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Tourismus

Achterbahn und Bildungsreise - Freizeitparks im Umbruch

Die ersten Skizzen entstanden auf einem Bierdeckel: Mit einigen Bleistiftzeichnungen abends an einer Hotelbar wurde die Idee geboren. Anfangs glaubte kaum jemand an sie.
Der Europa-Park in Rust öffnet wieder.

Der Europa-Park in Rust öffnet wieder.

© Patrick Seeger

Rust. Heute ist der

Europa-Park in Rust bei Freiburg Deutschlands größter Freizeitpark. Und Branchenprimus. Nun wird er 40 Jahre alt. Der Vergnügungspark in der badischen Provinz ist Deutschlands bekanntestes Beispiel für das boomende Geschäft mit Spaß und Vergnügen. Gleichzeitig steigt der Druck, in immer neue Angebote und Attraktionen zu investieren.

 

"Mein Vater und ich waren die einzigen, die an diesen Park geglaubt haben." Roland Mack (65), Maschinenbau-Ingenieur aus Waldkirch bei Freiburg, ist Gründer, Chef und Inhaber des Freizeitparks, der sich seit seinem Start 1975 Europa zum Thema macht und in Familienbesitz ist. Seine Runden dreht Mack im Elektromobil. Zu Fuß wäre er lange unterwegs. Aus einem kleinen Park mitten im Dorf mit Kinderkarussell und Märchenbahn ist in vier Jahrzehnten ein 95 Hektar großes Gelände mit Achterbahnen, fünf Hotels, Konferenzzentrum und 3600 Mitarbeitern entstanden. Ende März startet die diesjährige Sommersaison.

"Der Europa-Park ist Spiegelbild unserer Branche", sagt Klaus-Michael Machens, Präsident des

Verbandes Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU). Die Deutschen sowie Touristen aus dem Ausland seien zunehmend bereit, für Freizeitvergnügen Geld auszugeben. Davon profitiere die Branche mit ihren deutschlandweit rund 25 großen Parks, mehr als 80 kleineren Einrichtungen wie Tierparks und Indoor- Attraktionen sowie zahlreichen Zulieferern.

 

So auch Rust: Mit jährlich mehr als fünf Millionen Besuchern ist das Vergnügungsareal im 3900 Einwohner zählenden Dorf am Oberrhein nach dem Kölner Dom (sechs Millionen Besucher pro Jahr) das beliebteste Ausflugziel in Deutschland, hat die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) ermittelt. Mit 4500 Betten zudem größter privater Hotelbetrieb in Deutschland und größter gastronomischer Betrieb an einem Ort. Ein weiterer Hotelneubau sowie ein Wasserpark sind in Planung.

Freizeitparks profitierten vom touristischen Trend, dass Urlauber an einem Ort möglichst viel erleben und geboten bekommen wollen. "Neben Rummel suchen sie verstärkt auch Ruhe und Natur", sagt Machens. "Und die Möglichkeit, sich und die Kinder spielerisch zu bilden." Bildungsangebote mit Erlebnischarakter seien besonders gefragt.

"Unser Erfolgsrezept ist, dass wir stetig investiert und erweitert haben. Und dass wir uns nicht auf eine Zielgruppe beschränkt haben", sagt Europa-Park-Chef Mack. Eine spektakuläre Achterbahn alleine bringe dauerhaft keinen Erfolg. Das Angebot müsse die ganze Familie ansprechen - vom Kleinkind bis zur Oma. "Höher, weiter schneller - das lockt nur eine vergleichsweise kleine Gruppe Erlebnishungriger", sagt Mack. "Und diese reist dann schnell weiter zum nächsten Kick."

Dies gilt für alle Parks, sagt Verbandssprecherin Janine Engel. "Zunehmend gefordert wird ein breites Angebot, das auch länger und vor allem mehrere Generationen bei Laune hält." So investierten beispielsweise Zoos und Tierparks in Fahr- und Erlebnisattraktionen, größere Parks schaffen vor allem Übernachtungsmöglichkeiten. Parks würden immer mehr zum Kurzreiseziel für Mehrtagesbesucher.

Die Kehrseite: Der Druck, Bestehendes zu erneuern und Neues zu schaffen, ist hoch. "In den Ausbau des Parks haben wir seit Bestehen 800 Millionen Euro investiert", sagt Mack. Und es müsse weitergehen. Allein in diese Saison fließen mehr als 15 Millionen Euro.

Für kleinere Parks sowie für Schausteller, die von Volksfest zu Volksfest reisen, ist das ein Problem, sagt Verbandschef Machens und bestätigt damit eine Einschätzung des

Deutschen Schaustellerbundes. An größere Neugründungen von Parks sei wegen der dafür notwendigen hohen Anfangsinvestitionen derzeit nicht zu denken.

 

"Wir galten anfangs als Exoten, ohne Aussicht auf Erfolg", erinnert sich Mack. "Der Pleitegeier schwebt über Rust", titelte eine örtliche Zeitung. Und es fand sich kein Wirt. "Aus der Not heraus haben wir dann alles in Eigenregie gemacht, auch die Gastronomie. Heute sind wir froh darüber." Es ist ein profitables Geschäft geworden. Und die Freizeitindustrie zu einem anerkannten Wirtschaftszweig.

dpa


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