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Tourismus

Alptraum fürs "Traumschiff": Die "Deutschland" ist insolvent

Das "Traumschiff" ist finanziell auf Grund gelaufen. Die Branche boomt, allerdings haben Riesendampfer mit Tausenden Kabinen den Preiskampf verschärft. Zum Untergang verdammt sind die kleinen Anbieter aber nicht.
Die Weihnachtsreise des «Traumschiffs» soll wie geplant stattfinden - wie es mit der «Deutschland» jedoch im neuen Jahr weitergeht, ist noch offen.

Die Weihnachtsreise des «Traumschiffs» soll wie geplant stattfinden - wie es mit der «Deutschland» jedoch im neuen Jahr weitergeht, ist noch offen.

© Jens Ressing

München. Das "Traumschiff" muss zum TÜV. Der aus dem Fernsehen bekannte Ozeandampfer ist deshalb auf dem Weg zu einer Werft im spanischen Cádiz. Wie die Rechnung bezahlt werden soll, ist im Moment aber noch unklar. Die Gesellschaft, der das Schiff gehört, ist zahlungsunfähig, es läuft das vorläufige Insolvenzverfahren. "Wenn das Schiff wieder fahren soll, ist Geld erforderlich - und das ist im Moment nicht da", sagt Andreas Jung, Sprecher des Insolvenzverwalters.

Die bisher letzte Reise der "Deutschland" mit Passagieren endete im Hafen der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Löhne und Gehälter der 280-köpfigen Crew sind bis Ende Januar durch das Insolvenzgeld gesichert. Die Weihnachtsreise des "Traumschiffs" soll wie geplant stattfinden. Wie es im neuen Jahr weitergeht, ließ Jung offen. "Denkbar ist, dass ein Investor einsteigt - aber wir haben noch keine Zusage." Die Eigentümergesellschaft sitzt auf rund 56 Millionen Euro Schulden. Am Mittwoch (12. November) berieten die Gläubiger in München über die Zukunft des "Grandhotels auf See".

Kapitän Elmar Mühlebach gibt sich kämpferisch: "Wenn nur eine Insolvenz unser Schiff retten kann, werden wir auch das durchstehen." Die Stimmung an Bord sei nach wie vor gut, erzählt er. Er sei stolz, auf dem letzten Passagierschiff zu sein, das unter deutscher Flagge über die Weltmeere fahre. "Die Deutschland ist für mich ein zweites Zuhause."

Mit ihren finanziellen Sorgen sind die Besitzer des "Traumschiffs" nicht allein. Kleine Anbieter mit nur einem oder zwei Schiffen haben es schwer auf dem Kreuzfahrtmarkt, der von weltweit agierenden Flottenbetreibern wie Aida oder TUI dominiert wird. Zuletzt gerieten die Betreiber der "Astor" in arge Finanznöte, die Firma Ambiente Kreuzfahrten stellte den Betrieb sogar ganz ein. Dabei befindet sich die Branche im Aufwind. 2013 unternahmen 1,69 Millionen Deutsche eine Hochseekreuzfahrt, fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit den Fünf-Sterne-Luxuskreuzern samt riesigem Schwimmbad, Autosimulator und mehreren Restaurants können die kleinen Schiffe nicht mithalten. "Die Betriebskosten der meist älteren, kleineren Schiffe sind aber oft genauso hoch", sagt Bernhard Jans von der Arbeitsgruppe Kreuzfahrt-Forschung der Technischen Universität Dresden. Mit der "Deutschland" können gerade einmal knapp 500 Passagiere reisen - auf den großen Schiffen der Konkurrenz sind es mehrere Tausend. Kein Wunder also, dass den Kleinen das Wasser bis zum Hals steht.

Für Jans ist es deshalb unverständlich, warum die kleinen Kreuzfahrtschiffe häufig auf den gleichen Routen unterwegs sind wie die übermächtige Konkurrenz: "Das ist ein dicker Fehler." Stattdessen sollten kleine Häfen und Inseln auf dem Plan stehen, wo für die großen Schiffe schlicht kein Platz ist. "Zum Beispiel auf einer Tour nach Island und Spitzbergen: Ein Riesendampfer kommt da vielleicht in zwei bis drei Häfen - das kleinere Schiff in jeden Fjord."

dpa


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