Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

Mode

Oscar Wilde light: So kleidet sich der Dandy von heute

Interesse für Mode? Das wäre untertrieben. Die Dandys von einst liebten Mode, sie stellten stundenlang das perfekte Outfit zusammen. So weit geht das heute zwar nicht mehr. Aber ein bisschen Dandytum findet man in der Männerwelt auch jetzt noch.
Gut gestylt, aber nicht zu übertrieben: So kleidet sich der moderne Dandy, wie hier bei Cinque (Sakko ca. 230 Euro, Pullover ca. 120 Euro, Hemd ca. 90 Euro, Hose ca. 150 Euro). Foto: Cinque

Gut gestylt, aber nicht zu übertrieben: So kleidet sich der moderne Dandy, wie hier bei Cinque (Sakko ca. 230 Euro, Pullover ca. 120 Euro, Hemd ca. 90 Euro, Hose ca. 150 Euro). Foto: Cinque

Frankfurt/Main. Zylinder, Weste mit Paisley-Muster, Frack, Fliege, samtene Kniehose, Lackschuhe und Gehstock - so zeigt sich ein Dandy, wie er im Buche steht. Nichts überlässt der Schöngeist bei seinem Outfit dem Zufall, jedes Kleidungsstück ist das Resultat höchster Schneiderkunst.

"Der Dandy von einst hat sich ausschließlich mit Kleidung beschäftigt. Sein gesamtes Leben drehte sich um sein Aussehen", sagt André Bangert von der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft". Beau Brummell, der den Dandy-Look in der Mitte des 18. Jahrhunderts in England etablierte, soll fünf Stunden benötigt haben, bis er fertig gekleidet war. Seine Stiefel polierte er angeblich mit Champagner. "Das Dandytum entstand als Protest gegen die Beschleunigung in der Arbeitswelt", sagt Robert Herzog, Dozent an der Modeschule Stuttgart. Aktuell erlebt die Bewegung eine - weniger opulente - Renaissance.

Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts, sieht das in einer bewussten modischen Entscheidung begründet: "Wir beobachten ein immer stärkeres Auseinanderdriften zwischen jenen, die zerrissene Jeans oder preiswerte Discount-Kleidung tragen, und jenen, die bei exklusiven Marken kaufen, weil sie Wertigkeit zu schätzen wissen und gerne in Schönheit schwelgen." Robert Herzog sieht darin auch eine Sehnsucht nach einer übertriebenen Kultiviertheit: "Es ist eine Abkehr vom Minimalismus, der Wunsch nach Andersartigkeit, nicht rational sein zu müssen in einer rationalen Welt."

Betrachtet man Bilder bekannter Dandys - zum Beispiel Oscar Wilde, Giacomo Casanova oder Charles Baudelaire -, so sind es besonders die vielen Details, die ins Auge fallen. "Die Knöpfe glänzen metallisch, die Nähte sind aus farbigem Garn, die Lackschuhe poliert, die Zwirne bei Jacken und Mänteln hochgedreht", beschreibt Müller-Thomkins. "Der Dandy liebt die Überspitzung, hat eine Obsession fürs Detail, für ihn ist Mode ein Fetisch. Er ist ein Narzisst, ein Schöngeist und Flaneur mit einer Obsession für Äußerlichkeiten, der das Spiel mit Materialien, Farben und Schattierungen liebt."

Ebenso sind die verarbeiteten Materialien von höchster Qualität. "Samt, Seide, Kaschmir und edle Wolle", listet Müller-Thomkins auf. "Äußerst beliebt war auch Seidenbrokat, das zu dicht geschlagener und dadurch fest stehender Baumwolle getragen wurde", ergänzt Herzog. Stickereien wurden genauso zu Pailletten kombiniert wie ein voluminöses, glänzendes Samtsakko zur matten Gürtelschnalle.

Schaut man sich aktuelle Bilder der Florenzer Herrenmodemesse Pitti Immagine Uomo an, so lassen sich laut Müller-Thomkins kaum Unterschiede zu den Dandys von früher feststellen. Bangert empfiehlt dennoch, die traditionellen Elemente neu zu interpretieren, statt sie nur zu kopieren: "Ein Oscar Wilde würde 2016 arrogant rüberkommen. Der Mann von heute darf sich durchaus an Elementen des Dandytums bedienen. Aber nicht blasiert aussehen, sondern cool und lässig wirken, smart statt geleckt, als sei sein Outfit selbstverständlich und nicht das Resultat stundenlangen Stylings." Der moderne Dandy spielt mit den klassischen Elementen, setzt sie aber reduziert ein.

Das heißt: "Wer eine Nadelstreifen-Weste trägt oder ein Sakko mit Karomuster, sollte bestenfalls keine klassische Wollhose dazu kombinieren. Wer Krawatte trägt, verzichtet lieber auf das Einstecktuch und umgekehrt", nennt André Bangert Beispiele. Ein Schalkragen-Sakko sei erlaubt - ein gemusterter Schal, wie ihn die Dandys früher trugen, sei hingegen aus der Mode. "Und auch wenn sich der Oscar Wilde im Grab umdrehen würden: Sneakers zur Buntfaltenhose. Mit einem klassischen Schuh wäre der Look zu alt."

Auf eine Taschenuhr sollte heute verzichtet werden, empfiehlt Bangert, ebenso auf Lackschuhe und Hüte. Besser seien Lederschuhe oder hochwertige Loafer. "Zu Hosenträgern sollte nur greifen, wer einen Vollbart hat und Jeans trägt, nicht aber jemand mit Seitenscheitel und Pomade im Haar. Das würde spießig wirken."

Beim Haarschnitt hat es der moderne Dandy hingegen leichter: "Der Fassonschnitt, also etwas längeres Deckhaar und kürzere Seiten, ist omnipräsent und für jeden Mann die richtige Frisur", meint Bangert. Darüber würden sich auch die Dandys der ersten Stunde freuen.

dpa


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige




Jubiläum




Wünsche




Terra-Tech




Lokschuppen-Sanierung

Lokschuppen-Sanierung: Sollten Marburger über die Umsetzung eingereichter Projektangebote abstimmen dürfen?

Sport-Tabellen




Spielerkader




zur Galerie

Fußballfotos vom Wochenende

Sonderveröffentlichungen




Spielplatz-Serie




LWL-Shop




Mit der OP durch das Gartenjahr




Blende 2016




Heimatprämie sichern!




Instagram

Meistgelesene Artikel

Schüler lesen die OP




Kommentare




OP kostenlos lesen




Der Online-Shop der OP




Städtewetter
Ihre Stadt/Ihr Ort
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug
Ihre Wettervorschau
zur Galerie

Willkommen im Leben:

Die Transfers im Landkreis




Die OP-Serien

Mmmm, wie das duftet! Das Rezept für diesen saftigen Stollen finden Sie unten im Text. Foto: Hartmut Berge Besser Esser

Christstollen: Ein Gebäck fürs ganze Jahr

Als die OP Mike Schmidt in der Backstube besucht, riecht es nach Rosinen und Mandeln. Der 39-Jährige macht das, was seine Vorfahren schon vor rund 180 Jahren in der Vorweihnachtszeit praktizierten: Er backt Stollen. mehrKostenpflichtiger Inhalt

In 12 Schritten zum perfekten ChriststollenGalerie   



90 regionale Rezepte: Das Besser-Esser-Buch


Das Besser Esser Buch mit 70 regionalen Rezepten.

Die Grill-App der Oberhessischen Presse


Rostkost: Rezepte und Grilltechnik




  • Sie befinden sich hier: Mode – Oscar Wilde light: So kleidet sich der Dandy von heute – op-marburg.de