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Buntes

Zeit für Entschleunigung - Ausmalen wird zum Lifestyle-Trend

Ausmalbücher, Malen nach Zahlen, Mandala-Malen: Zahllose Menschen widmen sich einer auf den ersten Blick wenig kreativen Tätigkeit, die bisher Kindern vorbehalten war.
Ute Frenzel hat mit dem Malort 28 einen Treffpunkt zum Malen für Kinder und Erwachsene eingerichtet.

Ute Frenzel hat mit dem Malort 28 einen Treffpunkt zum Malen für Kinder und Erwachsene eingerichtet.

© Wolfram Kastl

Karlsruhe. Das Ausmalen ist für sie ein farbenfroher Protest gegen Leistungsdruck oder permanente Online-Präsenz.

Star der Ausmal-Szene ist die schottische Illustratorin

Johanna Basford, deren "Secret Garden" (Verzauberter Garten) schon 1,4 Millionen Mal verkauft wurde. In den USA und Frankreich führt Basford Bestsellerlisten an. Jetzt entdecken auch viele in Deutschland den Maltrend - Hauptzielgruppe: Mütter und Manager.

 

"Es geht darum, sich kleine Fluchten im Alltag zu schaffen, um den täglichen Stress zu reduzieren", erklärt Katharina Eichler das Phänomen. Sie arbeitet im Münchner Verlag Edition Michael Fischer, der im Kielwasser der Basford-Welle ein eigenes Angebot an Ausmalbüchern gestaltet hat. "Das Ausmalen ist eine Flucht vor der Selbstoptimierung, hinein in einen eigenen Flow, in dem es kein richtig oder falsch mehr gibt." In der Verlagsreihe "Farbe rein - Stress raus" gibt es auch einen Titel für das Ausmalen von Mandalas, das sind meist kreisförmige oder quadratische Muster aus dem Kosmos hinduistischer oder buddhistischer Vorstellungswelten.

"Diese idealisierten Bilder vermitteln eine bestimmte Ordnungsvorstellung, und Mandalas haben das Anliegen, diese Ordnung in einem Menschen wiederherzustellen", sagt Ute Frenzel vom

Malort 28 in Karlsruhe. Die Musikerin hat dort vor fünf Jahren in Anlehnung an den Pädagogen Arno Stern einen Treffpunkt zum Malen für Kinder und Erwachsene eingerichtet. Ziel ist das freie Malen an der Wand. Aber Mandalas, sagt Frenzel, "sind ein leichter Einstieg für Leute, die nicht an freies Malen gewohnt sind".

 

In der Mitte des Raums steht eine Bank mit Naturfarben und Pinseln, an der Wand werden immer wieder neue Blätter oder Mandala-Vorlagen aufgehängt. "Wir haben hier einen Raum, in dem zweckfrei gelebt werden kann", sagt Frenzel. Das Malen sei eine eigene, sensible Form der Selbstwahrnehmung. "Die meisten Erwachsenen haben eine sehr große Scheu, sich auf das Malen einzulassen, weil wir alle an Leistung gebunden sind. Wir können das gar nicht aushalten, wenn etwas nicht perfekt ist." Ausmalbücher könnten dieser Scheu entgegenwirken, seien aber nur ein Anfang, der auf kindlichem Niveau stehenbleibe.

Das gilt auch für das "Malen nach Zahlen", bei dem Punkte in vorgegebener Reihenfolge mit Linien verbunden werden müssen. "Wir merken, dass diese Angebote auch bei Erwachsenen ankommen, da ist auf jeden Fall noch Potenzial da", heißt es im Ravensburger-Verlag, der 2015 auf 40 Jahre "Malen nach Zahlen" zurückblickt. Mit den eigenen Händen etwas zu machen, das sei einfach ein willkommener Gegentrend zum permanenten Online-Dasein.

Der Trend zum Ausmalen für Erwachsene kommt auch den Zeichnern zugute. Aktuell sei dies noch ein überschaubares Betätigungsfeld, sagt die Geschäftsführerin der Illustratoren Organisation, Stefanie Weiffenbach. Die meisten bisherigen Arbeiten würden überwiegend als eigenständige Projekte von den Illustratoren selbst gestaltet. Der Verband erwartet, dass im kommenden Jahr mehr Aufträge für Malbücher von Verlagen kommen.

Basfords zweites Buch "Enchanted Forest" (Mein Zauberwald) ist gerade erschienen, das dritte Buch ist in Arbeit. Die "Tinten-Evangelistin", wie sie sich auf Facebook nennt, ruft ihren Fans zu: "Spitzt und sortiert eure Stifte, die Ausmal-Manie geht weiter!"

dpa


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