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Mode

Hilfe oder Profit? - Der Weg der gebrauchten Kleidung

Viele Menschen möchten mit Kleiderspenden Gutes tun. Der Handel mit Alttextilien und Secondhand-Sachen bringt Geld ein und schafft Arbeit. Kleiderschrank auf, mal sehen, was weg kann.
Einige Textilien werden aufgearbeitet.

Einige Textilien werden aufgearbeitet.

© Roland Weihrauch

Essen. amotten?

Kleiderschrank auf, mal sehen, was weg kann. Da ist Opas Lodenmantel, das abgelegte Kostüm, die zu eng gewordene Jeans, das Fußballtrikot, das der Sohn nicht mehr will. Ab damit in den Sack. "Viele wünschen sich, dass Obdachlose die Sachen bekommen", sagt Thomas Ahlmann von Fairwertung, dem Dachverband gemeinnütziger Sammler. Ein Teil der Spenden geht an Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern. Das Gros aber wird als Secondhand-Ware verkauft - erste Wahl nach Deutschland, zweite und dritte Wahl nach Osteuropa und Afrika.

Etwa 750 000 Tonnen Kleidung sortieren die Deutschen jährlich aus, zu 70 Prozent Damenkleidung. Es mangelt hingegen an Herrensachen in schlanken Größen, Baby- und Kinderkleidung. Alttextilien sind Abfall, der sich zu 90 Prozent weiterverwenden lässt. Verkauf und Verwertung bringen bis zu 450 Euro pro Tonne ein, schätzt Fairwertung. Was gar niemand mehr anzieht, wird zu Putzlappen oder verbrannt.

Abgetragene und aussortierte Kleidung landet beispielsweise bei der Essener Diakonie: Dort schafft die Sammlung Beschäftigung für 160 Langzeitarbeitslose. Im Sortierbetrieb öffnen die Männer und Frauen die Kleidersäcke und ordnen die Sachen in Boxen. Kriterien: Makellos oder abgewetzt? Modisch oder veraltet? Sauber oder schmutzig?

Gut erhaltene Textilien machen etwa 50 Prozent einer Lieferung aus und gehen an die Diakonieläden für bedürftige Menschen. Blusen, Hemden und Pullover kosten dort nur wenige Euro. Was keinen Abnehmer findet, verkauft das Diakoniewerk an geprüfte Gewerbebetriebe weiter. So gelangt auch ein Teil dieser Kleidung ins Ausland.

Bisweilen tauchen auf den Sortiertischen Dinge auf, die keinesfalls in den Kleidersack gehören: Töpfe, Glasflaschen, Plastikmüll, volle Babywindeln. "Einmal hatten wir sogar einen Schweinekopf dabei", erzählt eine Mitarbeiterin der Essener Diakonie.

Den Altkleidermarkt teilen sich karitative Vereine mit gewerblichen Firmen und seit 2012 auch mit den Kommunen, die Stellplätze für Container und die Verwertung der Kleidung meistbietend ausschreiben. Das dränge die Gemeinnützigen zurück und lasse ihre Erlöse für soziale Projekte schrumpfen, klagt Fairwertung. Die Kommunen würden mit Einnahmen aber ihre Abfallgebühren entlasten, entgegnet Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Nicht immer ist ganz klar, wer einen Container aufgestellt hat. Oft verbergen sich dubiose Sammler hinter mitleiderregenden Armutsfotos und Floskeln mit sozialem Touch. Sie stehen ungenehmigt auf der grünen Wiese, und bevor die Behörden sie entfernen konnten, wurde der kostbare Inhalt schon längst abgeholt und versilbert.

"Die sind schwer zu bekämpfen", sagt Ilona Schäfer vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). Spender sollten die Finger von Containern und Wäschekörben lassen, die keinen seriösen Aufsteller erkennen lassen. Orientierung bieten das bvse-Qualitätssiegel für Textilrecycling und das Zeichen von Fairwertung, das die Mitglieder zur Einhaltung sozialer und ökologischer Standards verpflichtet.

Das ausrangierte Fußballtrikot vom Sohn findet ganz sicher noch einen Fan. Sei es im deutschen Sozialkaufhaus oder auf einem Exportmarkt in Tansania. Gebrauchte Sachen decken in Afrika bis zu 80 Prozent des Bekleidungsbedarfs. Der ausgediente Lodenmantel vom Opa hat es dort aber schwer. "Der ist unmodern und überdies viel zu warm", vermutet Experte Thomas Ahlmann. Das gute Stück geht wohl den Weg des Mülls.

dpa


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