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Buntes

Holi-Trend: Wie gefährlich sind die Farb-Feten?

Rund um den Globus feiern immer mehr Menschen die bunten "Holi"-Festivals, die aus einer alten indischen Tradition eine Party für die Jugend machen. Die Farbfeten boomen.
Damit es ein Vergnügen bleibt: Der deutsche Veranstalter Holi Concept verwendet auf seinen Partys nicht-staubexplosionsfähiges Pulver.

Damit es ein Vergnügen bleibt: Der deutsche Veranstalter Holi Concept verwendet auf seinen Partys nicht-staubexplosionsfähiges Pulver.

© Fredrik von Erichsen

Berlin. Allein in Deutschland gibt es in diesem Sommer Dutzende der bunten Pop-Konzerte. Jetzt überschattet ein Unglück die Partys.

Rosa, Grün, Orange, Gelb stauben die Wolken über den Köpfen - und senken sich auf die jubelnden Menschen, die hinterher glücklich bunt eingestaubte Gesichter haben und aussehen wie Kinder nach einer Fingerfarbenschlacht. Die Menschen tanzen, liegen sich in den Armen. Friedlich, glücklich, ekstatisch - es sieht ein bisschen aus wie ein Revival von Woodstock und Flower-Power.

Doch jetzt gab es Unglück. In Taiwan brach bei einer Farbfete in einem Freizeitpark ein Feuer aus, eine 20-Jährige starb. Es gab Hunderte Verletzte, fast 200 Besucher erlitten teils schlimmste Verbrennungen. Farbpulver soll explodiert sein.

Das Pulver besteht aus bunt gefärbtem Mehl - und Mehlstaubexplosionen sind etwa aus Bäckereien bekannt. Gemische aus Staub und Luft können grundsätzlich in die Luft fliegen, zumindest wenn der Staub aus brennbarem Material wie Kohle, Mehl, Holz, Kakao oder Stärke besteht. Die Partikel bringen es auf große Oberflächen, die gut Wärme aufnehmen, schnell oxidieren und sich damit entzünden können.

"Bei einer Explosion braucht man drei Faktoren: Sauerstoff, brennbares Material und als drittes eine Zündquelle", sagt Sebastian Willer, Explosionsschutz-Experte beim TÜV Süd. Strahler oder elektrische Geräte kämen hier infrage.

"Wir wissen nicht, was die anderen Festivals verwenden. Die Gefahr ist aber kein neues Thema", sagt ein Sprecher des deutschen Veranstalters Holi Concept. Um die Gefahr zu bannen, habe Holi Concept mit dem deutschen Hersteller schon bei der Entwicklung eng zusammengearbeitet. "Das Endprodukt ist ein vollkommen neues Pulver. Ein zentrales Merkmal ist die Einstufung als nicht-staubexplosionsfähig - ein wichtiger Aspekt, wenn es um die Sicherheit auf Veranstaltungen geht", erklären die Veranstalter. Diese Sicherheit habe ein unabhängiges Brand- und Explosionsschutz-Unternehmen geprüft und bestätigt.

Sechstausend bis zehntausend Menschen kommen zu den Partys, Frankfurt ist am 18. Juli dran, Hamburg am 8. August. In Berlin wird am 25. Juli das Reiterstadion bunt, in München bekommt die Galopprennbahn in Riem am 1. August Farbtupfer ab.

Holi Concept plant ein Dutzend

Events in Deutschland - und weitere in 20 Staaten. Das Mitbringen eigener Farbpulver sei ausdrücklich verboten, heißt es. Das gesundheitlich unbedenkliche originale Pulver könne nur auf dem Festivalgelände oder im Online-Vorverkauf erworben werden. Beim Vertrieb heißt es, das Pulver entspreche der Kosmetikverordnung, sei biologisch abbaubar und nicht-staubexplosionsfähig.

 

Eine Sprecherin des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit riet kürzlich, das Pulver nicht ins Gesicht zu werfen und als Schutz zumindest Mund- und Nasentücher sowie Sonnenbrillen zu benutzen.

Die etwa zwei Euro teuren Tüten werden bei den Konzerten zerrissen und in die Luft geworfen - auf ein Signal schwebt

eine riesige bunte Wolke über den Köpfen - ein gigantisches Bild, wenn Zehntausende Menschen feiern.

 

Die Idee stammt aus Indien. Beim Holi-Fest vergisst das sonst hierarchische Land Kasten, Herkunft und Geschlecht. Am Tag vor dem ersten Vollmond im März begrüßen die Menschen den Frühling, werfen Gulal, so heißt das Pulver dort, spritzen mit buntem Wasser, tanzen. Das Fest soll versöhnen und Toleranz bringen. Farben als Zeichen der Aufhebung von Kasten und kulturell-gesellschaftlichen Unterschieden. Denn danach sind alle Menschen bunt - und gleich.

dpa


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