinsen? Nein danke! Die Deutschen sind konsumfreudig und wollen in diesem Jahr mehr Geld für Reisen ausgeben. Das trifft sich gut: Die Urlaubsländer Griechenland und Ägypten zum Beispiel haben ihre Probleme hinter sich gelassen.
Norbert Fiebig ist Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV). Foto: DRV

Norbert Fiebig ist Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV). Foto: DRV

Berlin. Auch sonst boomt das Reisen. Die Tourismusbranche auf der

Reisemesse ITB (4. bis 8. März) ist in diesem Jahr also wieder einmal fröhlich gestimmt. Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), erklärt im Interview, wohin die Reise geht und warum er sich um junge Urlauber sorgt.

 

 

Welchen Urlaub buchen die Deutschen in diesem Jahr gerne?

 

Fiebig: Was sehr gut läuft, sind die klassischen Badeziele rund ums Mittelmeer und Kreuzfahrten. Das Angebot an Schiffen ist noch größer geworden. Was sich außerdem gut entwickelt, sind die Balearen. Die Türkei wird im Moment eher noch verhalten gebucht, aber das kann sich noch ändern. Sehr erfreulich ist die Entwicklung in Ägypten. Dort verzeichnen wir in den ersten Monaten des laufenden Touristikjahres für die Vorausbuchungen ein prozentual zweistelliges Plus. Insgesamt stimmt uns der aktuelle Buchungstrend für die Sommermonate sehr positiv.

 

Warum sind die Balearen wieder so stark?

 

Fiebig: Es gibt zwischen den einzelnen Urlaubsländern immer mal wieder leichte Verschiebungen. Im vergangenen Jahr haben Länder wie Griechenland und die Kanaren von dieser Verlagerung der Urlaubspräferenzen profitiert. Die Balearen - und allen voran Mallorca - gehören schon seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Auslandsreisezielen der Bundesbürger und überzeugen in diesem Jahr mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Deutschen schätzen die gute Hotelqualität sowie die umfangreichen Flugverbindungen.

 

Gibt es in Griechenland wegen der politisch unsicheren Zukunft einen Dämpfer bei den Buchungen?

 

Fiebig: Bislang sehen wir keine Anzeichen, dass sich aufgrund der neuen politischen Führung an dem Aufwärtstrend bei den Besucherzahlen etwas ändert. Während der Krise ab 2010 wurden die Deutschen vor allem in der griechischen Presse nicht gerade freundlich dargestellt. Das ist vorbei. Ich sehe auch jetzt keine Anzeichen dafür, dass die deutschen Urlauber negativ gesehen werden.

 

Ist Tunesien nach dem arabischen Frühling wieder interessant?

 

Fiebig: Tunesien hat sich nach dem arabischen Frühling sehr positiv entwickelt. Nach anfänglichem Einbruch der Gästezahlen sind diese inzwischen wieder fast so hoch wie vor der Krise. Was den Urlaub abseits der klassischen Badeziele angeht, gibt es sicher noch Nachholbedarf. Potenzial sehe ich im Hinterland, das bisher touristisch noch nicht so gut erschlossen ist. Das ist mit Investitionen verbunden, die ihre Zeit brauchen.

 

Hat die Reisebranche ein Problem, junge Urlauber anzusprechen?

 

Fiebig: Es ist tatsächlich teilweise nicht so einfach, junge Leute für Pauschalreisen zu begeistern. Viele von ihnen bewegen sich im Netz und suchen sich selbst ihre Reisen zusammen. Das ist eine Herausforderung, denn viele wissen nicht um die Vorteile und die Absicherung, die eine professionell organisierte Urlaubsreise mit sich bringt. Mir hat aber gerade erst kürzlich eine junge Frau unter 30 erzählt, wie sie nach zwei, drei Tagen zeitintensiver Suche im Internet verzweifelt aufgegeben hat und ins Reisebüro gegangen ist.

 

Was ist der Vorteil eines Reisebüros?

 

Fiebig: Es ist schwierig, sich online an einem bestimmten Punkt zu entscheiden. Im Reisebüro bekommt der Urlauber kompetente Beratung und wertvolle Tipps und zahlt nicht mehr als im Netz. Darum gehen wieder mehr Kunden auch ins Reisebüro - der Umsatz über die stationären Büros hat deutlich zugelegt und auch deren Anzahl wächst.

 

Die Generation "65plus" verreist so gerne wie nie zuvor. Werden die touristischen Angebote

künfitg

vor allem auf Senioren zugeschnitten sein?

 

Fiebig: Nein, denn die wollen Urlaub machen wie jeder andere auch, solange sie nicht auf besondere Betreuungsleistungen - etwa auf ärztliche Begleitung - angewiesen sind. Keiner der Älteren will spezielle Seniorenreisen machen. Von daher unterscheiden sich die Reisen nicht groß von dem Angebot für alle anderen. Was sich aber durchaus gut bei der älteren Generation entwickelt, sind Busreisen. Diese Reiseform ist auch gerade bei den Menschen beliebt, die ihren Lebenspartner verloren haben und Kontakt zu anderen Reisenden suchen. Außerdem ist das eine sehr komfortable Möglichkeit, etwas von der Welt zu sehen.

dpa


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