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Mode

Menschen in Kleidern: Bilder regieren in Paris die Mode

Was ist wichtiger bei Modenschauen: Kleider oder Klicks - Stoffe oder Bilder? Wohl in beiden Fällen letzteres. In Paris regiert das Internet die Entwürfe. Und Blogger bekommen immer mehr das Sagen.
Diese von Saab kreierte Jacke fällt durch das markante Blumenmuster auf.

Diese von Saab kreierte Jacke fällt durch das markante Blumenmuster auf.

© Ian Langsdon

Paris. Alles rennt, rast, rempelt: Wenn die Bloggerin Chiara Ferragni wie zur Zeit in Paris zu einer Modenschau stöckelt, gibt es kein Halten. Die 28-jährige ehemalige Jurastudentin hat über 4,5 Millionen Follower auf Instagram und inzwischen Millionen mit Mode verdient.

Bei der Schau von Elie Saab am vergangenen Samstag (3. Oktober) erschien sie im rotgemusterten Kleid mit rotgeränderter Sonnenbrille, bei Dior am Vortag im Paillettenpullover und Fransen-Tweedrock. Und die Kameras klickten ununterbrochen.

Dass es bei Fashion Weeks wie den laufenden Pariser Prêt-à-Porter-Präsentationen für Frühjahr/Sommer 2016 eigentlich um verkäufliche Kleider geht, ist inzwischen fast zweitrangig geworden. Vor allem geht es um Bilder von Menschen in Kleidern. Die Designer buhlen bei ihren Schauen immer mehr um bildträchtige Effekte. Die Modekritikerin Vanessa Friedman nannte diese Entwicklung am vergangenen Freitag in der New York Times den "Instagram Imperativ".

Elie Saabs Schau am Samstag war ein gutes Beispiel dafür: Auffällige Blütenmuster, Trainingsjacken zu Seidenhosen, mädchenhafte Spitzenkleider in Weiß mit Schleifenband, Streifentücher in leuchtenden Farben oder ein glitzernder schwarzer Jumpsuit mit weiter Hose. Von allem war etwas dabei, alles war gut geschneidert. Aber die Linie fehlte. Wichtiger schien, dass Reality-Show-Star und Model Kendall Jenner (aktuell 37,9 Millionen Instagram-Follower) auf dem Laufsteg dabei war sowie Supermodel Gigi Hadid (aktuell 6,7 Millionen Abonnenten).

Bei dem spanischen Label Loewe setzte Designer J.W. Anderson am Freitag auf PVC-Folie, Logoanzüge, Plastiktaschen oder Silberfransen, die an Kabelsalat denken ließen. Doch verbargen sich hinter den Eye-Catchern realistische Kleider für reale Frauen, ob der feinbedruckte Tunika-Anzug, das karamellfarbene Lederkleid oder die gut sitzende Blousonjacke. Wer hingegen die ziemlich durchsichtigen Netzentwürfe oder den knallengen, teils haut-, teils kaffeefarbenen Catsuit von Balmain-Designer Olivier Rousteing (sehr gut aussehend und selbst ein Instagram-Star) im wahren Leben tragen soll, bleibt ein Rätsel. Immerhin führte letzteren Kendall Jenner vor. Und Gigi Hadid war auf dem Laufsteg auch wieder dabei.

Wenige Designer gehen mit der Entwicklung der Mode so bewusst und bedacht um wie Alber Elbaz von Lanvin. "Wir waren Designer, jetzt sind wir Image-Macher", sagte er bei einer Preview seiner Kollektion zu Journalisten. Dass er gute Bilder und perfekt geschnittene Kleider vereinen kann, bewies er dann am Donnerstag: Elegante Smoking-Jacken, mehrlagige Seidenkleider, offenkantiger Tweed, Pailletten wie ein Mosaik und schimmernde Drucke. Bei den 69 Looks war fast alles dabei, ohne dass es zum Tohuwabohu geriet.

Trotzdem atmet man auf, wenn man in die meist ruhigen Showrooms am Rande zeigender Labels gelangt. Bei dem deutschen Designerduo Jörg Ehrlich und Otto Drögsler ("Odeeh") hängen die Kleider aufgeräumt und in drei überschaubare Sektionen geteilt in einer lichten Kunstgalerie im Marais: Gestreift Midiröcke aus Tussahseide, die wie handbemalt wirken, zarte Oberteile in der fedrig wirkenden Fil-Coupé-Technik und sorgfältig gearbeitete Tunikakleider aus Denim. "Für kleinere Labels wie uns ist es hier in Paris gut, sich zu konzentrieren", sagt Jörg Ehrlich. Die großen Schauen mit den vielen bildträchtigen Looks sähen beeindruckend aus. Aber: "Man muss das Ganze ja erst einmal verdauen." Bei Odeeh findet man endlich Ruhe dafür.

dpa


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